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Medizin

Follikuläres Lymphom: Behandlung ohne Zytostatika möglich

Freitag, 7. September 2018

/dpa

Lille – Das follikuläre Lymphom, das häufigste indolente Lymphom im Erwachsenen­alter, wird im fortgeschrittenen Stadium heute mit einer Kombination aus Rituximab und einer Chemotherapie behandelt. In einer randomisierten klinischen Studie im New England Journal of Medicine (2018; 379: 934–947) erzielte eine Kombination aus Rituximab und Lenalidomid eine gleich gute Wirkung bei Vermeidung vieler Nebenwirkungen der Zytostatika.

Ein follikuläres Lymphom, das zu den B-Zell-Lymphomen gehört, ist im fortgeschrittenen Stadium nicht mehr heilbar. Der Lymphdrüsenkrebs schreitet allerdings sehr langsam voran. Die Therapie wird deshalb oft erst begonnen, wenn es zu Symptomen gekommen ist. Ursprünglich wurde der Tumor mit einer Chemotherapie behandelt, die jedoch keine lebensverlängernde Wirkung erzielte. Erst die Kombination der Chemotherapie mit dem CD20-Antikörper Rituximab, der eine immunologische Zerstörung der B-Zellen einleitet, hat die Behandlungsergebnisse deutlich verbessert. Das mediane progressionsfreie Überleben liegt heute bei 6 bis 10 Jahren. Die Gesamtüberlebensrate nach 3 Jahren bei 90 %.

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Die Chemotherapie belastet die Patienten nicht nur mit den bekannten Neben­wirkungen der Zytostatika. Sie stört im Prinzip auch die durch Rituximab induzierte Immunreaktion auf die Tumorzellen. Der Immunmodulator Lenalidomid scheint dagegen die Immunreaktion gegen die Tumorzellen zu verstärken. Nachdem die Kombination aus Rituximab und Lenalidomid in mehreren Phase-2-Studien vielversprechende Ergebnisse erzielte, wurden in den USA/Japan und in Europa/Kanada/Australien 2 Phase-3-Studien durchgeführt.

An 137 Zentren in 10 Ländern (mit deutscher Beteiligung) wurden 1.030 Patienten (Durchschnittsalter 59 Jahre, 49 % mit hohem Risiko im FLIPI-Score) auf eine Behandlung mit Rituximab plus Lenalidomid oder Rituximab plus Chemotherapie randomisiert, gefolgt jeweils von einer Rituximab-Erhaltungstherapie.

Die Rituximab-Lenalidomid-Behandlung bestand aus 18 Zyklen der beiden Medikamente, an die sich 12 Zyklen mit einer Rituximab-Monotherapie anschlossen, wenn die Patienten auf die initiale Therapie angesprochen hatten. In der Vergleichsgruppe wurde Rituximab mit einer Chemotherapie kombiniert, wobei die Onkologen aus 3 Therapien auswählen konnten: Die meisten Zentren entschieden sich für Rituximab plus CHOP, andere für die Kombination aus Rituximab plus Bendamustin oder Rituximab plus CHOP.

Der primäre Endpunkt der Studie war eine vollständige Remission (bestätigt oder unbestätigt) nach 120 Wochen sowie das progressionsfreie Überleben. Wie Franck Morschhauser von der Universität Lille und Mitarbeiter berichten, erzielten beide Therapien eine gleich gute Wirkung.

In der Rituximab-Lenalidomid-Gruppe erreichten 48 % der Patienten nach 120 Wochen eine vollständige Remission (95-%-Konfidenzintervall 44 bis 53 %). In der Rituximab-Chemotherapie-Gruppe erreichten 53 % (49 bis 57 %) der Patienten dieses Therapieziel. Das progressionsfreie Überleben nach 3 Jahren betrug 77 % (72–80 %) beziehungsweise 78 % (74–82).

Bei den Nebenwirkungen gab es erwartungsgemäß große Unterschiede zwischen den beiden Therapien. In der Rituximab-Lenalidomid-Gruppe kam es seltener zu Anämie (66 versus 89 %), Müdigkeit (23 versus 29 %), Übelkeit (20 versus 42 %), Erbrechen (7 versus 19 %), periphere Neuropathie (7 versus 16 %), Leukopenie (4 versus 10 %), febrile Neutropenie (2 versus 7 %) und Alopezie (1 versus 9 %).

Zu den Nebenwirkungen, die in der Rituximab-Lenalidomid-Gruppe häufiger auftraten, gehörten Hautreaktionen (43 versus 24 %), Durchfall (37 versus 19 %), Hautausschlag (29 versus 8 %), Bauchschmerzen (15 versus 9 %), Myalgien (14 versus 6 %), Muskelkrämpfe (13 versus 4 %) und Tumoreruptionen (6 versus unter 1 %).

Bei den schweren Nebenwirkungen (Grad 3 bis 4) stand eine höhere Inzidenz von Neutropenien unter der Kombination aus Rituximab plus Chemotherapie (50 versus 32 %) einer höheren Zahl von Hautreaktionen unter der Kombination aus Rituximab und Lenalidomid (7 versus 1 %) gegenüber.

Die Auswirkungen auf die Lebensqualität wurden in den Studien nicht untersucht. Offen ist nach median 38 Monaten auch, ob beide Therapien auch langfristig gleich gute Ergebnisse erzielen. © rme/aerzteblatt.de

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