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Mehrheit der Pfleger leidet unter Arbeitsdruck

Freitag, 7. September 2018

/Tyler Olson, stockadobecom

Berlin – Zeitdruck, Personalmangel und eine große Arbeitslast: Drei Viertel der Pflegekräfte in Deutschland fühlen sich bei ihrer Arbeit gehetzt. Bei den Krankenpflegern sagen sogar 80 Prozent, sie müssten ihre Arbeit sehr häufig oder oft in Hetze erledigen, wie aus einer heute veröffentlichten Umfrage des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) und der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi hervorgeht. In der Altenpflege sind dies 69 Prozent. Zum Vergleich: Quer durch alle Berufsgruppen fühlen sich 55 Prozent bei ihrer Arbeit gehetzt.

46 Prozent der Beschäftigen im Pflegebereich können ihr Pensum nur bewältigen, indem sie Abstriche bei der Qualität ihrer Arbeit machen. Bei 49 Prozent der Krankenpfleger passiert dies sehr häufig oder oft, in der Altenpflege sagen dies 42 Prozent. Auch dies sind deutlich schlechtere Werte als im Schnitt aller Berufszweige – dort ist der Anteil derjenigen, die aufgrund von Stress und Überlastung Qualitätsabstriche machen müssen, mit 22 Prozent nur halb so groß wie in der Pflege.

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Wie die Umfrage zudem zeigt, müssen drei von vier Pflegebeschäftigten (73 Prozent) bei der Arbeit häufig schwer heben oder tragen. In der Krankenpflege geben 71 Prozent und in der Altenpflege 78 Prozent an, häufig schwer tragen, heben oder stemmen zu müssen. Der Bundesdurchschnitt liegt mit 30 Prozent deutlich darunter. Wochenendarbeit ist für drei Viertel und Nachtarbeit für ein Drittel der Pflegekräfte die Regel. Zwei Drittel arbeiten im Schichtdienst.

Angesichts dieser Bedingungen kann sich nur rund ein Fünftel der Beschäftigten vorstellen, bis zur Rente so weiter zu arbeiten. In der Krankenpflege meinen dies 23 Prozent, in der Altenpflege 20 Prozent. Im Durchschnitt aller Berufsgruppen geben 48 Prozent an, bis zur Rente arbeiten zu wollen.

„Statt den Beschäftigten in der Altenpflege und in den Krankenhäusern den roten Teppich auszurollen, verschleißen die Arbeitgeber deren Gesundheit“, kritisierte Verdi-Vorstandsmitglied Sylvia Bühler. Sie forderte vom Gesetzgeber Vorgaben für die Personalausstattung. Die von Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) vorgelegten Personaluntergrenzen im Krankenhaus „legitimieren den Pflegenotstand, statt ihn zu beheben“.

Spahn hatte angekündigt, ab Jahresbeginn 2019 Personaluntergrenzen für besonders pflegeintensive Bereiche in Krankenhäusern festzulegen. Die Personaluntergrenzen sollen für die Intensivmedizin, die Geriatrie, die Kardiologie sowie die Unfallchirurgie gelten und ein Verhältnis von Patientenzahl pro Pflegekraft festlegen. Zuvor waren die Verhandlungen zwischen der Deutschen Krankenhausgesellschaft und dem GKV-Spitzenverband dazu gescheitert.

DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach forderte, die Bedingungen in der Pflege schnell und umfassend zu verbessern, um Arbeitsdruck von den Beschäftigten zu nehmen. Die Belastung „treibt sie in die Selbstausbeutung und schreckt Berufseinsteiger ab“, warnte Buntenbach. Für die Studie wurden Daten des DGB-Index „Gute Arbeit“ für die Jahre 2012 bis 2017 ausgewertet.

Angesichts der Umfrageergebnisse sei es kein Wunder, dass nur wenige Beschäftigte glaubten, dass sie bis zur Rente durchhalten, sagte die Grünen-Sprecherin für Arbeitnehmerrechte und aktive Arbeitsmarktpolitik, Beate Müller-Gemmeke. Zu den schlechten Arbeitsbedingungen köme noch eine schlechte Bezahlung hinzu. „Wir fordern, dass die Pflege endlich die Wertschätzung erhält, die sie verdient“, sagte sie.

Für Susanne Ferschl, stellvertretende Vorsitzende der Linksfraktion im Bundestag, hängen Arbeitsbedingungen und Personalausstattung in der Pflege untrennbar mit der Pflegequalität zusammen. „Von guten Arbeitsbedingungen in der Pflege profitieren alle – Beschäftigte, Patienten und Angehörige. Personalbemessung und Arbeitsbedingungen müssen sich am Bedarf der Beschäftigten und der auf Pflege angewiesenen Menschen ausrichten“, sagte sie. Wenn Ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn bei Personaluntergrenzen auf die Arbeitgeberlobby höre, sei „das unverantwortlich“.

© afp/may/aerzteblatt.de

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