NewsMedizinAzathioprin erzeugt eigene Signatur im Hautkrebsgenom
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Azathioprin erzeugt eigene Signatur im Hautkrebsgenom

Dienstag, 11. September 2018

/Thomas, stock.adobe.com

Dundee – Das Immunsuppressivum Azathioprin, das zur Prophylaxe von Transplantatabstoßungen sowie zur Behandlung einiger Autoimmunerkrankungen eingesetzt wird, verursacht in Keratinozyten ein bestimmtes Muster von Mutationen, das für das erhöhte Risiko von Spinaliomen der Patienten verantwortlich ist. Dies ergab die bisher größte Erbgutanalyse zu dem häufigsten malignen Hauttumor, die jetzt in Nature Communications (2018; 9: 3667) veröffentlicht wurde.

Krebs ist die Folge von Mutationen. Nicht jede Mutation führt jedoch zum Krebswachstum. Die Genomanalysen an zahlreichen Tumoren haben in den vergangenen Jahren gezeigt, dass in den Krebszellen immer wieder dieselben Muster von Mutationen auftreten, sogenannte „mutational signatures“. Bisher wurden etwa 30 verschiedene Signaturen beschrieben.

Anzeige

Einige Signaturen sind weit verbreitet. Die Signatur 1 kann bei den meisten Krebsarten nachgewiesen werden. Andere Signaturen sind auf einzelne Krebstypen beschränkt. So wurde die Signatur 9 fast nur bei Lymphomen gefunden.

Ein Team um Irene Leigh von der Universität Dundee fand jetzt heraus, dass das Immunsuppressivum Azathioprin seine eigene Signatur (Nummer 32) im Genom hinterlässt. Die Forscher machten die Entdeckung bei der Exomanalyse von 40 Plattenepithelkarzinomen der Haut (Spinaliome). Das Exom ist der Anteil des Erbguts, der Proteine kodiert. Die Hälfte der Tumoren waren bei Patienten aufgetreten, die mit Immunsuppressiva behandelt wurden.

Es ist seit längerem bekannt, dass Immunsuppressiva das Hautkrebsrisiko erhöhen. Empfänger von Organtransplantaten haben ein mehr als hundertfach erhöhtes Risiko. Das Risiko wird im Allgemeinen mit der Hemmung der Immunabwehr in Verbindung gebracht, die bei den Patienten nicht mehr in der Lage ist, die durch das UV-Licht in den Hautzellen entstehenden Krebsnester zu beseitigen.

Bei Azathioprin scheint eine besondere Situation vorzuliegen. Die Patienten haben nicht nur ein erhöhtes Hautkrebsrisiko. Sie reagieren insgesamt sehr empfindlich auf UV-Licht. Wenn sie ihre Haut nicht durch Kleidung oder Sonnencreme schützen, kommt es rasch zu Sonnenbränden oder Hautausschlägen.

Die Ursache für die erhöhte Photosensitivität wird mit dem Wirkungsmechanismus von Azathioprin in Verbindung gebracht. Der Metabolit 6-Mercaptopurin ersetzt teilweise die Base Guanin in der DNA. Dadurch entsteht ein Chromophor, der UV-A-Licht absorbiert und dadurch die Schädigung der DNA einleitet. Es kommt dann zu speziellen Mutationen, die bei der Analyse des Exoms eine bestimmte Signatur auslösen.

Die Signatur 32 könnte erklären, warum Azathioprin die Licht-Empfindlichkeit der Haut stärker erhöht als andere Immunsuppressiva. Die Wirkung kann übrigens nach dem Wechsel auf ein anderes Mittel noch über viele Jahre anhalten, da 6-Mercaptopurin fest in die DNA eingebaut wird.

© rme/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

10. Dezember 2018
Oxford – Eine Analyse der UK Biobank ergab, dass 14 Genvarianten die körperliche Aktivität und Schlafdauer beeinflussen. Die in Nature Communications (2018; doi: 10.1038/s41467-018-07743-4)
Gene beeinflussen körperliche Aktivität und Schlafdauer
10. Dezember 2018
Frankfurt am Main – Bei der Debatte über mutmaßliche Genmanipulationen an Babys in China wünscht sich die deutsche Medizin-Nobelpreisträgerin Christiane Nüsslein-Volhard mehr Sachlichkeit. In einem
Medizin-Nobelpreisträgerin für sachliche Debatte über Genschere
7. Dezember 2018
Chicago – US-Forscher haben ein miniaturisiertes Messgerät für UV-Licht entwickelt, das an der Kleidung, aber auch am Finger oder als Ohrring getragen werden kann und ohne eine Batterie die
Hautkrebs: Tragbarer Hautsensor gibt UV-Alarm über Smartphone
29. November 2018
Peking – Nach der mutmaßlichen Genmanipulation an Babys in China dürfen die beteiligten Wissenschaftler ihre Arbeit vorerst nicht fortsetzen. Das Wissenschaftsministerium sei strikt gegen die
Genmanipulation: Forscher in China müssen Arbeit beenden
28. November 2018
Hongkong – Trotz scharfer weltweiter Empörung hat der chinesische Forscher He Jiankui seine Arbeit verteidigt, die zur Geburt der weltweit ersten genetisch veränderten Babys geführt haben soll. Zudem
Zweite Schwangerschaft mit genmanipulierten Babys verkündet
27. November 2018
Boston – Eine internationale Forschergruppe hat erstmals genetische Varianten identifiziert, die das Risiko auf die Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) erhöhen. Die gleichen
Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung hat genetische Verwandte
27. November 2018
New Haven/Connecticut – Eine Genvariante, die den Abbau von Ethanol zu Acetaldehyd beschleunigt, kann Menschen europäischer Herkunft die Freude am Alkoholkonsum vergällen. Dies kam einer genomweiten
LNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

Anzeige
NEWSLETTER