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Medizin

Transkranielle Gleich­stromstimulation könnte Aphasie nach Schlaganfall lindern

Montag, 10. September 2018

/dpa

Columbia/South Carolina – Die Kombination mit einer transkraniellen Gleichstrom­stimulation hat in einer randomisierten kontrollierten Phase-2-Studie die Ergebnisse einer logopädischen Behandlung der Aphasie bei Schlaganfallpatienten verbessert. Die in JAMA Neurology (2018; doi: 10.1001/jamaneurol.2018.2287) publizierten Ergebnisse verfehlten zwar das Signifikanzniveau, eine „Futility-Analyse“ kam jedoch zu dem Ergebnis, dass weitere Studien sinnvoll wären.

Da das Sprechen erhebliche Ressourcen im Gehirn beansprucht, sind Sprachstörungen nach einem Schlaganfall häufig. Die Behandlung der Aphasie besteht in der Regel in einer logopädischen Sprachtherapie, bei der die Patienten langsam lernen, Dinge wieder zu benennen. Zu den unterstützenden Therapien, die derzeit klinisch getestet werden, gehört die transkranielle Gleichstromstimulation (tDCS). Dabei wird zwischen 2 auf der gegenüberliegenden Seite des Schädeldachs gelegte Elektroden ein Gleichstrom appliziert, der die kortikale Erregbarkeit und die neuronale Aktivität verändern soll.

Die Behandlung wurde in einer Poliklinik der Universität von South Carolina in Columbia jetzt in einer Phase-2-Studie erprobt. Bei den 74 Teilnehmern der Studie, die im Mittel 60 Jahre alt waren und über 15 Jahre Bildungseinrichtungen besucht hatten, lag der Schlaganfall im Mittel 44 Monate zurück. Sie litten zu Beginn unter einer mittelschweren Sprachstörung (zu etwa 50 % Broca-Aphasie). Bei allen Patienten wurde zunächst eine funktionelle Magnetresonanztomografie durchgeführt, um die Hirnareale zu lokalisieren, die bei den Sprechbemühungen aktiviert wurden.

Über dieser Region wurde dann auf der Kopfhaut ein etwa 5 mal 5 cm großer „Schwamm“ platziert, der als Anode diente. Eine gleich große Kathode wurde auf der anderen Hemisphäre im Bereich des Frontallappens befestigt.

Die Applikation des Gleichstroms in der Stärke von 1 Milliampere erfolgte jeweils in den ersten 20 Minuten der 45-minütigen logopädischen Behandlungen, die während 3 Wochen 15-mal stattfanden. Bei der Hälfte der Patienten wurde das Gerät während der Behandlung nicht angeschaltet. Der Unterschied war aufgrund der geringen Strom­stärke für die Teilnehmer nicht erkennbar.

Primärer Endpunkt der Studie war die Verbesserung im „Philadelphia Naming Test“, bei dem den Patienten Tafeln mit verschiedenen Gegenständen gezeigt werden, die sie dann benennen sollen. Wie Julius Fridriksson von der Arnold School of Public Health in Columbus und Mitarbeiter berichten, kam es nach der echten tDCS zu einer Verbesserung um 13,9 Worte gegenüber 8,2 Worten in der Vergleichsgruppe mit Scheinbehandlung. Die Patienten konnten dank der Behandlung fast 70 % mehr Dinge benennen, was nach Einschätzung von Fridriksson für das Alltagsleben durchaus eine relevante Verbesserung sein kann.

Doch der Unterschied von 5,7 Wörtern war mit einen 95-%-Konfidenzintervall von minus 0,9 bis 12,3 Wörtern nicht signifikant. Damit kann die Studie nicht zweifelsfrei belegen, dass die tDCS einen Nutzen hat. Dies könnte allerdings an der geringen Teilnehmerzahl gelegen haben. Fridriksson hatte deshalb ein Futility-Design gewählt, dessen Ziel es ist, die Sinnlosigkeit der Therapie zu belegen. Nachdem dies in der Studie nicht zweifelsfrei gelang, gibt es für Fridriksson gute Gründe, die Therapie in einer weiteren Studie mit einer größeren Teilnehmerzahl zu prüfen.

Die Verträglichkeit der Behandlung war – nicht zuletzt aufgrund der niedrig gewählten Stromstärke – gut. Einzige Nebenwirkung war eine vorübergehende Kopfhautrötung/-reizung (Erythem), das 2 Teilnehmer nach der echten tDCS bemerkten. © rme/aerzteblatt.de

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