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Medizin

Schwermetalle in der Umwelt schädigen Herz und Kreislauf

Freitag, 31. August 2018

/dpa

Cambridge/England – Eine Exposition mit den Schwermetallen Kupfer, Blei, Cadmium und dem Halbmetall Arsen kann die Entwicklung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen fördern. Zu diesem Ergebnis kommt eine Metaanalyse im Britischen Ärzteblatt (BMJ 2018; 362: k3310), die für Quecksilber keine Assoziation fand.

Schwermetalle werden im öffentlichen Bewusstsein mit Krebs (Arsen, Cadmium) oder mit neurologischen Erkrankungen (Blei, Arsen, Quecksilber) in Verbindung gebracht. Dass diese Substanzen auch das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen, ist weniger bekannt. Ein Team um Sara Shahzad von der Universität Cambridge in England hat deshalb die Daten von 37 Studien mit 350.000 Teilnehmern ausgewertet und die dort diagnostizierten 13.033 koronaren Herzkrankheiten, 4.205 Schlaganfälle oder 15.274 kardiovaskulären Ereignisse mit der Metallexposition der betroffenen Patienten in Verbindung gesetzt.

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Ergebnis: Alle Metalle mit Ausnahme von Quecksilber waren mit einem erhöhten Risiko auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen assoziiert. Menschen im obersten Drittel der Exposition mit Arsen und Blei erkrankten zu 30 beziehungsweise 43 % häufiger an kardiovaskulären Erkrankungen. Das Risiko auf eine koronare Herzkrankheit war um 23 beziehungsweise 85 % erhöht. Das Schlaganfallrisiko stieg um 15 beziehungsweise 63 %.

Cadmium und Kupfer erhöhten das kardiovaskuläre Risiko um 33 beziehungsweise 81 %. Die höher exponierten Personen erkrankten zu 29 beziehungsweise 122 % häufiger an einer koronaren Herzkrankheit und zu 72 und 29 % häufiger an einem Schlaganfall.

Für Arsen, Blei und Cadmium waren die Assoziationen dosisabhängig, was den vermuteten Zusammenhang unterstreicht (ohne ihn zweifelsfrei belegen zu können). Bei allen 4 Metallen gibt es plausible medizinische Erklärungen für die Verbindung.

Arsen führt zur Bildung von Sauerstoffradikalen, die Endothelien schädigen. Dies führt nicht nur in Versuchen an Mäusen zu einer beschleunigten Atherosklerose. Die Schwarzfußkrankheit („Blackfoot disease“), eine schwere periphere Verschlusskrankheit mit Gangrän, die im Südwesten von Taiwan endemisch ist, wird auf die dort hohe Ar-senkonzentration im Trinkwasser zurückgeführt.

Blei belastet Herz und Kreislauf, weil es die Nieren schädigt und den Blutdruck erhöht. Oxidativer Stress und Entzündungsreaktionen könnten laut Shahzad weitere pathogenetische Faktoren sein. Kupfer schädigt die Blutgefäße ebenfalls durch die Bildung von Sauerstoffradikalen. Für Cadmium werden ebenfalls oxidativer Stress, Entzündungsreaktionen und endotheliale Schäden als Mechanismus diskutiert.

Die Auswirkungen auf Bevölkerungsebene könnten beträchtlich sein. So hat Ana Navas-Acien von der Mailman School of Public Health in New York kürzlich in einer Studie im International Journal of Epidemiology (2017; 46: 1903–1912) ausgerechnet, dass ein Drittel des Rückgangs der Herz-Kreislauf-Mortalität, zu der es zwischen 1988 und 2004 in den USA kam, auf Maßnahmen gegen Blei und Cadmium in der Umwelt zurückzuführen sind. Der Rückgang der Raucher, die bessere Luft, die Entsorgung gefährlicher Abfälle, die Sanierung von Trinkwasserinfrastrukturen und das Verbot von Blei in Benzin könnten dazu beigetragen haben, dass in den USA immer weniger Menschen an Herzinfarkt oder Schlaganfall sterben.

Doch auch in den USA sind die Menschen laut Navas-Acien weiterhin den toxischen Schwermetallen ausgesetzt, sei es durch frühere Verwendungen (bleihaltige Farben und Rohre), eine fortlaufende industrielle Nutzung (Kunststoffe und Batterien), durch Tabakrauch, belastetes Trinkwasser oder die Luft- und Staubexposition in der Nähe von Industrie- und Mülldeponien. In den letzten Jahren sei zudem eine neue Form der Schwermetall-Belastung hinzugekommen. Die Heizspiralen, die in E-Zigaretten die nikotinhaltigen Liquids verdampfen, setzen nach neueren Untersuchungen ebenfalls Metalle frei, warnt Navas-Acien jetzt im Editorial. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #110369
jpink
am Samstag, 1. September 2018, 11:57

Toxische Umwelt?

Zitat "...den toxischen Schwermetallen..." ... Kupfer ist kein toxisches Schwermetall, sondern essentieller Bestandteil vieler Enzyme und damit Nahrungsmittel. Die Menge macht eben das Gift. Schlechte Karten hat man auch durch eine eingeschränkte bzw. durch andere Gifte blockierte Ausscheidungsfunktion.

Bei allen Elementen handelt es sich um natürliche Substanzen. Der systembedingte Wachstumswahn führt leider über die (zu häufig letztlich selbst gewählte) Degradierung von Menschen zu Verbrauchern bzw. Probanden in gigantischen Feldversuchen zu einer Anreicherung allerhand Elemente, die so bis dahin nicht auf der Erdoberfläche anzutreffen waren.

Die industriellen Giftküchen tun ihr Übriges. Gadolinium grüßt inzwischen aus der Kaffeetasse, in den Ballungsgebieten sowieso. Aber eben auch viele, viele andere Substanzen.
https://medienportal.univie.ac.at/uniview/forschung/detailansicht/artikel/meine-forschung-mrt-kontrastmittel-im-trinkwasser/

Eine Alternative zum Probandendasein ist es, sich zum außerparlamentarischen Politiker zu erheben. Einsprüche, Widersprüche, einfach mal ein Nein an die sich für relevant haltenden Stellen schicken. Denn wer gibt wem das Recht über anderer Leute Leben? Diese Frage ist essentiell und gilt den Machthabern wiederum als toxisch - und hier wäre mehr Dosis wünschenswert.
LNS

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