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Medizin

Jedes zehnte Kind in den USA erhält ADHS-Diagnose

Montag, 3. September 2018

/dpa

Iowa City – Die Zahl der Kinder mit einer Aufmerksamkeits­defizit-/Hyper­aktivitäts­störung (ADHS) ist in den USA weiter angestiegen. Im Jahr 2016 wurde die Diagnose bei 14,0 % aller Jungen und 6,3 % aller Mädchen gestellt. Laut der Studie in JAMA Network Open (2018; 1: e181471) hat sich damit ein seit 2 Jahrzehnten zu beobachtender Trend fortgesetzt.

Die Prävalenz liegt deutlich über dem internationalen Durchschnitt. Die Global-Burden-of-Disease-Studie von 2010 hat die weltweite Prävalenz auf 2,2 % bei Jungen und 0,7 % bei Mädchen geschätzt. Dies bedeutet allerdings nicht, dass Kinder in den USA häufiger unter Unaufmerksamkeit, Impulsivität und motorischer Unruhe leiden als Kinder in anderen Ländern. Wahrscheinlicher ist, dass Psychiater in den USA eher bereit sind, die Diagnose zu stellen (die Anzahl der Psychiater in einem Land dürfte ebenfalls von Bedeutung sein).

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Auch in den USA gibt es regionale Unterschiede. Während in den westlichen US-Staaten „nur“ bei 7,0 % der Kinder eine ADHS diagnostiziert wurde, waren es im Mittleren Westen mit 12,2 % deutlich mehr. Die Gründe hierfür kann das Team um Wei Bao von der Universität von Iowa in Iowa City nicht ermitteln. Ihre Analyse stützt sich auf die Ergebnisse des National Health Interview Survey, einer repräsentativen Umfrage der Centers for Disease Control and Prevention zum Gesundheitsstatus der Bevölkerung.

Diese zeigen für die letzten beiden Jahrzehnte einen kontinuierlichen Anstieg der ADHS-Diagnosen von 6,1 % (für beide Geschlechter im Jahr 1997/98) auf 10,2 % im Jahr 2016/17.

Neben den regionalen gibt es ethnische Unterschiede. Bei Hispanics, also Amerikanern mit lateinamerikanischen Wurzeln, wird die ADHS nach wie vor eher selten diagnostiziert. Bao registriert seit 1997/8 einen Anstieg von 3,6 % auf 6,1 %. Bei den Kindern der „weißen“ Amerikaner kam es zu einer Zunahme von 7,2 auf 12,0 %. Noch häufiger wird die Störung bei afroamerikanischen Kindern diagnostiziert. Hier hat sich die Prävalenz von 4,7 % auf 12,8 % mehr als verdoppelt. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #749369
Ambush
am Samstag, 8. September 2018, 18:49

59% der Patienten in der Allgemeinpsychiatrie mit ADHS

Hier die Studie: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/?term=deister+adhd ...mit Prof. Arno Deister (immerhin Präsident der DGPPN und damit ein Schwergewicht) als Co-Autor ...

Zu dem obigen Artikel: in Deutschland wird in der Tat verglichen mit kulturell eher angloamerikanisch beeinflussten Ländern (UK, Irland, Holland, Dänemark) ADHS eher zurückhaltend diagnostiziert und die medikamentöse Therapie bei ADHS sehr zurückhaltend eingesetzt. Das ist nicht unbedingt positiv zu bewerten. Ich selbst hätte ohne die Therapie mit dem Standard-Medikament bei ADHS niemals mein 1er-Abitur erreichen und mein Studium abschließen können, sondern wäre möglicherweise ohne irgendwann als Junkie am Bahnhof gelandet.
Je weiter man in Europa nach Osten kommt, desto kulturell rückständiger ist man (auch) in Sachen ADHS . In Russland z.B. ist Methylphenidat generell verboten und die schärfsten Ritalin-Gegner in Deutschland findet mna bei der AfD. Und auch in Deutschland wird Methylphenidat mangels adäquater ärztlicher Versorgungslandschaft für ADHS eben sehr oft im Internet bestellt (persönlich in der Vergangenheit solche Fälle mitbekommen). Dass die große Mehrheit der sogenannten Hirndoper (es geht bei der Hirndoping-Debatte in Wahrheit nur um Ritalin und nur um ADHS , die parallel genannten Wirkstoffe Modafinil etc. haben nur Alibi-Funktion, um zu verschleiern, dass es nur um Ritalin geht) verkappte Fälle von undiagnostiziertem ADHS sind und es dieses Hirndoping als verkappte Therapie der ADHS seit mindesten den 60er Jahren gibt, wird auch von den meisten Psychiatern leider nicht verstanden. Zuletzt gab es eine “bemerkenswerte” Studie über die Häufigkeit von ADHS in der Allgemeinpsychiatrie mit Prof. Arno Deister (Präsident der DGPPN und damit ein absolutes Schwergewicht) als Co-Autor http://news.doccheck.com/de/blog/post/8424-59-prozent-von-patienten-der-allgemeinpsychiatrie-haben-adhs/ das Ergebnis dieser Studie mit in dem Fall 59% ADHS in der Allgemeinpsychiatrie ist so brachial , dass die möglichen Konsequenzen vielleicht noch gar nicht durchgedrungen sind.
Mal angenommen, diese Studie mit 59% verkapptem ADHS in der Allgemeinpsychiatrie stimmt, das bedeutet, dass seit Anbeginn der modernen Geschichte der Psychiatrie die entsprechenden Patienten nur in ihren Begleit- und Folgeerkrankungen aber nicht ursächlich in ihrem ADHS therapiert wurden. Was das für die persönlichen Schicksale aber auch für die volkswirtschaftlichen Kosten bedeutet, dürfte ebenfalls in Quantität und Qualität brachial sein. Wie prognostiziert doch Russel Barkley , der weltweit renommierteste Wissenschaftler bezüglich ADHS, wonach ADHS sich irgendwann einmal als das “zentrale Thema in der Psychiatrie insgesamt herausstellen wird”.
Avatar #79783
Practicus
am Freitag, 7. September 2018, 22:00

Gut nachvollzehbar

in meiner suchtmedizinschen Praxis gehört ADHS zu den häufigsten Komorbiditäten der Drogen- und Alkoholkonsumenten, die damit eine missglückte Selbsttherapie betreiben
Avatar #749369
Ambush
am Donnerstag, 6. September 2018, 19:43

Geschlechterverhältnis in Wahrheit bei 1:1

zum auch wieder bei Psychiatern quantitativ massiv unterschätzten Thema ADHS bei Frauen (die Patientinnen werden dann beim Psychiater vorstellig mit Borderline, Essstörungen, Depressionen und “Burnout”, nach dem zu Grunde liegenden ADHS wird meist nicht einmal sondiert) hier:

https://www.refinery29.de/2017/04/151067/mein-recht-auf-adhs
Avatar #93362
Wneu
am Donnerstag, 6. September 2018, 10:39

Den Verdacht teile ich

Den Verdacht, dass in den USA eine höhere Bereitschaft besteht, ADHS zu diagnostizieren, und dass das mit der Anzahl der Psychiater, die Einnahmen brauchen, zusammenhängt, habe ich auch. Es ist ohnehin oft so, dass normales kindliches Verhalten als eine Krankheit gebrandmarkt wird. Wenn zu dieser Gefahr einer Fehldiagnose noch persönliche Interessen dazukommen, sieht es natürlich finster aus.
Avatar #749369
Ambush
am Mittwoch, 5. September 2018, 16:34

10% der Gesamtbevölkerung , nicht nur der Kinder

Anderswo gibt es noch mehr ADHS als in den USA : z.B. Saudi Arabien und Türkei mit ca 15% bzw 18% ADHS , siehe dazu

https://www.youtube.com/watch?v=W-avhR0Vohg

nebenbei ist ADHS im arabischen Raum alles andere als selten:
http://english.alarabiya.net/en/life-style/healthy-living/2015/01/03/Saudi-Arabia-15-of-children-have-ADHD-.html

in der Türkei genau so wenig:
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26002410
( “…Our results confirmed a substantially higher ADHD prevalence rate (more than double) than the suggested pooled worldwide prevalence…”)

ADHS ist also keineswegs ein westliches Wohlstandsproblem… Ein Vorwurf, der sich in weiten Kreisen , darunter leider auch Ärzte , leider immer noch hält, ist, ADHS sei eine westliche Wohlstandskrankheit im verweichlichten 21. Jahrhundert, dazu empfehle ich diese BBC-Dokumentation über ADHS in Ägypten:

https://www.youtube.com/watch?v=W-avhR0Vohg ... ADHS ist deshalb so häufig, weil die ADHS verursachenden Gene evolutionär gesehen nicht nur Mist , sondern auch positive Aspekte , Stärken und Vorteile verursachen. ADHS als eine solche je nach Schweregrad Störung , Konstitution oder Persönlichkeitsvariante hat deshalb diese hohe Prävalenz – vergleiche dazu Prävalenz von ADHS in Deutschland von in Wahrheit etwa 8% bis 10% mit Autismus-Spektrum-Störungen mit Prävalenz von 1% bis maximal 2%. Ohne die Berücksichtigung der evolutionären Anthropologie psychischer Störungen wird man auch die jeweiligen teils gravierend unterschiedlichen Prävalenzen der verschiedenen Hirnentwicklungsstörungen (eben ADHS , Autismus aber auch Schizophrenie und Bipolare Störung und Unipolare Endogene Depression) nicht verstehen können.

Das Thema Evolution und ADHS fassen folgende Sätze des deutschlandweit führenden Genetikers (und auch einer der weltweit führenden Genetiker) zu ADHS Prof. Klaus-Peter Lesch von der Psychiatrie der Uniklinik Würzburg zusammen:”…Früher vermuteten die Forscher, einige wenige Gene würden ADHS auslösen; doch das trifft, wenn überhaupt, nur auf ganz wenige Familien zu. Für die überwältigende Mehrheit der Bevölkerung gilt: Vermutlich sind es 500 bis 1000 Gene, die einen – jeweils minimalen – Einfluss auf das Temperament und die Konzentrationsfähigkeit des Menschen haben. Diese sind mithin auch keine Krankheitsgene, vielmehr gehören sie zur natürlichen Ausstattung des Menschen. “ADHS ist ein Extrem einer Persönlichkeitsvariante, das zunächst einmal gar keinen Krankheitswert besitzt”, bestätigt auch Klaus-Peter Lesch. Diese milden Ausprägungsformen von ADHS seien in einem Fünftel der Bevölkerung vorhanden und hätten sich im Laufe der Evolution des Homo sapiens immer wieder als vorteilhaft durchgesetzt. Lesch: “Der hohe Energiepegel, der Enthusiasmus, sich mit einer Sache auseinanderzusetzen, die große Kreativität, die Fähigkeit zum Querdenken und der Gerechtigkeitssinn – all das sind Ressourcen, die für unsere Gesellschaft wichtig sind.” zu finden in dem Artikel des ADHS-Gegners Jörg Blech im Spiegel: http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-99311928.html

Man muss ansonsten nur durch die Straßen einer durchschnittlichen deutschen Stadt laufen und es werden einem jeden Tag Personen mit ADHS über den Weg laufen, um zu erkennen, dass bei Person X ADHS vorliegt, da braucht es aber oftmals schon ein gewisses Gespür, was man vollumfänglich nur als selbst mit ADHS Betroffener hat. Man kann sehr wohl “spüren” , wenn das Gegenüber auch ADHS hat (Stichwort Wesensverwandschaft) und mit ADHS Betroffene erkennen sich untereinander so wie in China ein Deutscher einen anderen Deutschen erkennt, am Habitus und an der Persönlichkeit . Jemand, der kein ADHS hat, der muss all das rein kognitiv kompensieren , allein schon aus diesem Grund besteht der harte Kern an ADHS-Therapeuten in Deutschland und weltweit überwiegend aus selbst mit ADHS betroffenen Ärzten , Psychotherapeuten etc. und man ist, so unfair das auch sein mag, als Nicht-Betroffener schon deswegen ein ADHS-Therapeut 2. Klasse.

was geographische und ethnische Häufungen von ADHS angeht , über jahrhunderte eher nomadisch lebende Gesellschaften als evolutionärer Selektionsvorteil für ADHS und ADHS-Gene , so eben die nomadischen und halbnomadischen Lebensweisen in Saudi Arabien bis vor ca. 80 Jahren noch ... "nomadisch" und ADHS und evolutionär bedingte ethnische Häufungen von ADHS , ich sag nur Duisburg und Mülltrennung ... und ne, man ist deswegen noch lange kein Rassist, wäre es mal wert, dass wissenschaftlich valide zu untersuchen...
LNS

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