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Politik

Kassen schlagen Fristverlängerung bis Juni 2019 für Anbindung der Arztpraxen an Telematik­infrastruktur vor

Donnerstag, 30. August 2018

/xiaoliangge, stockadobecom

Berlin – Der GKV-Spitzenverband hat heute Verständnis für die Forderungen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) gezeigt, eine Fristverlängerung für die Anbindung der Arztpraxen an die Tele­ma­tik­infra­struk­tur (TI) zu verlangen. Die Frist bis Ende des Jahres einzuhalten, sei „bisher faktisch nicht möglich“, sagte Doris Pfeiffer, Vorstandsvorsitzende des GKV-Spitzenverbands bei der heutigen Verwaltungsrats­sitzung in Berlin.

Es habe bisher nur einen Anbieter gegeben und auch der könne mit dem Rollout nicht so schnell vorankommen. Zwar gebe es zwischenzeitlich einen zweiten Konnektor am Markt. Durch die Verzögerungen in der Vergangenheit seien die KBV-Forderungen allerdings „durchaus nachvollziehbar“.

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Pfeiffer regte eine Fristverlängerung bis zum 30. Juni 2019 an. „Hier müsste das Ministerium eine entsprechende Verlängerung der Frist in Gang setzen, weil ansonsten ab dem 1. Januar eine Sanktionierung der Ärzte, die nicht an die TI angeschlossen sind, erfolgt“, so Pfeiffer.

Die KBV hat wiederholt darauf hingewiesen, dass eine Anbindung der Praxen an die TI bislang nicht möglich war, weil die notwendigen Kompo­nenten wie Konnektor und Kartenterminal noch nicht zur Verfügung standen. Der Anschluss ist erforderlich, damit Praxen die Daten des Versicherten auf der elektro­nischen Gesundheitskarte (eGK) abgleichen und aktualisieren können.

„Wir haben stets vehement darauf hingewiesen, dass die Frist angesichts der noch immer fehlenden Technik zu kurz ist“, betonte KBV-Vorstandsmitglied Thomas Kriedel mehrfach. Zudem würden die damit verbundenen Honorarkürzungen die Falschen treffen. © may/aerzteblatt.de

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Avatar #48045
Longwood
am Montag, 3. September 2018, 14:16

Warum TI-Anbindung... Warum so kompliziert... Und warum überhaupt... ?

Eigentlich dient die TI-Anbindung alleine dem Zweck, dass die Krankenkassen ihrer gesetzlichen Pflicht zur Aktualisierung der Versichertandaten nachkommen. Dazu sind aber neue Gesundheitskarten mit neuem Chip (wegen der Datenart, auch wegen der Datenschutzstandarts) notwendig und damit neue Lesegeräte (das schaffen ältere leider nicht). Eine Änderung von Versicherungsdaten auf dem Chip durch Ärzte ist eher nicht vorgesehen.
Was die Karte in Zukunft noch können soll (oder darf ), wurde bisher nicht ausreichend kommuniziert.

Die Technik dafür hätte verfügbar sein können, aber offenbar reichte der Anreiz für die Wirtschaft nicht aus, so dass es derzeit (noch) nicht genügend Anbieter für die erforderliche Hardware gibt.

Was leider aus wettbewerbsrechtlichen Gründen angeblich nicht möglich gewesen sei, war ein einfacher Weg: Man gründet eine bundesweite GmbH (nach entsprechender Ausschreibung). Diese kümmert sich dann um die Verfügbarkeit und Funktionalität der IT und zieht von Praxis zu Praxis durch Deutschland, um die Geräte zu installieren. Die Kosten und Probleme hätten dann über diese GmbH abgewickelt werden können und nicht die ganze Ärzte- und Versicherungswelt in Aufruhr versetzt.
Schade nur, dass es derzeit bei (fast) nur einem Anbieter trotzdem keine Wettbewerb gibt.

Eins muss allen klar sein: Einen wirklichen Mehr-Nutzen ist wohl im Vergleich zu früher derzeit nicht vorgesehen - außer des Ableichs von Versicherungsdaten.
Es ist jedoch erschreckend, dass dann die Ärzte:
- erstens für eine Strafe zahlen müssen, wenn sie das Gerät erst verspätet bekommen (zuerst Abzüge vom Budget, ab dem Folgequartal ist eine KV-Abrechnung wohl ohne Einlesen der neuen Gesundheitskarte gar nicht mehr möglich)
- zweitens, dass sich der Krankenkassenspitzenverband und die KV teilweise nur mittels Schlichter über eine (hoffentlich auch wirklicht) vollständige Übernahme aller dadurch entstandenen und noch entstehenden Kosten zu Lasten der Krankenkassen einigen können. Und das, obwohl eigentlich die Krankenkassen laut Vorgabe vom Bundesministerium für Gesundheit die Kosten tragen müssten.
- drittens werden die Kosten immer auf Andere umgelegt - sei es Patienten über die Versicherungsbeiträge der Krankenkassen oder die Ärzte über die KV (die das Budget ja mit den Krankenkassen verhandelt) - umsonst ist nichts.

FAZIT: Mit deutlich besserer Kommunikation und mehr Vorüberlegungen hätte man alles deutlich weniger aufreibend für alle Beteiligten abwickeln können. Letztlich ist viel Energie reingesteckt worden, und zwar mehr als notwendig gewesen wäre - egal ob und wie die Gesundheitskarte mit ihrer IT-Anbindung jetzt oder irgendwann sonst kommt. Die Diskussionen und Energie hätten wir sehr gut an anderer Stelle gebrauchen können.
Avatar #110206
kairoprax
am Donnerstag, 30. August 2018, 19:16

Man möge doch endlich sagen, wozu die TI-Anbindung wirklich gut sein soll!

"Der Anschluss ist erforderlich, damit Praxen die Daten des Versicherten auf der elektro­nischen Gesundheitskarte (eGK) abgleichen und aktualisieren können" - wenn dem so wäre, bräuchte man das Tohowabohu nicht. Die Zahl der Patienten, bei denen es zur Zeit Probleme gibt mit abgelaufenen oder falsch ausgestellten Karten, bewegt sich im sehr, sehr niedrigen einstelligen Bereich in meiner Praxis. Betriebswirtschaftlich gesehen ist es Nonsens, wegen einem, höchstens drei Patienten pro Quartal eine Investition im mittleren 4-Stelligen Bereich zu machen in eine umstrittene, störanfällige Technologie ohne praktische Etrfahrung. Wer macht so etwas freiwillig?
Also endlich Hosen runter, liebe-böse GKV und lieber Verfassungsschutz (bin ich paranoid?): wozu dient die TI.Anbindung wirklich?
LNS

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