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Gesundheitswissen: Kompetent als Patient?

Montag, 3. September 2018

/dpa

Hamburg – Gesundheit zählt seit jeher zu den beliebtesten Themen im Internet. Doch wie ist es um die digitale Gesundheitskompetenz von Patienten beziehungsweise Versicherten bestellt? Wenn Patienten beispielsweise künftig in einem zunehmend digitalen Gesundheitswesen die eigenen medizinischen Daten in einer elektronischen Gesundheitsakte selbst verwalten können, sind hierfür bestimmte Kompetenzen und Fähigkeiten erforderlich.

Die kürzlich veröffentlichte Untersuchung „Homo Digivitalis“ der Techniker Krankenkasse (TK) hat die digitale Gesundheitskompetenz der Menschen in Deutschland untersucht und dabei in einigen Bereichen noch Optimierungsbedarf festgestellt. Für 82 Prozent der Menschen ist laut der TK-Studie zwar nach wie vor der Arzt die wichtigste Quelle für Gesundheitsinformationen.

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Als zweitwichtigste Informationsquelle folgt jedoch für 77 Prozent der Befragten direkt das Internet. Über alle Altersgruppen hinweg finden 68 Prozent der Menschen, dass das Internet für die Suche nach Gesundheitsinformationen wichtig oder sehr wichtig ist. Das ist auch bei der älteren Generation so: So schätzen selbst bei den 60- bis 70-Jährigen mehr als die Hälfte (54 Prozent) das Netz als wichtige Informationsquelle bei Gesundheitsthemen.

Korrelationen mit den Faktoren Alter, Einkommen, Bildung

Allerdings ist gerade in den höheren Altersgruppen die Netzaffinität geringer ausgeprägt: Während bei den Erwachsenen unter 30 Jahren 93 Prozent mindestens einmal am Tag online sind, sind es bei den 40- bis 49-Jährigen nur noch 83 Prozent und ab 60 Jahren nicht einmal die Hälfte. In dieser Altersgruppe ist nach der Studie fast ein Fünftel komplett offline.

Hinzu kommt, dass der Anteil derjenigen, die mindestens einmal am Tag online sind, umso höher liegt, je größer das Einkommen ist. Ebenso gibt es bei der Häufigkeit der Onlinenutzung eine Korrelation zum Faktor Bildung. Auffällig ist nach der Studie zudem, dass Akademiker Gesundheitsinforma­tionen häufiger in staatlichen Informationsangeboten und seltener in sozialen Netzwerken suchen als etwa die Befragten mit Volks- oder Hauptschulabschluss.

Die Untersuchung lässt darüber hinaus eine Verbindung zwischen Gesundheit und Gesundheitswissen erkennen: Diejenigen, die bei guter Gesundheit sind, kennen sich auch häufiger in Gesundheitsfragen gut aus – knapp die Hälfte bescheinigt sich ein gutes oder sehr gutes Wissen. Bei den Befragten, denen es gesundheitlich eher nicht so gut geht, sind es nur 40 Prozent. Während zudem bei den gesunden Befragten vier von fünf Menschen angeben, dass sie einen guten Zugang zu Gesundheitsinformationen haben, sind dies bei der anderen Gruppe nur 57 Prozent.

Für viele Menschen ist es zudem schwierig, seriöse Quellen zu erkennen und die für sie relevanten Informationen aus dem großen Internetangebot herauszufiltern, lautet ein Fazit der Studie. So finden es 76 Prozent der Befragten schwierig, seriöse von unseriösen Informationen zu unterscheiden, 42 Prozent haben Angst vor Panikmache aus dem Netz, und 49 Prozent brauchen nach eigener Aussage keine Gesundheits­informationen. Von denjenigen, die das Internet nicht für die Recherche zu Gesund­heits­themen nutzen, begründen dies 69 Prozent der Befragten mit mangelndem Vertrauen in Onlineinformationen.

Drei Viertel der Befragten möchten eine elektronische Gesundheitsakte (eGA) nutzen. Bei den 30- bis 39-Jährigen befürworten sogar 82 Prozent der Befragten eine eGA. Während die Befragten, die ihren Gesundheitszustand als gut, sehr gut oder zufriedenstellend bewerten, zu drei Vierteln auch die eGA positiv einschätzen, sind dies bei der Gruppe derjenigen, die ihre Gesundheit eher schlechter bewerten, nur gut die Hälfte. Auch unter den chronisch Kranken liegt laut Studie der TK die Skepsis höher als im Bundesdurchschnitt – jeder Dritte lehnt die eGA ab, unter anderem aus Datenschutzbedenken.

Viele Menschen fühlten sich noch nicht ausreichend informiert, um die Rolle als Experte ihrer eigenen Gesundheit auszufüllen, lautet ein weiteres Fazit. Damit die Menschen beispielsweise eine Gesundheitsakte mit ihren Gesundheitsinformationen auch nutzen können, müssen sie gesundheits- und medienkompetent sein, schreibt der Vorstandsvorsitzende der TK im Vorwort zur Studie. Hierbei sehe sich die Krankenkasse auch als „Coach“ ihrer Versicherten. © KBr/aerzteblatt.de

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