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Übergewicht, Alkohol und Tabak bedrohen die steigende Lebenserwartung in Europa

Mittwoch, 12. September 2018

/exclusive-design, stock.adobe.com

London - Die Lebenserwartung der Menschen in Europa steigt, aber der wachsende Trend zu Übergewicht – aber auch Alkohol und Tabaksucht – könnte die Entwicklung umkehren. Das ist das Ergebnis einer neuen Studie der Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) zur Gesundheit in Europa. „Risikofaktoren, die mit einem ungesunden Lebensstil verbunden sind, geben Anlass zu Sorge“, sagte die WHO-Direktorin für Europa, Zsuzsanna Jakab.

Für den „Europäischen Gesundheitsbericht 2018“ wertete die WHO Daten aus 53 Ländern aus, darunter Russland, weshalb die Studie ein Gebiet zwischen dem Atlantik und dem Pazifik erfasst. Auch Israel zählt zur WHO-Region Europa. Die WHO veröffentlicht eine derartige Analyse alle drei Jahre.

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Laut dem aktuellen Bericht ist die Lebenserwartung in der europäischen Region von durchschnittlich 76,7 Jahren im Jahr 2010 auf 77,8 Jahre im Jahr 2015 gestiegen. Frauen kommen auf durchschnittlich 81,1 Jahre, Männer auf 74,6 Jahre. In Island werden die Menschen im Schnitt 81,4 Jahre alt, in Kasachstan 65,7 Jahre.

„Die höchste Lebenserwartung in der Europäischen Region haben mit 83 Jahren die Schweiz und Luxemburg“, sagte Claudia Stein, Direktorin der Abteilung Information, Evidenz, Forschung und Innovation des WHO-Regionalbüros für Europa. Mädchen und Jungen, die in Deutschland geboren würden, werden ihr zufolge im Durchschnitt 81 Jahre alt. „Damit liegt Deutschland im obersten Viertel der Statistiken. Das liegt unter anderem am guten Zugang zum Gesundheitssystem“, so Stein.

Insgesamt zieht die WHO ein positives Fazit: Vor allem die verfrühten Todesfälle durch die wichtigsten nichtübertragbaren Krankheiten – Krebs, Herzleiden, Diabetes und chronische Atemwegserkrankungen – gingen deutlich zurück, zuletzt um zwei Prozent pro Jahr. Doch trotz dieser positiven Entwicklung zeigt sich die WHO besorgt, denn ein ungesunder Lebensstil bedroht die Gesundheit von immer mehr Menschen in Europa.

Im Jahr 2016 waren 23,3 Prozent der Menschen in der Region fettleibig, das war ein Anstieg um 2,5 Prozentpunkte in sechs Jahren. Die Zahl der Übergewichtigen stieg um 2,8 Prozentpunkte auf 58,7 Prozent. Besonders gravierend ist das Problem der Fettleibigkeit offenbar in der Türkei: Dort sind fast 40 Prozent der Frauen betroffen. In Malta und Großbritannien sind fast 30 Prozent der Menschen fettleibig. In Deutschland sorgen sich die WHO-Experten um die Zunahme der Adipositas bei Kindern.

Alkohol und Tabak sind laut dem WHO-Bericht weitere große Gesundheitsrisiken in Europa. Zwar ist die Zahl der täglichen Raucher ebenso gesunken wie der durchschnittliche Alkoholkonsum. Aber Europa bleibe aber im weltweiten Vergleich die Region mit dem höchsten Alkohol- und Tabakkonsum. Laut Stein trinken Männer und Frauen über 15 Jahre in der europäischen Region durchschnittlich 8,6 Liter reinen Alkohol pro Jahr. „In Deutschland sind es aber elf Liter“, betonte sie. Spitzenreiter Litauen komme sogar auf 15,2 Liter. In Russland habe der Alkoholkonsum dagegen abgenommen (10,1 Liter). Die Türkei verzeichnet mit 1,1 Litern Alkohol pro Person den niedrigsten Wert.

Laut dem WHO-Bericht verbessern sich die Impfraten für Kinder in ganz Europa. Auch in Deutschland haben sich laut Stein die Impfraten deutlich verbessert. „Sie liegen bei Masern inzwischen bei 97 Prozent“, sagte die WHO-Abteilungsleiterin für Information, Evidenz, Forschung und Innovation. Schlusslicht sei die vom Krieg gebeutelte Ukraine mit 42 Prozent.Die WHO zollt dem politischen Bemühen in der europäischen Region Anerkennung: „Die meisten europäischen Länder zeigen echtes Engagement für die Verbesserung der Gesundheit ihrer Bevölkerung, indem sie Ziele setzen, Strategien entwickeln und Fortschritte messen“, teilte sie mit. © afp/dpa/hil/aerzteblatt.de

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Avatar #79783
Practicus
am Dienstag, 2. Oktober 2018, 22:55

Mag ja sein...

aber mal als Ketzer: die steigende Lebenserwartung bzw das längere Leben kranker Menschen sprengt unsere sozialen Sicherungssysteme. Es verlängert sich also nicht die produktive Lebenszeit, sondern die Zeit des Hilfe- Behandlungs- und Pflegebedarfs!
Ob das Ziel einer verantortungsvollen Politik sein daf, könnte infrage gestellt werden...
Avatar #731292
cis2000
am Dienstag, 2. Oktober 2018, 00:44

Übergewicht, Alkohol und Tabak bedrohen die steigende Lebenserwartung in Europa

Zitat: „Die meisten europäischen Länder zeigen echtes Engagement für die Verbesserung der Gesundheit ihrer Bevölkerung, indem sie Ziele setzen, Strategien entwickeln und Fortschritte messen“ Ist es das was wir alle wollen?
LNS

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