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Asiatisches Asthmamedikament verlangsamt Hirnatrophie bei Multiple-Skle­rose-Patienten

Montag, 3. September 2018

/Atthapon, stockadobecom

Cleveland – Ein Wirkstoff, der in Asien zur Behandlung von Schwindel nach Schlaganfall und Asthma eingesetzt wird, hat in einer Phase-2-Studie im New England Journal of Medicine (2018; doi: 10.1056/NEJMoa1803583) das Fortschreiten einer Hirnatrophie bei Patienten mit progredienter Multipler Sklerose (MS) deutlich verlangsamt. Ein klinischer Vorteil war jedoch auch nach 96 Wochen nicht eindeutig nachweisbar.

Während zur Behandlung der schubförmig remittierenden MS rund ein Dutzend Medikamente zur Verfügung stehen, die das Fortschreiten der Behinderungen verlangsamen, gibt es für die progrediente MS bisher nur wenige zugelassene Medikamente (Ocrelizumab und Mitoxantron).

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Auf der Suche nach neuen Substanzen ist die Forschung vor einigen Jahren auf Ibudilast gestoßen, das vor allem in Japan als Entzündungshemmer eingesetzt wird. Der Phosphodiesterase-Inhibitor wurde zunächst an Patienten mit remittierender MS untersucht, wo er die Bildung neuer Läsionen nicht verhindern konnte, aber das Fortschreiten der Hirnatrophie verlangsamte (Neurology 2010; 74: 1033–40).

Da eine zunehmende Hirnatrophie eine wichtige Folge der progredienten MS ist und es damals keine zugelassenen Medikamente für diese Erkrankung gab, startete das NeuroNEXT-Netzwerk, zu dem sich 28 Behandlungszentren in den USA zusammengeschlossen haben,  Ende 2013 eine Phase-2-Studie, deren Ergebnisse jetzt vorliegen.

An der Studie nahmen 255 Patienten mit primär oder sekundär progredienter MS teil, bei denen es im Durchschnitt im Alter von 56 Jahren bereits zu deutlichen Behinderungen gekommen war (EDSS 3,0 bis 7,0), die zudem in den letzten 2 Jahren zugenommen hatten. Die EDSS („Expanded Disability Status Scale“) bewertet den Schweregrad der Behinderungen bei der MS auf einer Skala von 0 bis 10,0 (normaler neurologischer Befund bis Tod). Ab einem Grad 6 benötigen die Patienten Gehhilfen, bei einem Grad 7 sind sie weitgehend auf einen Rollstuhl angewiesen.

Die Patienten wurden auf 2 Gruppen randomisiert, in denen sie über 96 Wochen entweder mit Ibudilast in einer Tagesdosis von bis zu 100 mg oder mit Placebo behandelt wurden. Der primäre Endpunkt war die Veränderung der Hirnatrophie, die mittels Magnetresonanztomografie gemessen wurde. Die Hirnatrophie ist ein Parameter für die kognitiven und körperlichen Behinderungen bei der progredienten MS.

Wie Robert Fox von der Cleveland Clinic und Mitarbeiter jetzt berichten, konnte Ibudilast das Fortschreiten der Hirnatrophie zwar nicht aufhalten, der Rückgang der Hirnmasse konnte jedoch deutlich verlangsamt werden. Während es in der Placebo-Gruppe zu einem Rückgang um 0,0019 Einheiten pro Jahr kam, verloren die Patienten in der Ibudilast-Gruppe nur 0,0010 Einheiten pro Jahr. Die Differenz von 0,0009 Einheiten war mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,00004 bis 0,0017 signifikant. Über den Zeitraum von 96 Wochen verloren die Patienten in der Ibudilast-Gruppe etwa 2,5 Milliliter weniger Gehirnmasse bei einem Gesamtvolumen des menschlichen Gehirns von etwa 1.350 Millilitern.

Welchen klinischen Nutzen die Verlangsamung der Hirnatrophie für die Patienten hat, ist nicht bekannt. In der Ibudilast-Gruppe kam es zwar zu 26 % seltener zu einer Zunahme der Behinderungen. Die Hazard Ratio von 0,74 war jedoch mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,43 bis 1,28 nicht signifikant, sodass es sich um einen Zufallsbefund gehandelt haben könnte.

Sicherheitsbedenken, die gegen die Einnahme von Ibudilast sprechen würden, hat die Studie nicht gefunden. Die häufigsten Nebenwirkungen waren gastrointestinale Symptome, Kopfschmerzen und Depressionen. © rme/aerzteblatt.de

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