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Medizin

Rauchen und Alkohol schaden Blutgefäßen von Jugendlichen

Donnerstag, 30. August 2018

/laboko, stockadobecom

London – Englische Jugendliche, die Tabak und Alkohol konsumierten, hatten in einer prospektiven Beobachtungsstudie im European Heart Journal (2018; doi: 10.1093/eurheartj/ehy524) im Alter von 17 Jahren eine erhöhte Pulswellen­geschwindigkeit, die ein frühes Zeichen einer atherosklerotischen Schädigung der Blutgefäße ist. Die Veränderungen waren nach einer Abstinenz jedoch noch reversibel.

Englische Jugendliche beginnen früh mit dem Alkoholkonsum und sie trinken teilweise exzessiv. John Deanfield stufte ein Drittel der Teilnehmer der ALSPAC-Kohorte („Avon Longitudinal Study of Parents and Children“), die seit der Schwangerschaft ihrer Mütter in den 1990er-Jahren regelmäßig untersucht werden, als „starke Trinker“ ein. Als solche galten Jugendliche, die bei den Befragungen im Alter von 13, 15 oder 17 Jahren mehr als 10 alkoholische „Drinks“ pro Tag angaben (wobei die Einheiten mit 8 Gramm Alkohol pro Drink geringer sind als in Deutschland, wo es 10 bis 12 Gramm Alkohol sind).

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Etwa ein Drittel der englischen Jugendlichen hatte im Alter von 17 Jahren bereits mehr als 100 Zigaretten geraucht.

Im Alter von 17 Jahren wurde bei den Jugendlichen die Gefäßsteifigkeit bestimmt. Als Messinstrument diente ein Gerät, das am Hals und am Oberschenkel kontinuierlich die Blutdruckkurven aufzeichnet und daraus die Pulswellengeschwindigkeit (PWV) berechnet. Die PWV steigt, wenn die Steifigkeit der Arterien zunimmt. Dies gilt als Marker für eine beginnende Verkalkung der Arterien, die mit zunehmendem Alter die elastischen Arterien, die die Druckspitzen nach jedem Herzschlag durch eine Erweiterung abfangen, in mehr oder weniger starre Röhren verwandelt, was den systolischen Blutdruck stark ansteigen lässt.

Beide Risikofaktoren hatten im Alter von 17 Jahren bereits zu einem Anstieg der PWV geführt: Bei den starken Rauchern war der Wert von 5,71 auf 5,81 m/s gestiegen (wobei die korrigierte Differenz von 0,211 m/s mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,087 bis 0,334 m/s signifikant war).

Der intensive Alkoholkonsum hatte zu einem Anstieg der PWV von 5,67 auf 5,85 m/s geführt. Auch hier war die Differenz von 0,266 m/s (0,055–0,476 m/s ) statistisch signifikant. Bei den Jugendlichen, die beide Risikofaktoren aufwiesen, stieg die PWV sogar um 0,603 m/s (0,229–0,978 m/s).

Bei den Rauchern war ein linearer Trend erkennbar: Die Zunahme der PWV war umso größer, je früher die Teenager mit dem Rauchen begonnen hatten. Jugendliche, die das Rauchen mit 17 Jahren wieder aufgegeben hatten, wiesen dagegen ähnliche Werte auf wie Jugendliche, die niemals geraucht hatten.

Die Beobachtungsstudie kann letztlich nicht beweisen, dass Alkohol und Zigaretten für die zunehmende Steifigkeit der Arterien verantwortlich sind. Die Dosis-Wirkungs-Beziehung ist jedoch ein wichtiger Hinweis. Dass die Veränderungen bereits im Alter von 17 Jahren auftreten, ist für Thomas Münzel von der Universitätsmedizin Mainz ein Warnzeichen. Der Leiter des Zentrums für Kardiologie erinnert daran, dass auch außerhalb Englands viele Jugendliche teilweise exzessiv Alkohol trinken, obwohl die Abgabe an Jugendliche in vielen Ländern verboten ist. Dies gilt auch für Zigaretten. Die Verbote könnten leicht umgangen werden, gerade in Deutschland, wo es 350.000 Zigarettenautomaten gebe, die über anonyme Kontrollmechanismen nur unzureichend vor dem Zugriff von Jugendlichen geschützt seien, beklagt Münzel in einem Editorial. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #731292
cis2000
am Freitag, 28. September 2018, 22:43

Englische Jugendliche beginnen früh mit dem Alkoholkonsum und sie trinken teilweise exzessiv.

Das ist absolut beeindruckend! Erneut sterben Leute an den Folgen des Konsums von Alkohol und Zigaretten. Eine Katastrophe an der man richtig Kohle ziehen kann.

MfG
LNS

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