NewsÄrzteschaftExperten beklagen mangelnde Versorgung von süchtigen Kindern und Jugendlichen
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ärzteschaft

Experten beklagen mangelnde Versorgung von süchtigen Kindern und Jugendlichen

Montag, 10. September 2018

/highwaystarz, stock.adobe.com

Hamburg – Experten haben eine mangelnde Versorgung von Kindern und Jugendlichen mit Suchterkrankungen kritisiert. „Es mangelt an jugendspezifischen Versorgungs­einrichtungen, an Angeboten zur Rehabilitation und an Betten für die Entzugs­behandlung der Zwölf- bis 17-Jährigen“, erklärte Rainer Thomasius vom Universi­tätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) heute im Vorfeld des Suchtkongresses.

Lediglich etwa 200 Betten stünden in ganz Deutschland für die stationäre Sucht­behandlung von Kindern und Jugendlichen zur Verfügung. Die schlechte Versorgung von Minderjährigen mit Abhängigkeitserkrankungen ist ein Schwerpunkt beim Deutschen Suchtkongress ab Montag am UKE. In vielen Regionen fehlen demnach therapeutische Angebote, obwohl das Jugendalter eine besonders kritische Lebensphase für die Entwicklung von Suchterkrankungen ist.

Anzeige

„Hier etablieren sich häufig Missbrauch und Abhängigkeiten, die dann zu chronischen psychischen Störungen werden können“, erklärte Thomasius, der auch Kongress­präsident ist. Zudem erweitere sich das Spektrum an Abhängigkeitserkrankungen. Zu den substanzgebundenen Störungen wie Alkoholismus und die Abhängigkeit von harten Drogen kommen demnach vor allem neuartige Störungen wie Internet-, Social-Media- und Computerspielsucht. „Wir sind dafür bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland bisher schlecht aufgestellt – bei Erwachsenen dagegen sehr gut“, erklärte Thomasius.

Bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen können als Folge des Drogenmissbrauchs ein gestörtes Sozialverhalten, depressive Störungen und Impulskontrollstörungen auftreten. Auch Ängste, soziale Phobien, Essstörungen sowie beispielsweise durch Cannabis oder Ecstasy ausgelöste Psychosen und schizophrene Psychosen sind mögliche Erkrankungen aufgrund von Abhängigkeiten.

Alkoholmissbrauch ist in Deutschland der häufigste Anlass für eine Kranken­haus­behandlung bei Kindern und Jugendlichen. Jährlich werden mehr als 23.000 unter 20-Jährige aufgrund akuten Alkoholmissbrauchs stationär notfallmedizinisch behandelt – eine Verdopplung seit dem Jahr 2000. Bei den 15- bis 19-Jährigen ist der Cannabis­konsum die Hauptursache für suchttherapeutische Behandlungen. © afp/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

19. Juni 2019
Dresden – Für Kinder und Jugendliche mit psychischen Erkrankungen soll sich in der Region Weißwasser künftig die Versorgung verbessern. Das Ziel soll mit einer neuen Zweigpraxis des niedergelassenen
Telemedizin soll Versorgung von Kindern mit psychischen Erkrankungen verbessern
11. Juni 2019
Köln – Vor dem Welttag gegen Kinderarbeit haben Hilfsorganisationen Regierungen und Unternehmen aufgefordert, die Ursachen von Kinderarbeit stärker zu bekämpfen. Kinderarbeit raube Kindern ihre
Ursachen von Kinderarbeit müssen stärker bekämpft werden
7. Juni 2019
Altdorf/Düsseldorf – Vor einer Übertherapie mit Schilddrüsenmedikamenten bei Kindern und Jugendlichen warnen die Deutsche Diabetes-Gesellschaft (DDG) und die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie
Kinder erhalten häufig verfrüht Schilddrüsenmedikamente
6. Juni 2019
Berlin – Der Gesundheitszustand der Kinder in Deutschland ist ihren Eltern zufolge überwiegend gut oder sehr gut. Das erklärten 96 Prozent von 1.000 Müttern und Vätern, die das Forschungsinstitut
Deutschlands Kinder sind gesund
5. Juni 2019
Berlin – Unter den Substanzen mit Abhängigkeitspotenzial sind vier Substanzgruppen für 25 Prozent der Störungen der erwachsenen Bevölkerung verantwortlich. An erster Stelle stehen dabei legale Drogen,
Heroinabhängige besser versorgt als nikotinabhängige Menschen
4. Juni 2019
Erfurt/Leipzig – Thüringen drängt bei kommerziellen Sportwetten auf einen besseren Schutz gegen Wett- und Glücksspielsucht. Dabei geht es zum Beispiel um räumliche Beschränkungen für Sportwettbüros,
Thüringen will strengere Regeln zur Bekämpfung von Wettsucht
4. Juni 2019
Hamburg – Die Techniker Krankenkasse (TK) übernimmt für die bei ihr mitversicherten Kinder zwischen drei und sieben Jahren die Kosten für eine Sprachtherapie mit der neuen Applikation (App) „Neolino“.
LNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER