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Medizin

WHO-Studie: Bewegungsmangel ist ein globales Problem

Mittwoch, 5. September 2018

/dpa

Genf – Weltweit bewegen sich jede 3. Frau und jeder 4. Mann zu wenig. Der Mangel an körperlicher Aktivität ist laut einer Studie der Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) vor allem in reicheren Ländern weit verbreitet. Die in Lancet Global Health (2018; doi: 10.1016/S2214-109X(18)30357-7) veröffentlichten Daten lassen wenig Hoffnung, dass die WHO ihr Ziel, den Bewegungsmangel der Weltbevölkerung bis 2025 um 10 % zu senken, erreichen kann.

Die gesundheitlichen Vorteile von körperlicher Aktivität sind bekannt: Wer sich viel bewegt, leidet seltener unter Bluthochdruck, der zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen führt. Körperliche Aktivität kann Diabetes vorbeugen und auch eine präventive Wirkung gegen Brust- und Darmkrebs gilt als erwiesen. Körperliche Aktivität hat positive Auswirkungen auf die psychische Gesundheit und verzögert das Auftreten von Demenzen. Außerdem kann körperliche Bewegung den Menschen helfen, ein Übergewicht zu vermeiden.

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Die WHO hat körperliche Bewegung deshalb in ihren „Global Action Plan for the Prevention and Control of Non-communicable Disease 2013–2020“ aufgenommen. Bis zum Jahr 2025 soll der Bewegungsmangel um 10 % sinken.

Bislang sieht es nicht so aus, als könnte dieses Ziel noch erreicht werden. In den Jahren 2001 bis 2016 ist der Anteil der Weltbevölkerung, der sich zu wenig bewegt, nur marginal von 28,5 % auf 27,5 % gesunken, wie Regina Guthold von der WHO-Zentrale in Genf und Mitarbeiter in ihrer Analyse von 358 bevölkerungsbasierten Umfragen herausgefunden haben, an denen im Zeitraum von 2001 bis 2015 etwa 1,9 Millionen Menschen in 168 Ländern teilgenommen hatten. Die Menschen wurden dort nach ihren täglichen Aktivitäten befragt, was ein gewisser Unsicherheitsfaktor der Studie ist, die die bisher umfangreichsten Daten zum Problem Bewegungsmangel zusammen­getragen hat.

Am weitesten verbreitet ist Bewegungsmangel mit 39,1 % in Lateinamerika und in der Karibik, am seltensten ist er mit 16,3 % in Ozeanien. Zwischen 2001 und 2016 stieg die Prävalenz der körperlichen Inaktivität in den westlichen Ländern mit hohem Einkommen um mehr als 5 Prozentpunkte (von 30,9 auf 36,8 % an). In Lateinamerika und der Karibik kam es sogar zu einer Zunahme von 33,4 auf 39,1 %. Deutschland gehört laut der Untersuchung neben Brasilien, Bulgarien, den Philippinen und Singapur übrigens zu den Ländern mit dem größten Anstieg (mehr als 15 %). In Ost- und Südostasien kam es dagegen zu einem Rückgang um mehr als 5 Prozentpunkte (von 25,7 auf 17,3 %).

Frauen leiden deutlich häufiger unter Bewegungsmangel als Männer. Im Jahr 2016 betrug der Anteil bei Frauen 31,7 % gegenüber 23,4 % bei den Männern. Die Differenz hat sich seit 2001 sogar von 6 auf mehr als 8 Prozentpunkte vergrößert. Die einzige Ausnahme sind Ost- und Südostasien, wo Männer sich weniger bewegen als Frauen.

Besonders groß ist der Geschlechterunterschied in Südasien (Indien und Pakistan), wo 43 % der Frauen gegenüber 24 % der Männer körperlich zu wenig aktiv sind. Ähnlich ist die Situation in Zentralasien, im Nahen Osten und in Nordafrika (40 gegenüber 26 %) sowie in den westlichen Ländern mit hohem Einkommen (42 gegenüber 31 %).

Das Land mit dem größten Bewegungsmangel (in beiden Geschlechtern) ist Kuwait. Die Prävalenz beträgt 67 %. Es folgen Amerikanisch-Samoa (53 %), Saudi-Arabien (53 %) und der Irak (52 %). Am wenigsten Bewegungsmangel gibt es in Uganda und Mozambique mit jeweils 6 %.

Die Ursachen für den Bewegungsmangel, die die Studie nicht untersucht hat, liegen zum einen in kulturellen Traditionen. So verlassen Frauen in vielen Ländern des muslimischen Kulturkreises nur selten das Haus. Weitaus größer ist der Einfluss der wirtschaftlichen Entwicklung, die die körperliche Belastung am Arbeitsplatz vermindert hat und eine motorisierte Mobilität ermöglicht. Wo beide Faktoren zusammen kommen, wie in Kuwait, ist der Bewegungsmangel am gravierendsten.

Obwohl das Problem in den meisten Ländern bekannt ist und laut WHO drei Viertel aller Staaten Pläne zur Bekämpfung des Bewegungsmangels entwickelt haben, werden diese nur selten umgesetzt. Die WHO möchte hier mit einem Aktionsplan nachhelfen, der im Juni 2018 vorgestellt wurde. Er enthält zahlreiche Empfehlungen, wie die einzelnen Staaten ihre Bevölkerung zu mehr körperlicher Aktivität motivieren könnten. Wichtig ist laut WHO ein Wechsel der sozialen Normen, die die Bevölkerung häufig davon abhält, sich zu bewegen. Dann müssten die Städte mehr Rad- und Fußgängerwege schaffen, in denen sich die Bevölkerung gefahrlos bewegen und zum Arbeitsplatz pendeln kann. Der dritte Vorschlag betrifft die Aktivierung der Bevölkerung, die durch Sportangebote und Sportstätten motiviert werden könnte, sich aktiv zu bewegen. Schließlich sollten alle Systeme miteinander verzahnt werden, um die körperliche Aktivität stärker in den Alltag zu integrieren. © rme/aerzteblatt.de

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