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Ärzteschaft

Drängen auf nationalen Sepsisplan

Dienstag, 11. September 2018

/Kateryna_Kon, stockadobecom

Berlin – Deutschland muss einen nationalen Sepsisplan entwickeln. Dafür haben sich Sepsis-Stiftung und Aktionsbündnis Patentensicherheit (APS) im Vorfeld des siebten Welt-Sepsis-Tages am 13. September ausgesprochen.

Die Sterberate von schwerer Sepsis im Krankenhaus betrug laut Stiftung und APS 2015 in Deutschland 41 Prozent, in England 32,1 Prozent, in den USA 23,5 Prozent und in Australien nur 18,5 Prozent. Die Sepsissterblichkeit bei Kindern und Jugendlichen im Alter von 0 bis 17 Jahren betrage im Staat New York durchschnittlich 11,8 Prozent und bei Kindern, bei denen die Behandlungsrichtlinien vollständig umgesetzt wurden, nur 7,5 Prozent. Dagegen habe die Sterblichkeit in dieser Altersgruppe in Deutschland in den Jahren 2010 bis 2015 bei 17,2 Prozent gelegen.

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„Für ein Land, das bei der Zahl der Krankenhaus- und Intensivbetten weltweit Spitzenplätze einnimmt und in dem die Zahl der jährlichen Arztbesuche laut OECD-Angaben doppelt so hoch ist wie in England oder in den USA, wirft die vergleichsweise hohe Sepsisterblichkeit erhebliche Fragen zur Qualität unseres Gesundheitswesen auf, das von Gesundheitspolitikern stets als eines der besten der Welt bezeichnet wird“, sagte der Vorstandsvorsitzende der Sepsis-Stiftung Konrad Reinhart.    

Die in Deutschland unverhältnismäßig hohe Sepsissterblichkeit unterstreiche die Notwendigkeit, nationale Strategien zur Vermeidung und Verbesserung der Behandlungsergebnisse bei Sepsis zu entwickeln und zeitnah umzusetzen, betonen Stiftung und APS.

Eine im Mai 2017 verabschiedete WHO Resolution macht deutlich, dass die meisten Todesfälle durch Sepsis vermeidbar sind. Die Mittel hierzu sind laut WHO Vorbeugung durch Impfung und Hygiene, Früherkennung und Behandlung der Sepsis als Notfall. Die Resolution hebt hervor, dass die erhebliche weltweite Krankheitslast von jährlich mindestens sechs Millionen Todesfällen bisher unterschätzt wurde.

Sepsis-Stiftung und APS erinnern an ein Memorandum, das mehr als 30 medizinische Fachgesellschaften und Repräsentanten von Wissenschaftsorganisationen unterzeichnet haben. Darin wird aufgezeigt, dass in Deutschland jährlich 15.000 bis 20.000 Todesfälle vermeidbar wären.

„Es ist sehr zu begrüßen, dass die Ge­sund­heits­minis­ter­kon­fe­renz das Bundesministerium für Gesundheit in einem Beschluss vom Juni 2018 einstimmig gebeten hat, eine Ad-hoc-Expertengruppe am Robert-Koch-Institut einzurichten, welche die notwendigen bedarfsgerechten Maßnahmen zur Umsetzung der Forderungen der WHO Sepsis Resolution zur Verbesserung der Prävention, Diagnostik und des klinischen Managements der Sepsis, berücksichtigt“, teilten Sepsis-Stiftung und APS mit.

Wichtig sei in diesem Zusammenhang auch, das Wissen in der Bevölkerung über Sepsis zu verbessern. Sepsis entstehe in 70 bis 80 Prozent der Fälle außerhalb des Krankenhauses, deshalb sei die Aufklärung von Laien und aller im ambulanten Bereich tätigen Gesundheitsdienstleister genauso wichtig wie die Schulung von Ärzten und Pflegekräften in den Krankenhäusern. APS und Sepsis-Stiftung fordern daher eine flächendeckende Aufklärungskampagne zur Vorbeugung und Früherkennung von Sepsis.

© hil/aerzteblatt.de

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