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Gezüchteter Knorpel bislang nur selten Alternative zum Gelenkersatz bei Rheumapatienten

Freitag, 31. August 2018

/dpa

Berlin – Einige Rheumapatienten, deren Gelenke aufgrund der chronischen Entzündung stark angegriffen sind, benötigen ein künstliches Knie- oder Hüftgelenk, um schmerzfrei zu werden. Laut der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) und der Deutschen Gesellschaft für Orthopädische Rheumatologie (DGORh) wird jedoch zunehmend versucht, patienteneigene Knorpelzellen im Labor zu transplantierbarem Ersatzknorpel heranzuzüchten und so den Einsatz eines künstlichen Gelenks hinauszuzögern oder zu umgehen.

Bislang ist dieses Verfahren aber im Vergleich zum Gelenkersatz nur selten eine Alternative: „Pro Jahr werden in Deutschland mehr als 400.000 Endoprothesen eingesetzt“, erläuterte Kolja Gelse, Leitender Oberarzt in der unfallchirurgischen Abteilung des Universitätsklinikums Erlangen. Demgegenüber stünden nur 1.700 registrierte Eingriffe, bei denen Ärzte versucht hätten, den Knorpel im Gelenk zu rekonstruieren.

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Der DGRh-Experte erläutert die Gründe: Der Knorpelersatz gilt bislang nur dann als aussichtsreich, wenn es um die Reparatur eng umgrenzter, von gesundem Knorpelgewebe umgebener Defekte geht. „Solche begrenzten Läsionen liegen bei chronisch-entzündlichen Krankheiten wie Rheuma meist nicht vor“, erklärte Gelse. Doch werde zunehmend versucht, das Anwendungsspektrum für die Knorpelreparatur auch auf solche degenerativen Schäden auszuweiten.

Neue Techniken erlaubten es inzwischen, auch größere und dreidimensionale Knorpelkonstrukte in guter Qualität herzustellen. Allerdings ließen sich die Konstrukte umso schlechter mit dem umgebenden Knorpel und dem darunterliegenden Knochen verbinden, je stabiler und belastbarer sie seien. „Wie sich auch solche Konstrukte gut verankern lassen, wird derzeit noch wissenschaftlich ausgelotet“, so Gelse.

Auf einen weiteren Aspekt weist Bernd Swoboda, Chefarzt der Orthopädisch-Rheumatologischen Abteilung in der Orthopädischen Universitätsklinik im Malteser Waldkrankenhaus St. Marien, Erlangen, hin. „Die zugrunde liegenden mechanischen und biologischen Faktoren müssen dringend berücksichtigt und mit therapiert werden“, betonte er.

So müssten bei Bedarf etwa die Beinachse korrigiert und mögliche Schäden an Meniskus oder Bändern behoben werden. Außerdem sei es notwendig, entzündliche oder andere schädliche Prozesse therapeutisch zu unterdrücken. „Ohne solche Anpassungen wird kein noch so guter Ersatzknorpel langfristig intakt bleiben“, sagte der Tagungspräsident der Deutschen Gesellschaft für Orthopädische Rheumatologie (DGORh). © hil/aerzteblatt.de

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