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Medizin

Mangelhafte Gesundheits­versorgung weltweit für rund fünf Millionen Todesfälle verantwortlich

Dienstag, 11. September 2018

/dpa

London – Weltweit ist nicht nur der mangelhafte Zugang zu Gesundheitseinrichtungen ein Problem, sondern auch die schlechte Versorgungsqualität in vielen dieser Einrichtungen. Das berichtet ein internationales Wissenschaftlerteam in der Zeitschrift Lancet Global Health (doi 10.1016/S0140-6736(18)31668-4).

„Während viele Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen (LMICs) erhebliche Fortschritte bei der Verbesserung des Zugangs zur Versorgung gemacht haben, ist eine neue Realität eingetreten: Eine schlechte Versorgung im Gesundheitswesen ist heute für eine größere Zahl von Todesfällen verantwortlich als ein unzureichender Zugang zur Versorgung“, erklären die Epidemiologen. 

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Schätzungsweise fünf Millionen Todesfälle pro Jahr seien in den LMICs das Ergebnis einer qualitativ schlechten Versorgung, weitere 3,6 Millionen das Ergebnis eines unzureichenden Zugangs zur Versorgung, so ihre Berechnung. Sie schätzen damit die Gesamtzahl der Todesfälle durch schlechte Versorgung pro Jahr auf das Fünffache der jährlichen weltweiten Todesfälle durch HIV/AIDS (eine Million) und auf das Dreifache der Todesfälle durch Diabetes (1,4 Millionen).

Ein Drittel (34 Prozent) der Menschen in LMICs berichten laut der Studie von schlechten Erfahrungen im Gesundheitssystem und geben an, dass es an Respekt mangelt, die Wartezeiten lang und die Konsultationen kurz seien. Das Vertrauen in die Gesundheitssysteme ist laut der Studie daher oft gering. So gibt beispielsweise in Indien die Hälfte der Haushalte an, ihre nahegelegene öffentliche Einrichtung zu umgehen, wobei 80 Prozent der Befragten mindestens ein Qualitätsproblem anführen.

Laut der Analyse ist eine schlechte Qualität in den Versorgungseinrichtungen ein Hauptgrund für die Mortalität bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen, bei Krankheiten, die durch Impfung vermeidbar wären, bei neonatalen Erkrankungen und nach Straßen­verkehrsunfällen, sowie bei Tuberkulose, HIV und andere Infektionskrankheiten.

Die Ergebnisse stammen aus einer Analyse, die in The Lancet als Teil der Lancet Global Health Commission on High Quality Health Systems veröffentlicht wurde - einem zweijährigen Projekt, an dem 30 Wissenschaftler, Politiker und Gesundheitssystemexperten aus 18 Ländern teilnahmen, die untersuchten, wie man die Qualität des Gesundheitssystems weltweit messen und verbessern kann.

„Qualität ist keine Selbstverständlichkeit. Es braucht Vision, Planung, Investition, Mitgefühl, sorgfältige Ausführung und strenge Überwachung, von der nationalen Ebene bis zur kleinsten, entlegensten Klinik“, kommentierte der Generaldirektor der Welt­gesund­heits­organi­sation, Tedros Adhanom Ghebreyesus, die Ergebnisse.

© hil/aerzteblatt.de

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