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Endokrinologie: Hormonwoche soll Bekanntheitsgrad steigern

Dienstag, 11. September 2018

/Monkey Business, stock.adobe.com

Berlin – Mit der 3. Deutschen Hormonwoche möchte die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) die Bevölkerung über Erkrankungen des Hormonstoffwechsels informieren. Vom 15. bis 22. September öffnen dazu endokrinologische Abteilungen, Kliniken und Praxen ihre Türen; für Ärztinnen und Ärzte finden Tagungen statt.

„Der Informations- und Beratungsbedarf ist hoch“, sagte Sven Diederich, Vizepräsident der DGE, heute vor der Presse in Berlin. Auch die Kampagne „Hormongesteuert?!“ der DGE wolle diesen Informationsbedarf befriedigen. Ziel der Hormonwoche sei es zudem zu zeigen, dass bei bestimmten Erkrankungen im Hormon- und Stoffwechselbereich Patienten beim Endokrinologen am besten aufgehoben seien.

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Ein Thema der diesjährigen Hormonwoche ist die Hashimoto-Thyreoiditis. Etwa sieben Prozent aller Frauen erkranken nach der Entbindung an dieser autoimmun bedingten Funktionsstörung der Schilddrüse. „Oft dauert es lange, bis die Diagnose gestellt wird“, bedauerte Joachim Feldkamp, Chefarzt der Klinik für Allgemeine Innere Medizin, Endokrinologie, Diabetologie und Infektiologie am Klinikum Bielefeld. Symptome, wie anhaltende Erschöpfung, Reizbarkeit oder Schlaflosigkeit, würden häufig mit der neuen Belastungssituation in Verbindung gebracht und als „Baby-Blues“ fehlinterpretiert.

Warum sich eine nachgeburtliche Hashimoto-Thyreoiditis entwickele, sei bisher nicht vollständig geklärt, so Feldkamp. „Besonders gefährdet jedoch sind Frauen, bei denen schon vor oder während der Schwangerschaft erhöhte Schilddrüsen-Antikörper festgestellt wurden, erläuterte er. Ein erhöhtes Risiko hätten auch junge Mütter mit Schilddrüsenerkrankungen in der Familie, so der Endokrinologe, der Mitglied im Beirat der Akademie für Fort- und Weiterbildung der DGE ist. Klären, ob eine Schilddrüsenentzündung vorliegt, könne ein Bluttest.

Junge Mütter mit Symptomen einer Wochenbettdepression sollten grundsätzlich hinsichtlich einer Störung ihrer Schilddrüsenfunktion untersucht werden, meinen die Experten. Leider werde die Störanfälligkeit der Schilddrüse in der Schwangerschaft oft unterschätzt. „Eine Schwangerschaft stellt höchste Anforderungen an die Schilddrüse, sowohl was den Jodstoffwechsel als auch die Hormonproduktion betrifft“, sagte Feldkamp. Abweichungen könnten sich gravierend auf die Gesundheit von Mutter und Kind auswirken.

Ein weiteres Schwerpunktthema der Hormonwoche ist das Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen. Auch wenn Gene zu etwa 50 Prozent für Körpergewicht und Fettmasse bei Heranwachsenden verantwortlich sind, erklärt dies nach Ansicht der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie nicht allein die große Anzahl Betroffener in dieser Altersgruppe. „Übergewicht kann auf krankhaften Störungen von Stoffwechsel, Hormonen oder der Psyche beruhen“, betonte Susanna Wiegand, Bereichsleiterin Adipositas am Sozialpädiatrischen Zentrum für chronisch kranke Kinder an der Charité – Universitätsmedizin Berlin.

In den meisten Fällen liege die Ursache in einer positiven Energiebilanz. „Dem Körper wird mehr Energie zugeführt, als er durch Stoffwechsel und Bewegung verbraucht“, so Wiegand. Bereits eine geringfügige regelmäßige positive Energiebilanz von täglich etwa 50 kcal pro Tag führe im Grundschulalter zu Übergewicht. Das Überschreiten des Energiebedarfs sei gerade im Sommer durch zuckerhaltige Durstlöscher schnell erreicht. Wiegand empfiehlt deshalb neben mehr Bewegung im Alltag die Bereitstellung von kostenlosen Wasserspendern in Kindergärten und Schulen.

Auf eine ständige Überforderung und Überreizung durch Dauerstress in der Schule, im Beruf oder in der Freizeit wies Jörg Bojunga, ebenfalls Vizepräsident der DGE, hin. Es drohe eine Entgleisung des natürlichen Hormongleichgewichts – mit negativen Auswirkungen auf den gesamten Organismus. Neben Schlafstörungen und Beeinträchtigungen des Denkvermögens gehörten auch Depressionen, Bluthochdruck oder Krebs zu den möglichen Folgen.

Zwar sei Stress eine natürliche Reaktion des Körpers zur Bewältigung von Belastungssituationen, bei der Adrenalin, Noradrenalin und Cortisol freigesetzt werde. Chronischer, langanhaltender Stress ohne ausreichende Entspannung führe hingegen zu einer Überlastung des Organismus, erklärte Bojunga. Gleichzeitig störten die hohen Stresshormonspiegel die Regelkreise anderer Hormonsysteme im Körper. So habe die chronische Aktivierung der Stressachse eine hemmende Wirkung auf die Produktion der Geschlechtshormone Östrogen und Testosteron.

Durch die Verbindungen der Stresshormonachse mit Regelkreisen des Immunsystems schwäche zu viel Cortisol zudem das Immunsystem. Der Endokrinologe empfahl, Techniken zur Stressprävention und -bewältigung zu erlernen. Zudem könne körperliche Aktivität ganz nebenbei Stresshormone abbauen. Auch Hobbys stellten das natürlich Gleichgewicht wieder her. © ER/aerzteblatt.de

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