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Medizin

Gehirnerschütterung bei Kindern: US-Behörde rät von regelmäßigem CT oder MRT ab

Donnerstag, 6. September 2018

/Olesia Bilkei, stockadobecom

Atlanta/Georgia – Obwohl einem leichten Schädel-Hirn-Trauma („Gehirn­erschütterung“) manchmal schwere Hirnverletzungen zugrunde liegen, raten die Centers for Disease Control and Prevention in einer Empfehlung in JAMA Pediatrics (2018; doi: 10.1001/jamapediatrics.2018.2853) vor regelmäßigen bildgebenden Verfahren wie Computertomografie (CT) oder Magnetresonanztomografie (MRT) ab. Eine systematische Übersicht (2018; doi: 10.1001/jamapediatrics.2018.2847) kann keinen gesicherten Nutzen einer regelmäßigen intensiven Diagnostik erkennen.

Ein Schädel-Hirn-Trauma ist eine häufige Verletzung bei Kindern unter 15 Jahren. In den USA ist sie jedes Jahr für 640.000 Notfallaufnahmen, 18.000 Hospitalisierungen und 1.500 Todesfälle verantwortlich. In Deutschland erleiden jährlich etwa 70.000 Kinder unter 16 Jahren ein Schädel-Hirn-Trauma, von denen 350 Patienten versterben.

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Drei Viertel aller Schädel-Hirn-Traumata werden als leicht eingestuft. Die Kinder sind bei Eintreffen des Arztes wieder bei Bewusstsein, ansprechbar und sie befolgen einfache Aufforderungen (Glasgow Coma Scale 15). Ein Schädel-Hirn-Trauma kann sich jedoch „dynamisch“ entwickeln. Nach einer anfänglichen Erholung kann es unvorhersehbar zu einer Verschlechterung kommen. Viele Kinder werden deshalb zunächst stationär aufgenommen. Dort stellt sich die Frage, ob bildgebende Verfahren durchgeführt werden sollten.

Im CT werden nach den Recherchen eines Teams um Matthew Breiding von den Centers for Disease Control and Prevention in Atlanta bei etwa 7,5 % intrakranielle Verletzungen gefunden, die bei 1,9 % von klinischer Relevanz sind und bei 0,8 % eine neurochirurgische Intervention erfordern. Dennoch rät das Expertengremium von einer regelmäßigen bildgebenden Diagnose ab.

Grundlage für das weitere Vorgehen sollte ihrer Ansicht nach eine klinische Risikoabschätzung sein, die neben dem Alter (Kinder unter 2 Jahren sind eher gefährdet) weitere Zeichen berücksichtigt. Dazu gehören Erbrechen, längere Bewusstlosigkeit, der Verletzungsmechanismus, ein starker sich verschlimmernder Kopfschmerz, eine Amnesie, ein nicht frontales Kopfhauthämatom, ein Glasgow Coma Scale-Score von unter 15 sowie der klinische Verdacht auf eine Schädelfraktur.

Für die Entscheidung über das weitere Vorgehen können laut CDC auch Symptom-Scores hilfreich sein, die für die einzelnen Altersgruppen entwickelt wurden. Von Biomarkern wie dem S-100B-Protein wird dagegen abgeraten.

Nach einem leichten Schädel-Hirn-Trauma erholen sich 70 bis 80 % der Kinder innerhalb von 1 bis 3 Monaten vollständig. Andere Kinder benötigen länger. Vorhersagen lässt sich das im Einzelfall nicht. Laut den CDC-Experten gibt es allerdings einige klinische Scores, die eine gewisse Abschätzung des Risikos ermöglichen.

Die Kinder können nach der Rückkehr aus der Klinik allmählich ihre gewohnten Aktivitäten wieder aufnehmen, solange dies nicht zu einer Verschlechterung der Symptome führt. Die initiale Erholungsphase sollte in der Regel nicht länger als 2 bis 3 Tage andauern.

Die Entscheidung zum erneuten Schulbesuch sollte nach Einschätzung der CDC-Experten von der Leistungsfähigkeit des Kindes abhängig gemacht werden. Es sollte so lange zu Hause bleiben, bis es in der Lage ist, ohne Symptome dem Unterricht zu folgen. Therapien, die die Erholung beschleunigen, gibt es nicht. Ein Problem sind Kopfschmerzen, die bei einigen Kindern länger als 3 Monate anhalten oder sich weiter verschlechtern können. Die Therapie besteht dann in der Verordnung von Nicht-Opioid-Analgetika. Infusionen mit hypertonen Kochsalzlösungen werden außerhalb von klinischen Studien nicht empfohlen. © rme/aerzteblatt.de

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