NewsMedizinMetabolom-Studie findet Bluttest für autistische Störungen
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Metabolom-Studie findet Bluttest für autistische Störungen

Montag, 10. September 2018

Blutproben in Röhrchen. /Maksym Yemelyanov, stockadobecom
/Maksym Yemelyanov, stockadobecom

Sacramento/Kalifornien – Sind autistische Störungen zumindest teilweise eine Stoffwechselstörung des Gehirns? US-Forscher beschreiben in Biological Psychiatry (2018; doi: 10.1016/j.biopsych.2018.08.016) 3 Metabolom-Typen, die zwar nur 16 % aller Fälle erklären, sich aber mit hoher Spezifität von gesunden Kindern abgrenzen lassen.

Die Ursachen von Autismus-Spektrum-Störungen (ASD), deren Bandbreite vom klassischen Autismus mit deutlicher Einschränkung der Intelligenz bis zur Minimalvariante Asperger-Syndrom reicht, liegen weitgehend im Dunkeln. Eine Reihe von US-Forschern vermuten eine Stoffwechselstörung. Mit dem „Children's Autism Metabolome Project“ (CAMP-01) haben sie eine ehrgeizige Ursachensuche begonnen.

Anzeige

An 8 Behandlungszentren untersuchten die Ärzte bisher 516 Kinder im Alter zwischen 18 und 48 Monaten mit ersten Zeichen einer ASD. Sie wurden einer Gruppe von 154 sich normal entwickelnden Kindern gleichen Alters gegenübergestellt.

In beiden Gruppen wurden Blutproben auf insgesamt 31 Amine untersucht (darunter auch die 20 zur Produktion von Proteinen verwendeten Aminosäuren). Das Team um David Amaral vom MIND Institute an der Universität von Kalifornien in Davis bei Sacramento entdeckte 3 Konstellationen der Amine, die (fast) nur bei ASD-Patienten auftraten und die sie deshalb als „ASD-assoziierte Aminosäure-Dysregulations-Metabotypen“ (AADM) bezeichnen.

Wenig falsch positive Diagnosen zu erwarten

Die Kombination dieser 3 AADM war zwar nur bei 16,7 % der Kinder mit ASD vorhanden, so dass ein Bluttest auf die 3 AADM nur einen Teil der Kinder erkennen würde (geringe Sensitivität). Gesunde Kinder wiesen die 3 AADM jedoch nur selten auf. Die Spezifität von 96,3 % und ein positiver prädiktiver Wert von 93,5 % bedeuten, dass nicht allzu viele gesunde Kinder durch den Test fälschlicherweise als ASD-Fälle deklariert würden.

Ein gemeinsamer Nenner aller 3 AADM war ein gestörtes Gleichgewicht zwischen den Aminosäuren insgesamt und den verzweigtkettigen Aminosäuren. Dies passt zu einer Hypothese, die die ASD mit Störungen im Enzyms BCKDK („Branched Chain Ketoacid Dehydrogenase Kinase“) in Verbindung bringt.

Ob die Studie zur Entwicklung eines Bluttests führen wird, bleibt abzuwarten. Der Test dürfte zunächst nur in der Forschung eingesetzt werden. Für den klinischen Alltag käme er erst infrage, wenn es eine effektive Therapie gäbe, die bei einer frühzeitigen Intervention den Verlauf der Erkrankung günstig beeinflussen würde. © rme/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

6. November 2018
Heidelberg – Autismus tritt 4-mal häufiger bei Jungen als bei Mädchen auf. Wissenschaftler der Abteilung Molekulare Humangenetik des Universitätsklinikums Heidelberg haben dafür nun erstmals eine
Testosteron aktiviert Risikogene für Autismus
17. August 2018
New York – Obwohl der Einsatz von Dichlordiphenyltrichlorethan, bekannter als DDT, in den 1970er-Jahren stark eingeschränkt und später ganz verboten wurde, sind Schwangere auch heute noch mit
Autismus: Studie sieht Verbindung mit verbotenem Insektizid DDT
16. August 2018
Basel/Genf – Ein Hauptmerkmal von Autismus-Spektrum-Störungen ist die beeinträchtigte soziale Kommunikationsfähigkeit. Diese lässt sich vermutlich auf eine Fehlfunktion der Synapsen von Nervenzellen
Autismus: Störungen im Belohnungssystem beeinträchtigen Sozialverhalten
26. Juni 2018
Pasadena/Oslo – Zwei aktuelle Studien führen den Beginn von Autismus und der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) auf Komplikationen in der Schwangerschaft zurück. Laut einer
Schwangerschaft beeinflusst Autismus und ADHS
4. Juni 2018
Paris – Die französische Regierung will die Versorgung von Menschen mit Autismus verbessern und stellt für die Umsetzung der neuen Autismusstrategie in den nächsten fünf Jahren 344 Millionen Euro
Autismus: Frankreich gibt Millionen für Versorgung aus
10. Mai 2018
Boston – In der Zeitschrift Scientific Reports berichten Wissenschaftler jetzt, dass Elektroenzephalogramme (EEGs), die die elektrische Aktivität des Gehirns messen, eine Autismus-Spektrumstörung
Frühe Autismusdiagnose über EEG
23. April 2018
Palo Alto/Wien – Der österreichische Mediziner Hans Asperger, der 1944 das Krankheitsbild eines „autistischen Psychopathen“ beschrieb, das seit den 1980er-Jahren zunächst im angelsächsischen Raum nach
LNS
NEWSLETTER