NewsPolitikMarburger Bund für neue Arbeits­minderungsbescheinigung
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Marburger Bund für neue Arbeits­minderungsbescheinigung

Dienstag, 4. September 2018

/detailblick-foto, stockadobecom

Berlin – Der Marburger Bund (MB) hat eine neue Form von Arbeitsminderungsbescheinigungen für Beschäftigte vorgeschlagen, um lange Krankschreibungen zu vermeiden. „Viele erkrankte Arbeitnehmer könnten wahrscheinlich schneller genesen und würden weniger lange dem Arbeitsprozess fernbleiben, wenn es nicht nur die Wahl zwischen Arbeitsfähigkeit und Arbeitsunfähigkeit gäbe“, sagte der MB-Vorsitzende Rudolf Henke.

Vielmehr wäre auch eine Bescheinigung einer vorübergehenden Minderung der Arbeitsfähigkeit sinnvoll. Damit könnten Ärzte verordnen, dass Arbeitnehmer – wenn vertretbar – wenige Stunden am Tag arbeiten können. „Tagesstruktur und Kontakt mit den Kolleginnen und Kollegen blieben erhalten, die Gefahr einer sozialen Isolation wäre deutlich gemindert“, argumentierte Henke. Gerade bei psychischen Störungen, besonders bei Depressionen, könnten längere Krankschreibungen Symptome verstärken. „Oft kommt auch Angst um den Arbeitsplatz dazu.“

Anzeige

Ärzte sollten daher zum Beispiel verordnen können, dass ein Patient vier oder sechs Stunden Schonung bekommt, sagte der Verbandschef. „Ich bin sicher, dass durch eine Bescheinigung der Arbeitsminderung viele Fälle von längerer Arbeitsunfähigkeit verhindert werden und Patienten ihre Krankheit besser bewältigen können.“

Die Idee stößt bei der Gewerkschaft Verdi auf Kritik. Durch sie bestehe die Gefahr, dass der Arbeitgeber schon frühzeitig Rückschlüsse auf das Krankheitsbild ziehen könne, sagte Baden-Württembergs Verdi-Landesbezirksleiter Martin Gross im Radioprogramm SWR Aktuell. „Wir haben nach wie vor einige Betriebe, die olympiareife Belegschaften wollen. Da ist der Schutz des Arbeitnehmers wichtiger“, sagte Gross.

Wenn überhaupt, sollten Arbeitsminderungs-Bescheinigungen nur auf Wunsch des Arbeitnehmers erstellt werden dürfen. Die Entscheidung allein dem Arzt zu überlassen, lehnte Gross ab. „Ich glaube, dass es gut gemeint ist, aber dass Mediziner oft den arbeitsrechtlichen Aspekt, was Arbeitgeber daraus machen können, nicht berücksichtigen.“

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) reagierte zurückhaltend. „Erst muss die Wiedereingliederung von kranken Menschen in die Arbeit funktionieren. Dann könnte man über ein gestuftes Verfahren für die Arbeitsfähigkeit nachdenken“, sagte DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach. Nötig sei unter anderem, dass genügend Ärzte und Psychotherapeuten zur Verfügung stehen und eine Verpflichtung der Arbeitgeber, stufenweise Wiedereingliederungen zu ermöglichen. © dpa/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

3. September 2019
München – Ein neues Pilotprojekt für digitale Arbeitsunfähigkeits-(AU)-Bescheinigungen haben die AOK Bayern und das südbayerische Arztnetz „Patient-Partner“ gestartet. Ab sofort erfassen die
Neues Pilotprojekt für digitale AU-Bescheinigungen in Bayern
25. Juli 2019
Berlin – Die Zahl der Krankheitstage aufgrund psychischer Probleme hat nach Einschätzung der DAK-Gesundheit stark zugenommen. In den vergangenen 20 Jahren hat sich die Zahl der Fehltage von
Fehltage aufgrund psychischer Erkrankungen nehmen zu
23. Juli 2019
Berlin – Die Zahl der Tage, die Arbeitnehmer wegen Schäden durch Hitze und Sonne krankgeschrieben waren, hat sich zwischen 2008 und 2017 von 17.700 auf 40.500 mehr als verdoppelt. Das zeigt die
Mehr Arbeitnehmer wegen Hitze krankgeschrieben
11. Juni 2019
Koblenz – Die BKK Linde und die CompuGroup Medical (CGM) erproben im Raum Darmstadt und Aschaffenburg den Einsatz von elektronischen Arbeits­unfähigkeits­bescheinigungen (eAU). Rund 20.000 Versicherte
Elektronische AU-Bescheinigung wird erprobt
6. Juni 2019
Stuttgart – Knapp ein Jahr nach den massenhaften Krankmeldungen an der Stuttgarter Universität Hohenheim ermittelt die Staatsanwaltschaft Stuttgart mittlerweile gegen etwa 100 Studierende. Das teilte
Ermittlungen gegen etwa 100 Studierende in Attestaffäre
23. Mai 2019
Berlin – Psychische Erkrankungen sorgen in Deutschland weiterhin für die längsten Fehlzeiten von Arbeitnehmern. Das zeigt eine Untersuchung der Bundes­psycho­therapeuten­kammer, die heute in Berlin
Längste Fehlzeiten weiterhin durch psychische Erkrankungen
26. März 2019
Berlin – Die Barmer erprobt die digitale Übermittlung von Krankmeldungen. In einem Pilotprojekt in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen sollen die Bescheinigungen über die Arbeitsunfähigkeit auf
LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER