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Mehr Früherkennung psychischer Erkrankungen notwendig

Montag, 10. September 2018

/DedMityay, stockadobecom

Berlin – Die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) fordert, die Früherkennung psychischer Erkrankungen in Gesellschaft, Politik, Forschung und Versorgung stärker in den Blick zu nehmen. Deutschlandweit nehmen sich laut der Fachgesellschaft jedes Jahr mehr als 10.000 Menschen das Leben. Bis zu 90 Prozent dieser Suizide stünden im Zusammenhang mit Depressionen und anderen psychischen Erkrankungen. Besonders alarmierend sei die Zahl der Suizidversuche, die sich auf mindestens 100.000 belaufe.

„Das Ziel muss sein, den Prozess so früh wie möglich aufzuhalten, im besten Fall schon bevor die Psyche leidet – Prävention ist eines der großen Zukunftsthemen der Psychiatrie“, sagte der Präsident der DGPPN, Arno Deister, anlässlich des heutigen Welttages der Suizidprävention.

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Dabei seien nicht nur Ärzte und Wissenschaftler gefragt, sondern vielmehr die gesamte Gesellschaft und das Gesundheitswesen. „Gesundheitspolitik und Selbstverwaltung müssen unbedingt sicherstellen, dass für psychisch erkrankte Menschen passgenaue Versorgungsangebote zur Verfügung stehen“, betonte Deister. Wichtig sei auch, das Wissen über psychische Erkrankungen und Suizid in der Bevölkerung zu fördern, damit jeder bei sich selbst oder in seinem Umfeld Warnsignale erkennen könne.

Auch die Deutsche DepressionsLiga fordert anlässlich des Welttages ein offenes Ohr für Menschen mit suizidalen Gedanken. „Geben wir den betroffenen Erkrankten und deren Angehörigen Mut, indem wir sie ernst nehmen und ihnen zuhören. Damit helfen wir ihnen, einen Weg aus der psychischen Krise zu finden“, sagte die Vorsitzende der Depressionsliga, Waltraud Rinke.

Auf die besondere Gefährdung von Schlaganfall-Patienten weist die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe hin. Der Schlaganfall sei die häufigste Folge für Behinderungen im Erwachsenenalter. Rund 60 Prozent der überlebenden Patienten seien langfristig auf Therapie, Hilfsmittel oder Pflege angewiesen.

„Nicht verwunderlich ist deshalb, dass die Post Stroke Depression (PSD), die Depression nach Schlaganfall, mittlerweile als eine der häufigsten Folgen der Erkrankung gilt“, hieß es aus der Stiftung. Experten gingen davon aus, dass rund ein Drittel der Patienten früher oder später eine Depression entwickle. Die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe appelliert deshalb an Ärzte und Therapeuten, die Schlaganfall-Patienten behandeln, eine besondere Sensibilität für dieses Risiko zu entwickeln.

Auf die positiven Effekte von körperlicher Aktivität auf depressive Symptome weist anlässlich des Welttages der Deutsche Verband für Physiotherapie hin, Physio­thera­peuten seien deshalb auch für depressive Patienten wichtige Ansprechpartner. 

Suizide sind auch international ein gravierendes Problem. Laut der Weltgesundheits­organisation (WHO) nehmen sich pro Jahr weltweit mindestens 800.000 Menschen das Leben. Die WHO hat daher zusammen mit der Mental Health Commission of Canada ein sogenanntes Community Engagement Toolkit entwickelt, eine Schritt-für-Schritt-Anleitung für Gemeinschaften, die sich an Aktivitäten zur Selbstmordprävention beteiligen. © hil/aerzteblatt.de

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Avatar #749369
Ambush
am Montag, 24. September 2018, 14:51

Arno Deister und Studien

http://news.doccheck.com/de/blog/post/8424-59-prozent-von-patienten-der-allgemeinpsychiatrie-haben-adhs/

das war auch von Prof. Arno Deister ...

PS: an die Redaktion von Ärzteblatt online: bitte Personen wie "Lordi" hier kein Forum bieten. Solche Kommentare wie der darunter, das gehört in die Esoterik-Ecke im Internet oder auf den Infostand von irgend so Sekten mit Weltverbesserungsanspruch , aber bitte nicht ins Ärzteblatt mit seriösem Anspruch...
Avatar #752452
Lordi
am Freitag, 14. September 2018, 15:51

Einseitiger Artikel

Der Artikel hat leider zwei Probleme: Zum einen gibt es mittlerweile viele Studien, die stark darauf hindeuten, dass Präventionsprogramme bei "psychischen Krankheiten" zu insgesamt mehr "psychischen Krankheiten" und insgesamt zu erhöhter Suizidalität führen. Das ist kontraintuitiv, die Gründe dafür führt zum Beispiel Robert Whitaker in seinem Buch "Anatomy of an Epidemic" gut auf.

Hinzu kommt leider, dass die DGPPN auch kein geeigneter Ansprechpartner für dieses Thema ist, da sie sich seit Jahren gegen eine "Todesfallstatistik für die Psychiatrie" wehrt. Dazu zitiere ich eine Pressemitteilung vom Bundesverband Psychiatrieerfahrener aus dem Jahr 2012:
"Unstreitig ist mittlerweile, dass die Lebenserwartung psychiatrischer Patient/inn/en gegenüber dem Durchschnitt der Bevölkerung drastisch verkürzt ist. Nach dem Psychiatrie-Kritiker jahrzehntelang darauf hingewiesen hatten, stellt sich auch die psychiatrische „Fach“welt seit einigen Jahren dieser Tatsache.
Wir wollen, dass es eine öffentlich einsehbare Statistik aller Todesfälle während und 12 Monate nach psychiatrischer Behandlung gibt. Der 12-Monatszeitraum ist aus zwei Gründen zwingend
erforderlich:
a) viele Patient/inn/en werden bei lebensbedrohlichen Komplikationen auf die Intensivstation verlegt
b) viele Suizide finden direkt nach stationärer psychiatrischer Behandlung statt. Bereits 1977 recherchierte Haase eine 100-fach erhöhte Suizidrate nach stationären Psychiatrie-Aufenthalten.
Patient/inn/en haben ein Recht darauf über die Risiken ärztlicher Maßnahmen vorab informiert zu sein. Auch die gesetzgebende und die rechtsprechende Gewalt haben ein Recht auf Information, was denn Psychiatrie genau bewirkt. Ebenso haben die Krankenkassen ein Recht über die Effizienz jedweder ärztlichen Behandlung informiert zu sein.
Sollte Psychiatrie tatsächlich so hilfreich und notwendig sein, wie die Befürworter/innen behaupten, werden die Ergebnisse dieser St
atistik kein Problem darstellen. Sollte herauskommen, was wir erwarten, wird sich die Psychiatrie in ihrer jetzigen Form keine 3
weiteren Jahre halten können. Es wird sich die Frage stellen, wie eine solche Zahl von Opfern jahrzehntelang unentdeckt bleiben konnte.
Wie sagte uns doch der Chef einer Krankenkasse, als er eine solche Statistik machen sollte: „Sie haben bestimmt Recht. Aber wissen Sie denn nicht, was das für einen Ärger gibt?“
Da dieser Ärger sehr viele Menschenleben retten wird, wollen wir ihn."

Das Thema und die Erfahrungswelt der Betroffenen ist leider zu komplex, um es auf die einfache und falsche Formel "Viel Prävention hilft viel" zu reduzieren ...
LNS

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