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Politik

Aufarbeitungs­beauftragte fordert mehr Zeit für DDR-Dopingopfer

Freitag, 7. September 2018

13. Februar 1980, USA, Lake Placid: Einzug der DDR-Mannschaft bei der Eröffnung der XIII. Olympischen Winterspiele in das Stadion von Lake Placid. /dpa

Magdeburg – Sportler, die als Kinder und Jugendliche in DDR-Leistungssportzentren gedopt worden sind, brauchen aus Expertensicht mehr Zeit, um sich Hilfe zu holen. „Unsere Beobachtung ist, dass die Betroffenen nur schleppend realisieren, dass ihre gesundheitliche Probleme etwas mit früherem Doping zu tun haben“, sagte die Beauftragte des Landes Sachsen-Anhalt zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, Birgit Neumann-Becker. Viele wüssten nicht, dass sie leistungssteigernde Mittel erhalten haben. Auf den ersten Blick sei das auch gar nicht erkennbar, oft auch nicht für Ärzte und Spezialisten.

Dabei wird die Zeit knapp für die Betroffenen. Nur noch bis zum Jahresende können sie Leistungen nach dem zweiten Dopingopfer-Hilfegesetz beantragen. Die Regelung gibt es seit Mitte 2016, ursprünglich sollte sie bis Mitte 2017 laufen, wurde dann aber bis Ende 2018 verlängert. Nun fordern die Landesbeauftragten für die Stasiunterlagen eine weitere Verlängerung. „Unsere Erfahrung ist, dass die Betroffenen mit dem kurzen Zeitfenster gar nicht umgehen können. Zum Teil sind sie in Rehamaßnahmen und Kliniken oder auch mit akuten Krankheitssituationen beschäftigt.“

Beim Bundesverwaltungsamt sind seit dem Inkrafttreten des Gesetzes 760 Anträge auf finanzielle Hilfe eingegangen, wie eine Sprecherin in Köln auf Anfrage mitteilte. In 554 Fällen sei Geld ausgezahlt worden. „Eine Häufung der Anträge vor dem Ablauf der Antragsfrist des zweiten Dopingopfer-Hilfegesetzes zum Jahresende nehmen wir nicht wahr“, hieß es weiter. Die Dopingopfer erhalten einmalig 10.500 Euro.

Neumann-Becker sieht für die Betroffenen aber noch eine Erschwernis: „Eigentlich will von denen niemand gedopt worden sein. Das ist nichts, was jemand für sich gern behaupten möchte. Eigentlich möchten sie damit nichts zu tun haben. Das ist unsere Erfahrung.“ Die Sportler empfänden es als unehrenhaft. „Die, mit denen ich gesprochen habe, hätten ihre Leistung gern ohne Doping vollbracht. Zudem ist es ein extremer Vertrauensbruch zu den Trainern und Ärzten“, sagte die Aufarbeitungsbeauftragte weiter.

© dpa/aerzteblatt.de
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