NewsMedizinEntfernbarer Ballon ist permanentem Stent bei verengten Gefäßen ebenbürtig
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Entfernbarer Ballon ist permanentem Stent bei verengten Gefäßen ebenbürtig

Freitag, 31. August 2018

Ein medikamentenbeschichteter Ballon kann verengte Herzkranzgefäße öffnen. SeQuent® Please NEO /B. Braun Melsungen AG
Ein medikamentenbeschichteter Ballon kann verengte Herzkranzgefäße öffnen. /B. Braun Melsungen AG

München/Homburg/Basel – Medikamentenbeschichteter Stent oder medikamentenbeschichteter Ballon? Bei Patienten mit einer erstmaligen Verengung einer Arterie mit einem Durchmesser von weniger als 3 Millimeter soll das keinen Unterschied machen. Zu diesem Fazit kommt die randomisierte klinische BASKET-SMALL-2-Studie, in der deutsche und Schweizer Forscher Betroffene untersucht haben. Die Ergebnisse wurden beim Europäischen Kardiologiekongress in München vorgestellt und im Lancet publiziert (2018; doi: 10.1016/S0140-6736(18)31719-7).

Verengungen in kleinen Herzkranzgefäßen können mit medikamentenbeschichteten Ballonkathetern (drug coated balloon, DCB) behandelt werden – ohne dass ein Stent, also eine dauerhafte Gefäßstütze, gesetzt wird. Die Methode haben Ulrich Speck (Charité, Berlin) und Bruno Scheller (Universitäts­klinikum des Saarlands, Homburg) vor mehr als 15 Jahren erfunden.

Anzeige

Die 758 Studienteilnehmer wurden in 2 Gruppen eingeteilt, in einer Gruppe wurde ein medikamentenbeschichteter Stent, in der anderen ein medikamen­ten­beschichteter Ballon (DCB) eingesetzt. Anschließend untersuchten die Forscher die Patienten 12 Monate lang bezüglich Herz-Kreislauf-Sterblichkeit, nicht tödlichen Herzinfarkten, der Notwendigkeit der erneuten Eröffnung wieder­verschlossener Blutgefäße sowie schwerer Blutungen. „In der DCB-Gruppe gab es keine Gefäßverschlüsse, was die Sicherheit des Verfahrens belegt. Nach einem Jahr hat das Verfahren die gleiche Ereignisrate wie moderne medikamentenbeschichtete Stents, die bisher als Standardtherapie in dieser Indikation gelten“, erklärt der Seniorautor Bruno Scheller vom Universitätsklinikum des Saarlands in Homburg.

Die Erweiterung von Blutgefäßen mit medikamentenbeschichteten Ballons hat die Chance, zur Standardbehandlung von verengten kleinen Blutgefäßen zu werden. Raban Jeger, Universitätsklnikum Basel

Vorteile eines Ballons

Ein entfernbarer Ballon ist zur Wiedereröffnung verschlossener kleiner Blutgefäße einer implantierten permanenten Gefäßstütze ebenbürtig, hat jedoch eine Reihe von Vorteilen. „Ohne ein im Körper verbleibendes Implantat verschwindet das Problem des Gefäßwachstums und der Entstehung von Blutgerinnsel im Stent. Außerdem besteht kein Bedarf mehr an blutgerinnungshemmenden Medikamenten, die das Blutungsrisiko erhöhen“, berichtet Erstautor Raban Jeger vom Universitätsklinikum Basel.

„Die Erweiterung von Blutgefäßen mit medikamentenbeschichteten Ballons hat die Chance, zur Standardbehandlung von verengten kleinen Blutgefäßen zu werden“, ist Jeger überzeugt. Medikamentenbeschichtete Ballons wurden bisher in erster Linie für die Behandlung von In-Stent-Restenosen, also von Wiederverschlüssen in einem Stent, eingesetzt. In der Langzeitbeobachtung der Studie wird nun weiter untersucht, ob die DCB-Therapie durch den Verzicht auf ein permanentes Implantat den Patienten längerfristig nutzt. © gie/idw/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

14. Februar 2019
Heidelberg/Mannheim – Ein für die USA entwickelter Score sagt das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse auch für die deutsche Bevölkerung am besten vorher. Zu diesem Schluss kommen Forscher der
Herz-Kreislauf-Erkrankungen: US-Risikoscore ist deutschen Risikorechnern überlegen
7. Februar 2019
Berlin – In Deutschland sterben immer weniger Menschen an Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Die Erkrankungen bleiben aber weiterhin vor Krebs mit Abstand die Todesursache Nummer eins in Deutschland, wie
Immer mehr Patienten mit Herzerkrankungen in Deutschland
7. Februar 2019
Berlin – Künstliche Intelligenz (KI) erleichtert es, Gesundheitsrisiken bei erwachsenen Patienten mit angeborenen Herzfehlern früher zu erkennen und zu behandeln. Dieses Fazit zieht das Kompetenznetz
Künstliche Intelligenz soll Versorgung von Erwachsenen mit angeborenen Herzfehlern verbessern
31. Januar 2019
Albany/New York – Zu den Folgen der Klimaerwärmung könnte eine Zunahme von angeborenen Herzfehlern gehören, wie Umweltmediziner in JAHA: Journal of the American Heart Association (2019; 8: e010995)
Klimawandel könnte Zahl der angeborenen Herzfehler erhöhen
31. Januar 2019
Potsdam – Das Protein Chemerin könnte künftig dazu genutzt werden, das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall und andere kardiovaskuläre Erkrankungen früher und präziser zu bestimmen. Das berichten
Neuer Marker hilft bei der Risikoabschätzung für Herzinfarkt und Schlaganfall
31. Januar 2019
Kiel – Millionenförderung für die Herz-Kreislauf-Forschung in Kiel: Oliver Müller, Oberarzt an der Klinik für Innere Medizin III am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH), Campus Kiel, erhält
EU-Förderung für Kieler Herz-Kreislauf-Forschung
23. Januar 2019
Ottawa – Nach einer kurzen Bewusstlosigkeit, einer Synkope, muss der Herzrhythmus der Patienten in der Notaufnahme weiter überwacht werden. Die Dauer dieser Überwachung unterscheidet sich in
LNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

Anzeige
NEWSLETTER