NewsPolitikIges sieht zahlreiche neue Gentherapien vor der Zulassung
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Iges sieht zahlreiche neue Gentherapien vor der Zulassung

Montag, 10. September 2018

/catalin, stock.adobe.com

Berlin – In den kommenden Jahren wird die Zahl langwirksamer Gentherapien deutlich zunehmen. Derzeit seien drei langwirksame Gentherapien in der EU zugelassen, 42 weitere stünden kurz vor der Marktreife, erklärte das Iges-Institut heute im Hinblick auf eine neue Untersuchung. Demnach können die hochinnovativen Präparate schwer­kranken Patienten künftig neue Behandlungsoptionen eröffnen, zugleich jedoch die Krankenkassen unterschiedlich stark belasten.

Für ihre Untersuchung im Auftrag des Unternehmens Merck, wertete das Iges-Institut internationale Studienregister und Datenbanken zu klinischen Studien aus. Es identifizierte langwirksame Gentherapien, die bereits zugelassen sind oder sich in der fortgeschrittenen Entwicklung (Phase III) befinden, sowie die damit behandelbaren Erkrankungen. Anschließend schätzten die Iges-Wissenschaftler die Anzahl der potenziell betroffenen gesetzlich Versicherten.

Bei Gentherapien wird entweder ein funktionales Gen einer Zelle hinzugefügt, ein fehlerhaftes Gen korrigiert oder ein natürliches Gen modifiziert, um eine bestimmte Funktion zu erfüllen. Gentherapeutika unterliegen auf europäischer Ebene einem spezifischen Zulassungsverfahren. Langwirksame Gentherapeutika müssen nur einmalig oder mehrmals mit anschließenden therapiefreien Jahren verabreicht werden. Kurzwirksame Gentherapien werden kontinuierlich gegeben.

Knapp die Hälfte der neuen Gentherapien richten sich laut der Iges-Studie gegen onkologische Erkrankungen (19 Therapien). Am zweithäufigsten dienen sie der Behandlung von angeborenen genetischen Störungen (sieben Therapien). Fünf neue Therapien sollen sich gegen Blutkrankheiten richten, vier gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen und ebenfalls vier gegen Erkrankungen des Auges.

Ein großer Teil der identifizierten Erkrankungen betrifft zwischen 1.000 und 10.000 gesetzlich versicherte Patienten. Sechs der neuen Gentherapien richten sich gegen extrem seltene Leiden mit weniger als 100 Betroffenen. In Entwicklung seien aber auch drei Gentherapien gegen Volkskrankheiten, etwa gegen Arthrose.

„Auch wenn hinsichtlich der genauen Anzahl von Zulassungen langwirksamer Gentherapien, dem Ausmaß ihrer Anwendung sowie den genauen Behandlungskosten aktuell noch Unsicherheit bestehen, ist mit zahlreichen Markteinführungen in den nächsten Jahren sowie signifikanten ökonomischen Herausforderungen für das System der gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung zu rechnen“, sagte der Studienautor Fabian Berkemeier, Bereichsleiter Value & Access Strategy am Iges-Institut.

© hil/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

10. Mai 2019
Berlin – Die Stellungnahme des Deutschen Ethikrates zu Möglichkeiten, in das Genom menschlicher Embryonen oder in Keimzellen einzugreifen, ist auf ein geteiltes Echo gestoßen. Allgemeine Zustimmung
Kritisches Echo auf Ethikratsexpertise zu Keimbahneingriffen
9. Mai 2019
Berlin – Der Deutsche Ethikrat hält die menschliche Keimbahn grundsätzlich nicht für unantastbar. Keimbahneingriffe seien perspektivisch ethisch nicht auszuschließen, konstatiert das interdisziplinär
Ethikrat schließt Keimbahneingriffe ethisch nicht grundsätzlich aus
3. Mai 2019
San Francisco – Die Gentherapie von angeborenen Muskelerkrankungen macht offenbar große Fortschritte. Auf der Jahrestagung der American Society of Gene & Cell Therapy in Washington wurden jetzt
XLMTM: Gentherapie bei angeborenen Muskelschwächen zunehmend erfolgreich
18. April 2019
Memphis/Tennessee – Eine Vorbehandlung mit dem Zytostatikum Busulfan kann die Effektivität einer Gentherapie des seltenen Immundefekts X-SCIDs deutlich verbessern, wie erste Erfahrungen einer Studie
Immundefekt X-SCID: Busulfan macht Gentherapie effektiver
3. April 2019
Amsterdam – Viele Menschen mit Beta-Thalassämie, die aufgrund von Gendefekten im Beta-Globin-Gen nicht genügend Hämoglobin produzieren, können künftig durch eine einmalige Gentherapie von den
Beta-Thalassämie: EMA gibt grünes Licht für Gentherapie
20. März 2019
Genf – Ein von der Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) eingesetztes Expertengremium zum Genom-Editing hat gestern in Genf Handlungsempfehlungen für die Forschung beim Menschen verabschiedet. Unter
WHO: Forschungsregister für Genom-Editing soll für Transparenz sorgen
19. März 2019
Berkeley/Kalifornien. Die intravitreale Injektion von Adenoviren, die das Gen für ein Opsin in den Ganglienzellen der Retina installierte, hat bei Mäusen mit einer Retinitis pigmentosa ein
LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER