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Medizin

Wettlauf um Rheumapatienten nach Patentablauf von Adalimumab

Mittwoch, 12. September 2018

Verpackung und Fertigpen Adalimumab (Humira) /dpa
Den biopharmazeutisch hergestellten TNF-alpha-Blocker Adalimumab (Humira) injizieren sich Patienten selbst mithilfe eines Fertigpens. /dpa

Berlin – Am 16. Oktober verliert das weltweit umsatzstärkste Medikament Adalimumab (Humira) des Pharamkonzerns AbbVie in Europa seinen Patentschutz. Allein in Deutschland wurde mit Adalimumab, das vor allem bei rheumatischen Erkrankungen zum Einsatz kommt, pro Jahr fast eine Milliarde Umsatz erzielt. Mehrere Firmen stehen bereits in den Startlöchern, um ihre Biosimilars gleichzeitig auf den Markt zu bringen. Die Barmer erhofft sich Kostenersparnisse von etwa 20 %, bis 2020 wären sogar 50 % denkbar.

Indikationen und Zulassung

Adalimumab (Humira) kann unter anderem bei Rheumatoide Arthritis (RA), Psoriasis, Uveitis, und Morbus Crohn verordnet werden.

Humira steht für human monoclonal
antibody in rheumatoid arthritis“

Seit seiner Erstzulassung 2002 in den USA und 2003 in Europa haben mehr als 400.000 Patienten den humanen monoklonalen Antikörper (mAK) gegen den Tumornekrosefaktor-α (TNF-α) erhalten. Schon im Jahr 2010 war Adalimumab in 38 Ländern zugelassen. 

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Die Situation beschrieb der Vorsitzende der AG Pro Biosimilars Stephan Eder gestern in Berlin als „einzigartig“: Erstmals würde es eine Vielzahl von konkurrierenden Anbietern geben. „Diese Biosimilars für Adalimumab werden kein Selbstläufer sein. Abbvie wird sein Produkt mit Zähnen und Klauen verteidigen“, prophezeite Eder, der zudem Head of Sandoz Germany and Hexal ist. Rabattverträge hat Abbvie bereits mit diversen Krankenkassen abgeschlossen, um sich vor der Konkurrenz zu schützen.

Auch Sandoz wird Biosimilars ins Rennen schicken, unter drei Markennamen: Halimatoz, Hefiya and Hyrimoz. Weitere Nachahmerprodukte des Biopharmazeutikums kommen von Amgen (Amgevita), Boehringer Ingelheim (Cyltezo), Samsung/Bioepis (Imraldi), Fresenius Kabi (MSB 11022) und Mylan (Hulio).

Der Preis entscheidet

In Deutschland würde laut Zeitungsberichten mit einer Marktdurchdringung der neuen Biosimilars für Adalimumab von 80 Prozent bis 2023 gerechnet, sagte Erin Federman, Head of Biologics der Pharmafimra Mylan gestern in Berlin bei einer Veranstaltung von Pro Biosimilars. Eder kann sich auch vorstellen, dieses Ziel bei guten Rahmenbe­dingungen bereits bis 2020 zu erreichen. Noch liegt der Verordnungsanteil der stärksten Biosimilars, etwa von Etanercept-Biosimilars bei 46,3 Prozent und der von Infliximab bei 56,7 Prozent im regionalen Durchschnitt – wobei einzelne Bundesländer bereits um die 80 Prozent erreichen (Marktdaten Mai 2018).

Am Ende wird die Preisgestaltung entscheidend sein, wenn man davon ausgeht, dass alle Biosimilars mit dem Originalprodukt gleich auf sind", sagte Jürgen Braun, Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) vom Rheumazentrum Ruhrgebiet in Herne. Er selbst will die Angebots- und Preisinformation seiner Apotheke nach dem 16. Oktober abwarten.

Humira ist vergleichbar mit Coca Cola in seiner Branche. Die Schlacht gewinnt man nicht über Nacht. Detlef Böhler, Barmer

Etwas weniger gelassen blickt Detlef Böhler von der Barmer dem Datum entgegen: „Humira ist vergleichbar mit Coca Cola in seiner Branche. Die Schlacht gewinnt man nicht über Nacht.“ An die Biosimilarhersteller appelliert er, einen harten aber attraktiven Einstiegspreis zu wählen.

Die ersten sechs Monate werden entscheidend sein, nachträgliche Preissenkungen seien sinnlos, wenn der Arzt sich bereits für ein anderes Biosimilar entschieden habe, erklärte Böhler, der bei der Barmer für die Strategieeinheit Arzneimittel tätig ist. „Um das Jahr 2020 könnten wir bei der Hälfte des Originalpreises angekommen sein", schätzt Böhler mit Verweis auf den Wettbewerb und Selektivverträge.

Aufgeklärte Patienten auf Biosimilars umstellen

Beim Umstellen der Patienten mit rheumatischen Erkrankungen vom Originalpräparat auf ein Biosimilar sieht der Rheumatologe Braun kein großes Problem  mit einigen Ausnahmen, wie etwa Patienten mit Angsterkrankungen, bei denen der Wechsel eine Krise auslösen könnte.

Auch in ihrer Stellungnahme zu Biosimilars betont die DGRh, dass die aktuell verfügbare Evidenz zeige, dass ein Wechsel zum Biosimilar sicher und wirksam sei. Hierbei sei aber auch die Patientenperspektive zu berücksichtigen. „Wenn der Arzt überzeugend darlegt, dass es keinen Unterschied gibt, verstehen die Patienten das“, berichtet Braun aus eigener Erfahrung.

Von den günstigeren Biosimilars erhofft er sich zudem einen Impuls für die Frühbehandlung“ seiner Patienten. Studien zeigen, dass Patienten, die schon früh im Krankheitsverlauf mit Biologika behandelt werden, die Medikamente später absetzen können. Von einer gängigen Praxis ist diese Strategie weit entfernt." In Deutschland erhalten bisher nur 20 % Biologika, während es in den USA bereits 40 % sind.

© gie/aerzteblatt.de

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