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Medizin

Späte Nachwehen eines unbehandelten Gestationsdiabetes treffen Mutter und Kind

Mittwoch, 12. September 2018

/gamelover, stockadobecom

Chicago – Ein unbehandelter Gestationsdiabetes gefährdet die Gesundheit von Mutter und Kind nicht nur während der Schwangerschaft. Eine Langzeituntersuchung im US-amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2018; 320: 1005-1016) zeigt, dass die Mütter in den Folgejahren häufiger an Prädiabetes und Diabetes erkranken und die Kinder zu Übergewicht und Adipositas neigen.

Die „Hyperglycemia and Adverse Pregnancy Outcome“ (HAPO)-Studie hat gezeigt, dass ein erhöhter Blutzucker die Risiken für Mutter und Kind bereits ab einer Konzentration erhöht, die unterhalb dem damaligen Schwellenwert zur Diagnose eines Gestations­diabetes lag. An der Studie nahmen vor 10 Jahren aus 15 Zentren in 9 Ländern mehr als 23.000 Frauen teil. Die Diagnose wurde damals nach den Kriterien von Carpenter/Coustan gestellt. Heute gelten die engeren Kriterien der International Association of the Diabetes and Pregnancy Study Groups (IADPSG).

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Ein Team um Boyd Metzger von der Feinberg School of Medicine in Chicago konnte jetzt an den verschiedenen Zentren insgesamt 4.697 Mütter und 4.832 Kinder nachuntersuchen, die inzwischen im Durchschnitt 11,4 Jahre alt sind. Dabei fiel auf, dass viele Kinder übergewichtig oder adipös sind und ihre Mütter häufig an Prädiabetes und Diabetes Typ 2 erkrankt sind. Dieses Risiko ließ sich vielfach auf den Schwangerschaftsdiabetes zurückführen.

Von den 155 Frauen, bei denen nach den alten Kriterien von Carpenter/Coustan ein Gestationsdiabetes diagnostiziert wurde, erkrankten 48,4 % im folgenden Jahrzehnt an einem Prädiabetes und weitere 20,0 % an einem Typ 2-Diabetes. Insgesamt hatten demnach 68,4 % eine Störung des Glukosestoffwechsels.

Von den 508 Frauen, die die neuen IADPSG-Kriterien des Gestationsdiabetes erfüllten, erkrankten 39,4 % an einem Prädiabetes und weitere 7,9 % an einem Typ 2-Diabetes, was eine Gesamthäufigkeit von Stoffwechselstörungen von 47,2 % ergibt. Unter den 3.945 Frauen ohne Gestationsdiabetes erkrankten 18,5 % an einem Prädiabetes und 1,6 % an einen Typ 2-Diabetes (insgesamt 20,0 %).

Die Zahlen zeigen auf den ersten Blick, dass ein (in der HUGO-Studie) unbehandelter Gestationsdiabetes langfristig das Prä-/Diabetes-Risiko deutlich erhöht. Metzger ermittelt eine Odds Ratio von 4,33, die nach der Berücksichtigung einiger Begleitfaktoren auf 3,44 sank, mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 2,85 bis 4,14 jedoch weiter hochsignifikant war. Die Risikodifferenz von 25,7 % bedeutet, dass die Vermeidung eines Gestationsdiabetes ein erhebliches Potenzial zur Senkung der Erkrankungen am Typ 2-Diabetes hat.

Gestationsdiabetes wirkt sich auf das Gewicht der Kinder aus

Bei den Kindern hatte der Schwangerschaftsdiabetes der Mutter häufig Gewichts­probleme zur Folge: Wenn die Mutter an einem Gestationsdiabetes erkrankt war, waren nach den alten Kriterien von Carpenter/Coustan 48,4 % der Kinder übergewichtig oder adipös. Nach den neuen Kriterien waren es 36,8 % gegenüber einem Anteil von 28,6 % bei den Kindern, deren Mütter nicht an einem Gestationsdiabetes erkrankt waren.

Auch bei den Kindern war die Odds Ratio (1,51; 1,27-1,89) zunächst signifikant. Nach der Berücksichtigung anderer Faktoren sank die Odds Ratio jedoch auf nicht signifikante 1,21 (1,00-1,46), womit der Zusammenhang nicht zweifelsfrei bewiesen wäre. In allen sekundären Endpunkten wie Adipositas (Odds Ratio 1,58; 1,24-2,01), Körperfett (Odds Ratio 1,35; 1,08-1,68), Hüftumfang (Odds Ratio 1,34; 1,08-1,67) und Hautfalten (Odds Ratio 1,57; 1,27-1,95) waren die Ergebnisse jedoch eindeutig, so dass man insgesamt davon ausgehen kann, dass ein Gestationsdiabetes der Mutter für das Kind mit einem erhöhten Risiko auf Übergewicht oder Adipositas verbunden ist.

Eine Gruppe von Frauen, bei denen der Gestationsdiabetes behandelt wurde, gab es in der HAPO-Studie nicht. Die Studie kann deshalb nicht beweisen, dass die Kontrolle des Blutzuckers während der Schwangerschaft die Spätfolgen vermeiden kann, wovon aber die meisten Diabetologen überzeugt sein dürften.

© rme/aerzteblatt.de

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