NewsVermischtesBayer muss bei Iberogast auf mögliche Leberschädigungen hinweisen
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Vermischtes

Bayer muss bei Iberogast auf mögliche Leberschädigungen hinweisen

Mittwoch, 12. September 2018

/dpa

Bonn – Der Pharmakonzern Bayer muss auf dem Beipackzettel für sein rezeptfreies Magenmittel Iberogast künftig auch vor sehr seltenen, aber schwerwiegenden Leberschäden warnen. Das Unternehmen habe zugesichert, die angeordneten Änderungen innerhalb von vier Wochen umzusetzen, teilte das zuständige Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) mit. Verursacht werden die Schäden von dem in Iberogast enthaltenen Schöllkraut.

Hintergrund der Entscheidung seien neue Meldungen von Leberschädigungen im Zusammenhang mit der Anwendung der Arznei, hieß es von der Behörde. Darunter befinde sich ein im Juli 2018 bekanntgewordener zweiter Fall von Leberversagen mit Lebertransplantation, der letztlich tödlich endete.

Anzeige

Der nun angekündigten Umsetzung war ein zehnjähriger Disput vorausgegangen. Schon 2008 hatten dem BfArM rund 50 Fallberichte aus Deutschland vorgelegen, bei denen ein Zusammenhang zwischen Leberschäden und Schöllkraut in konsumierten Präparaten vermutet wurde. Die Behörde forderte in der Folge Hersteller von Produkten mit mindestens 2,5 Mikrogramm Schöllkraut pro Tagesdosis auf, ihre Beipackzettel um entsprechende Hinweise zu ergänzen.

Der Iberogast-Hersteller, zu jener Zeit noch Steigerwald, legte jedoch Widerspruch ein. Inzwischen ist Bayer der Produzent des Mittels – auch dieses Unternehmen hatte eine Ergänzung des Beipackzettels lange verweigert. „Wir stehen unverändert zu dem positiven Nutzen-Risiko-Verhältnis von Iberogast in den zugelassenen Indikationen“, hieß es in einer aktuellen Stellungnahme von Bayer.

Kritik an Bayer kommt heute von den Grünen. Nach Ansicht von Kordula Schulz-Asche, Sprecherin für Pflege- und Altenpolitik, werfen die Vorgänge „ein verheerend schlechtes Bild“ auf Bayer. Das Unternehmen habe erst nach einem Todesfall eingelenkt. Zudem sei Iberogast wegen seiner angeblich guten Verträglichkeit massiv beworben worden, obwohl das BfArM bereits seit 2008 vor der Einnahme durch zum Beispiel Schwangere oder an der Leber Vorerkrankten gänzlich abgeraten habe, sagte sie.

Sie bemängelte aber auch, dass das BfArM seit dem Erlass eines Bescheides zur Aufnahme der Warnhinweise 2008 ihre eigenen Anordnungen gegenüber Bayer nicht durchsetzen wollte oder konnte. Das BfArM stehe „im schlechten Licht da“, sagte sie. Schulz-Asche betonte, man habe einen Gesetzentwurf in den Bundestag eingebracht, der Hersteller zwingen soll, Bescheide des BfArM, wie im Falle von Iberogast, unverzüglich umzusetzen.

© dpa/may/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #79783
Practicus
am Donnerstag, 27. September 2018, 23:28

Warum denn nicht?

ich komme aus einer Zeit, als Laienwerbung für Arzneimittel noch grundsätzlich verboten war - wie das für verschreibungspflichtige Medikamente noch heute ist.
Ich sehe das größere Problem in der versteckten Werbung... vermeintlich redaktionelle Beiträge in Publikumszeitschriften, die von der Industrie vorgefertigt werden, und pseudowissenschaftliche Artikel zu Nahrungsmittelergänzungsstoffen
Noch perfider ist die als "Förderung" getarnte Werbung in Selbsthilfegruppen.
Andererseits ist die Trennlinie zwischen "Nahrungsergänzungsmitteln" und "OTC-Medikamenten" so verschwommen, dass Werbeverbote juristisch angreifbar wären.
Dazu kommt noch "Dr Google" - das WWW überschüttet den hilflosen Verbraucher mit Megatonnen medizinischen Informationsmülls
Tun Sie also das, was in jedem erbespot empfohlen wird: "Fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker"
Avatar #752844
stefang337
am Donnerstag, 27. September 2018, 20:47

Frage an Practicus

Sg Practicus,
Da Sie von 'Patienten' sprechen, nehme ich an Sie sind Arzt. Was halten Sie von Bewerbung von Medikamenten? Also von medial geförderter Selbstmedikation? Von persuasiven Strategien Menschen zum Kauf von Medikamenten zu bewegen, um Verkaufszahlen zu erhöhen?
Ich glaube zu verstehen, warum Sie dies nicht kommentieten möchten. Oder sonst ein Arzt oder jemand: die Pharmariesen. Ich suche ja nur nach Erklärungen für die peinlichen Werbungen im TV.
Mfg
Avatar #752844
stefang337
am Donnerstag, 27. September 2018, 19:33

Wie kam es zum Titel "Petzen"?

Gute Frage. Den Kommentar habe ich verfasst, diesen aber nicht mit dem Titel "Petzen" versehen... Ich sehe und sah mich auch niemandem gegenüber als 'Petze'. Wie dieser Titel entstand, kann ich nicht sagen. Eigenartig finde ich das allemal.
Avatar #752844
stefang337
am Montag, 24. September 2018, 01:45

"Petzen"????

Die Betitelung "Petzen" verstehe ich nicht.
Primäre Frage: im Vergleich mit den USA muss sich Europa mit den FDA-Rulings abfinden. Uhhlaalllaa: Gesetzeslage! Tun Sie sich einen Gefallen und finden Sie die Gesetzeslage in Ordnung.

"Petzen"*



* Ausschließlich aus diesem Grund ("Petzen") gab es dieses Statement.

Avatar #79783
Practicus
am Samstag, 22. September 2018, 20:50

Bei Prof. Hentschel

früher mal Nestor der deutschen Naturheilkunde, konnte man lernen, dass das wirksame Prinzip der "Digestiva" der bittere Geschmack ist - unabhängig von den Inhaltsstoffen!
Ich empfehle meinen Patienten mit Dyspepsie oder funktionellen Abdominalbeschwerden einen bekannten Magenbitter, der gut über den Berg hilft - allerdings 20 Tropfen auf ein Schnapsglas Wasser... mit allerbesten Erfolgen. Und einer Einsparung von 97% bei 100ml
Avatar #752844
stefang337
am Freitag, 21. September 2018, 18:09

Iberogast als Werbestar in den Medien - neben Bepanthen, Dulcolax & Co

Haben Sie - Ärzte, Pharmafirmen, -vertreter und Apotheker keine Probleme damit, dass Iberogast im TV beworben wird? Das verursacht niemandem Bauchschmerzen? Es fällt mir schwer, das zu glauben. Ich würde Sie im Kollektiv ersuchen, diese Werbungen zu unterlassen bzw. sich für deren Verbot einzusetzen. Es ist unethisch - Punkt. Missbrauch. Nachdem Alkohol und Nikotin aus dem Werbeprogramm per Gesetz entfernt wurden, werden Medikamente noch beworben. Neben dem möglichen Abusus ist es nicht vertretbar, medizinische Wirkstoffe in Produktform zu bewerben. Eltern, deren Kind sich einen Kratzer eingefangen haben, laufen in die Apo um das perfekte Rezept dagegen zu besorgen und zu bezahlen, Bepanthen. Nivea und Bepanthen unterscheiden sich wesentlich (sehen wir über den Teich: "FDA"). Ein Produkt, das ausschließlich in Apotheken verkauft werden darf, müsste automatisch aus dem öffentlichen Werbezirkus ausgeschlossen werden (die Werbung wird dann den Pharmavertretern überlassen, so sollte es sein). Ich bitte Sie alle, die Gesetzealage ganz genau zu überprüfen und das eigene ethische Verständnis und das eigene Geewissen dazu zu befragen.
Danke für Ihre Geduld umd bitte denken Sie darüber nach.
Mit freundlichen Grüßen
LNS

Nachrichten zum Thema

25. Februar 2020
Frankfurt am Main – Der Umsatz im deutschen Pharmamarkt ist im vergangenen Jahr um knapp sieben Prozent auf 46,4 Milliarden Euro gestiegen. Das berichtet der Statistikdienstleister IQViA. Die
Pharmamarkt verbuchte Plus von sieben Prozent
20. Februar 2020
Bad Homburg – Trotz Sorgen wegen des Coronavirus in China erwartet der Medizinkonzern Fresenius wieder mehr Gewinn. Nach einem schwierigen Jahr etwa im deutschen Klinik-Geschäft will Fresenius seine
Fresenius erwartet steigenden Gewinn
19. Februar 2020
Darmstadt – Der Darmstädter Pharma- und Chemiekonzern Merck verkauft sein Allergiegeschäft Allergopharma. Der Anbieter von Immuntherapien gegen Heuschnupfen und allergisches Asthma geht an die
Merck verkauft Allergiegeschäft an Dermapharm
18. Februar 2020
Göttingen – Der Sartorius-Konzern setzt weiter auf deutliches Wachstum. Der Göttinger Pharma- und Laborausrüster wolle seinen Umsatz bis zum Jahr 2025 auf rund vier Milliarden Euro steigern, sagte
Sartorius will Umsatz bis 2025 mehr als verdoppeln
10. Februar 2020
Berlin – Das Vorgehen von Avexis (Novartis) im Rahmen eines globalen Härtefallprogramms die Zolgensma-Behandlung von Patienten mit 5q-Spinaler Muskelatrophie (SMA) auszulosen, stößt weiter auf Kritik.
Zolgensma-Härtefallprogramm: Begrenzung auf dringliche Fälle vorgeschlagen
4. Februar 2020
Berlin – Eine Leberzirrhose bei einem Patienten kann bekanntlich den Stoffwechsel und die Dosis-Wirkungsbeziehung von Arzneimitteln verändern und das Risiko von Nebenwirkungen erhöhen. Eine
Leberzirrhose: Empfehlungen zur sicheren Anwendung von Arzneimitteln
4. Februar 2020
Berlin – Die Apotheken in Deutschland haben mehr Qualitätsmängel und Nebenwirkungen von Arzneimitteln als je zuvor an die Arznei­mittel­kommission der Deutschen Apotheker (AMK) gemeldet. Diese erhielt
LNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER