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Eingeimpft: Ärzte und Wissenschaftler kritisieren fehlende Einordnung von Fakten

Mittwoch, 12. September 2018

Elterngespräche auf dem Spielplatz (rechts: David Sieveking) /2017 Flare Film Adrian

Berlin – Der Dokumentarfilm „Eingeimpft“ hat in Deutschland eine kontroverse Debatte über das Impfen angestoßen. Erhebliche Kritik an dem Film, der morgen in den Kinos anläuft, kam heute von Ärzten und Wissenschaftlern. Hauptkritikpunkt: Der Film mischt Meinungen und teilweise Fehlinformationen, ohne diese einzuordnen und richtigzustellen.

Aus Sicht der Kinder- und Jugendärzte verpasst die Dokumentation „die große Chance, dem Publikum durch ausgewogene, wissenschaftlich gesicherte Informationen die Bedeutung des Impfens zu erklären“, wie der Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte, Thomas Fischbach, betonte. Er bemängelte vor allem, dass sich der Film der wissenschaftlichen Erkenntnisse nur anekdotisch bedient. „Er stellt widersprüchliche Szenen und Meinungen – teilweise auch Fehlinformationen und wissenschaftlich widerlegte Hypothesen – nebeneinander, ohne diese einzuordnen“, so Fischbach. Die Zuschauer blieben am Ende eher ratlos zurück.

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„Die 90 Minuten hätten einen wichtigen Beitrag dazu leisten können, die Zuschauer ausgewogen über Impfungen zu informieren und Argumente für und gegen das Impfen objektiv zu beleuchten“, betonte auch Lothar H. Wieler, Präsident des Robert-Koch-Instituts (RKI). Stattdessen würden impfkritische Meinungen überwiegend un­kommentiert wissenschaftlichen, evidenzbasierten Erkenntnissen gegenübergestellt. Aussagen würden weder gewichtet noch eingeordnet, einige Aspekte zumindest ungenau dargestellt.

„Die Risiken des Impfens treten so überproportional in den Vordergrund. Am Ende lässt der Film die Zuschauer eher ratlos zurück. Es steht zu befürchten, dass der Film dazu beitragen wird, impfkritische Eltern in ihrer Haltung zu bestätigen – und andere Eltern möglicherweise zu verunsichern“, erklärte der RKI-Präsident.

„Der Dokumentarfilm von David Sieveking hat die Chance verpasst, Fakten über Nutzen und Risiken von Impfungen, entlang des persönlichen Entscheidungsprozesses des Autors für und gegen das Impfen, ausgewogen darzustellen. Dies ist umso bedauer­licher, als viele der wissenschaftlichen Informationen dem Autor bekannt waren“, erklärte Klaus Cichutek, Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI). Der Film trage zur Diskussion impfkritischer Einstellungen „bedauerlicherweise keine Fakten bei“. Letztlich verbreite er zahlreiche Fehlinformationen und wiederhole Mythen, die wissenschaftlich längst widerlegt seien.

Um Ausgewogenheit bemüht

Für Jan Leidel, bis März 2017 Vorsitzender der Ständigen Impfkommission (STIKO) beim RKI, hat der Film impfkritische Tendenzen, bemühe sich aber „um Ausgewogenheit, wie Sieveking sie versteht“. Obwohl der Film gut und empathisch gemacht sei und sich der Filmemacher darum bemüht habe, den Konflikt eines Elternpaares über das Für und Wider des Impfens nach Möglichkeit durch Recherche zu lösen, gelinge ihm dies letztendlich nicht wirklich.

„Dies liegt meines Erachtens unter anderem daran, dass er die wissenschaftliche Kompetenz seiner Interviewpartner nicht einzuordnen weiß. Wiederholt reicht ihm der Hinweis auf den ‚promovierten Mediziner’ aus, um die jeweilige Kompetenz zu belegen“, bemängelt Leidel. Dies und zum Beispiel das Interview mit einer sehr angenehmen und zugewandten, hinsichtlich des Impfens aber nicht besonders qualifizierten Hebamme würden dazu führen, dass Aussagen „sehr unterschiedlicher wissenschaftlicher Evidenz und Relevanz praktisch gleichwertig nebeneinanderstehen“.

„Letztlich findet Sieveking zu einer Art halbwegs versöhnlichem Kompromiss, dessen Grundlage – nämlich die unspezifischen Effekte von Impfungen – allerdings derzeit sicher mehr Fragen aufwirft, als evidenzbasierte Antworten zu liefern. Er ermöglicht den Eltern aber immerhin die wichtigsten und längst überfälligen Impfungen der Töchter“, erläuterte Leidel.

Der Filmemacher David Sieveking selbst erklärte zu der Debatte, der Filme solle kein Regelwerk sein. Vielmeher gehe es ausschließlich darum, darauf aufmerksam machen, wie wichtig es sei, sich mit dem Thema zu beschäftigen. „Ich bin keineswegs gegen das Impfen. Ich bin dafür, dass die Impfprogramme verbessert werden und mehr Aufklä­rung betrieben wird“, sagte der Filmemacher und Buchautor. Er bezeichnet sich selbst ausdrücklich als Impfbefürworter.

Er erklärte zugleich, dass im Film die unterschiedlichsten Meinungen aufeinander­stoßen. „Ich möchte damit eine offene Debatte in der Sache auslösen und hätte nicht gedacht, dass ich pauschal und teils auch polemisch als Impfgegner verdammt werde, um jegliche Diskussion zu unterbinden. So wird etwa behauptet, ich würde den Verdacht äußern, Impfungen lösten Autismus aus, was im Film in keiner Weise behauptet wird“, stellte er klar. Im Buch werde sogar darauf hingewiesen, dass dieser Verdacht wissenschaftlich ausgeräumt sei.

Sieveking zufolge würden sich immer mehr Eltern gegen das Impfen entscheiden. „Man wird sie nicht überzeugen können, wenn man jegliche offene und fachliche Diskussion mit Polemik verhindert. Die geballte Reaktion zeigt, dass es richtig und wichtig war, diesen Film zu machen und dieses Buch zu schreiben, denn offenbar besteht großer Redebedarf“, sagte er.

Mit Impfskeptikerin verheiratet

Im Film wird Sieveking, für den Impfen nach eigener Darstellung immer eine Selbst­verständlichkeit war, mit einer Impfskeptikerin, seiner eigenen Frau, konfrontiert. Der 40-Jährige, dessen Doku „Vergiss mein nicht“ über die Alzheimer-Erkrankung seiner Mutter preisgekrönt ist, lebt mit seiner Lebensgefährtin Jessica de Rooij in Kreuzberg. Als die Filmmusikkomponistin schwanger wird, steht plötzlich die Frage der Schutzimpfungen im Raum. Erst für de Rooij und dann für die kleine Tochter.

Doch anders als Sieveking, der sich über das Impfen bisher nie groß Gedanken gemacht hat und Ärzten vertraut, hat de Rooij große Vorbehalte. Diese verstärken sich noch, als sie nach ihrer eigenen Schutzimpfung gegen Tetanus und Diphtherie in der Schwangerschaft erkrankt und Frühwehen hat. Auch wenn aus Sicht der Ärzte ihre Erkrankung nichts mit der Schutzimpfung zu tun hat, ist sie von einem Zusammenhang überzeugt. Auch die Hebamme hält das für denkbar. Als dann Tochter Zaria auf die Welt kommt, wird die Impffrage aktueller und vor allem schwieriger. Anders als bei de Rooij ist die Kleine auf eine gute Entscheidung der Eltern angewiesen.

Sorgen Ernst nehmen

Sieveking sieht die großen Zweifel seiner Lebensgefährtin und nimmt ihre Sorge ernst. Er möchte der Frage nach Sinn und Risiken von Schutzimpfungen und Impfstoffen auf den Grund gehen. Er besucht nahezu jeden, der zu dem Thema etwas zu sagen hat, etwa die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert-Koch-Institut, das Paul-Ehrlich-Institut, die Gavi-Impfkonferenz, die Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) und Vertreter einer Langzeit-Impfstudie in Guinea-Bissau. Er widmet sich auch Anthroposophen, Pharmafirmen und Patienten, die bei sich einen Impfschaden sehen, und spricht mit Eltern, die nicht verstehen können, wie man sein Kind nicht impfen kann.

Dabei legt Sieveking einen Schwerpunkt auf Zusätze in inaktivierten Todimpfstoffen mit Wirkverstärkern. Vor allem zugefügte Aluminiumsalze und deren Nebenwirkungen erregen sein Interesse. Seine Lebensgefährtin sieht diese als das größte Übel der Impfungen an. Auch einige Mediziner sind der Meinung, dass diese Salze mehr Schaden verursachen können, als die Pharmaindustrie zugeben möchte. Eine andere Frage ist, inwiefern vor allem Lebendimpfstoffe auch langfristige unspezifische positive Effekte auf das Immunsystem haben können.

Der Film zeigt, wie unbeschreiblich weit die Spanne der Meinungen und auch Kenntnisstände bei Medizinern, Laien und Hebammen ist. Bei weitem nicht jeder Mediziner ist Impfbefürworter. Und doch zeigt sich gerade bei Masern und einem Ausbruch in Berlin, dass es auf das Individuum als Teil der Gemeinschaft ankommt. Säuglinge bis zum neunten Monat dürfen noch nicht dagegen geimpft werden.

Auf der Welle der anderen schwimmen

So mahnt ein Kinderarzt, dass die kleine Familie „auf der Welle“ der anderen Geimpften schwimme. Denn würden sie im nahen Umfeld wie vor Entdeckung der Impfungen zig Masern-, Mumps- oder Rötelnfälle erleben mit teils schwerwiegenden Folgen bis zum Tod, wäre ihre Haltung vermutlich anders. Auch de Rooij ist sich dieser Verantwortung bewusst, bleibt aber bei der Haltung, dass Nicht-Impfen für ihr eigenes Kind besser sei.

Sieveking macht aus seiner Unsicherheit keinen Hehl. Er sieht die Bedenken seiner Lebensgefährtin, aber die Sorge, damit einen großen, gefährlichen Fehler zu machen, wiegt schwer. Auch die Probleme häufen sich: So zögern die beiden, ihre Tochter wegen der Ansteckungsgefahr in eine Kita zu geben. Als de Rooji zum zweiten Mal schwanger ist, während in Berlin die Masern kursieren, trifft die Familie eine finale Impfentscheidung.

Ärzte betonen Bedeutung des Impfens

RKI, PEI, Kinder- und Jugendärzte und andere Institutionen nutzten den Film heute auch für die Gelegenheit, Fakten klarzustellen. Thomas Fischbach stellte klar, dass Impfungen zu den wichtigsten und wirksamsten Maßnahmen zum Schutz vor schweren Krankheiten wie zum Beispiel Diphtherie, Masern oder Kinderlähmung gehören. Auch würden alle in Deutschland zugelassenen Impfungen durch Experten des Paul-Ehrlich-Instituts und andere Arzneimittelbehörden in der EU eingehend wissenschaftlich untersucht, unabhängig geprüft überwacht – sowohl vor als auch nach der Zulassung. Darüber hinaus schützten flächendeckende Impfungen auch Menschen, die zum Beispiel wegen Abwehrschwäche nicht geimpft werden können. Impfen sei als „nicht nur Privatsache, sondern Gemeinschaftssache und Ausdruck praktizierter Sozialkompetenz“.

„Durch die weitgehend flächendeckende Anwendung von Impfstoffen ist es gelungen, die Pocken komplett von der Erde zu eliminieren, die Ausrottung der Kinderlähmung ist ein bereits fortgeschrittenes nächstes Ziel“, betonte PEI-Chef Klaus Cichutek. In manchen Kreisen verbreitete Theorien und Mythen über die Gefahren des Impfens seien durch objektive Fakten längst widerlegt. Wichtige Informationen über einen Impfstoff finde man beispielsweise in der Packungsbeilage.

RKI-Präsident Lothar Wieler stellte klar, dass Impfungen zu den wichtigsten und wirksamsten Maßnahmen zum Schutz vor schweren Infektionskrankheiten wie zum Beispiel Diphtherie, Masern oder Kinderlähmung gehören. „Seit ihrer Einführung haben Impfungen Millionen von Todesfällen verhindert. Der Nutzen von Impfungen überwiegt eindeutig die Risiken; unerwünschte Nebenwirkungen werden bei modernen Impfstoffen nur selten beobachtet“, sagte er.

Impfungen seien in Deutschland freiwillig. Die Mehrheit der Eltern entscheide sich aber dafür: „Von den jährlich rund 650.000 auf ihren Impfstatus überprüften Schulanfängern haben je nach Impfung zwischen 84 und 97 Prozent die von der Ständigen Impfkommission empfohlenen Impfungen erhalten“, sagte Wieler.

© kna/may/aerzteblatt.de

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Avatar #88255
doc.nemo
am Freitag, 14. September 2018, 08:34

Selbstüberschätzung hat einen Namen:

Dunning-Kruger-Effekt.

Auf diesen bezieht sich Staphylococcos rex in seinem lesenswerten Beitrag. In der Wissenschaftskommunikation ist er seit fast zwei Jahrzehnten bekannt, aber erst das Internet hat ihm zu einer unseligen Blüte verholfen. Dass in den Debatten überwiegend die besser Gebildeten als Opfer des Effekts auffallen, hängt wohl damit zusammen, dass sie eher bereit und fähig sind, sich öffentlich zu äußern. Sie sind häufig auch sehr gewieft darin, pseudowissenschaftliche Argumente scheinbar überzeugend darzubieten. Rationale Wissenschaftler verweigern sich in der Regel einer vergleichbar emotionalen Darstellung ihrer Erkenntnisse, weshalb ihre Stimmen in den Echoblasen oft untergehen.
Avatar #691359
Staphylococcus rex
am Donnerstag, 13. September 2018, 18:59

Das Problem ist nicht der Mangel an Fakten

sondern die mangelhafte Fähigkeit mit diesen Fakten umgehen zu können. Das Prinzip der Generierung von Wissen nach dem Prinzip These, Antithese und Synthese funktioniert sehr wohl. Das Problem bei der Bewertung der Fakten zum Thema Impfen besteht darin, dass das Fachwissen zum Thema Impfen sehr ungleich auf die Gruppen der Impfbefürworter und der Impfskeptiker verteilt ist. Bei denen, die sich hauptberuflich mit Infektionskrankheiten und dem Impfen beschäftigen gibt es sehr wohl Diskussionen zu Details von Impfungen, aber keine grundlegende Impfskepsis. Bei den Impfskeptikern gibt es dagegen Diskussionen zu Fragen, die von den Spezialisten als Trivialwissen betrachtet werden.

Ein auffälliges Detail bei der Diskussion um die Impfpflicht ist die Tatsache, dass die Mehrzahl der Impfskeptiker nicht aus den Kreisen der Ungebildeten kommt, sondern aus den Kreisen der Halbgebildeten, die ihre Kompetenz bei diesem Thema hoffnungslos überschätzen. Das Wissen der Menschheit wächst weiterhin exponentiell, die Fähigkeit des menschlichen Geistes, diese Informationen zu verarbeiten ist dagegen begrenzt. Dies führt dazu, dass wir im Internetzeitalter einen extremen Überfluss an Informationen haben und deshalb sehr selektiv bei der Integration neuer Informationen vorgehen. Deshalb ist es bei der Integration neuer Fakten in unser Weltbild auch völlig egal, ob diese Fakten wahr sind, viel wichtiger ist die Frage, ob diese Fakten zu unserem bisherigen Weltbild kompatibel sind. Dies führt dazu, dass die vorhandenen „wahren“ Fakten von den Fachleuten problemlos integriert werden, während Personengruppen mit einem unzureichenden Zugang zu komplexen Fragestellungen zeitlebens in ihrer Echokammer gefangen sind. Diese Echokammern existieren nicht nur beim Themen Impfen, sondern bei vielen Fragen unseres Lebens, wo einfache Lösungen für komplizierte Probleme angeboten werden. Um hier nicht gleich einen Shitstorm loszutreten, erspare ich mir eine Aufzählung dieser Echokammern, denn diese Liste würde sehr lang werden.

Es ist wahr, dass Impfgegner und Impfbefürworter kaum miteinander reden. Das liegt aber hauptsächlich am mangelnden Fachwissen der Impfskeptiker und der mangelnden Bereitschaft der Impfskeptiker das frei verfügbare Angebot an Fachwissen zu nutzen. Die hohe Zahl an Ärzten und Akademikern unter den Impfskeptikern spricht daher für Defizite in der Aus- und Weiterbildung und das Phänomen der Überforderung der menschlichen Informationsverarbeitung im Informationszeitalter. In meinem beruflichen Alltag habe ich genug Diskussionen mit Impfskeptikern. Einer einzelnen Person die Fakten zu erklären ist in Ordnung, aber spätestens bei der zehnten Wiederholung der ewig gleichen Diskussion wird es extrem frustran. Hier sehe ich die Verantwortung des RKI und anderer staatlicher Einrichtungen, ihre Internetdarstellung dahingehend zu überarbeiten, dass sie nicht nur sachlich richtig, sondern auch pädagogisch aufbereitet ist. Die Argumente der Impfskeptiker sind immer die gleichen. Die FAQ-Seiten des RKI sollten auf alle diese Fragen leicht verständliche Antworten geben. Davon sind zum jetzigen Zeitpunkt diese Seiten noch weit entfernt.
Avatar #110206
kairoprax
am Donnerstag, 13. September 2018, 10:39

Hier dreht es sich um ein ungelöstes Problem. Wo bleibt das Prinzip der Antithese?

Hier kommt ein Film in die Kinos, der gedreht wurde, weil es offen kundig ein Thema ist. Man darf gespannt sein, ob er ein Kassenschlager wird. Wenn dieser Film ein großes Publikum bekommt, dann ist das ein Anlaß, das Thema neu aufzugreifen, denn dann ist dieser Film allein durch seine Existenz und seinen Zuspruch ein Marker für ein ungelöstes Problem. Ich werde ihn mir anschauen, genauso wie ich regelmäßig die Bulletins des RKI anschaue.

Warum ist es ein Thema?

Hat das RKI und hat die STIKO wirklich die besseren Argumente? Und wenn sie die haben, wie erklärt es sich dann, daß nicht nur viele, sondern offenbar die Mehrheit der Ärzte sich selbst nicht impfen lassen? Mein Großvater sagte immer, er läßt nur an sich machen, was auch sein Hausarzt an sich machen löassen würde.
Warum gibt es in der Bevölkerung etwas, das man Impf"müdigkeit" nennt, das aber in Wahrheit auch Skepsis sein kann?
Warum werden Impfkritiker konsequent beschimpft als unseriös und unwissenschaftlich, während die 100% Impfbefürwortung nicht einmal hinterfragt werden darf?

In der Wissenschaft ist es üblich,Thesen zu formulieren, dem werden Antithesen gegenübergestellt und es folgt daraus schließlich die Synthese. Die These heißt in etwa, Impfungen sind mit eine der segensreichsten Erfindungen der Medizin, antithetisch heißt es, die Risiken und Nebenwirkungen werden heruntergeredet.
These ist, wenn alle sich impfen ließen, würden Krankheiten ausgerottet, die Antithese sagt, Virusinfektionen sind ein Teil der genetischen Kommunikation unseres Immunsystems.
Die These heißt, die Pocken wurden weltweit ausgerottet, die Antithese ist, daß geschah mit vielen Impfopfern (es geht nicht um Fieber, sondern um Todesopfer in den 50er und 60er Jahren), und leider befinden sich Pockenviren immer noch in den Waffenarsenalen der Supermächte.
Thesen und Antithesen richten sich nach angeblichen oder tatsächlichen Vermehrungen von Asthma und Allergien nach Impfungen, sie beziehen sich darauf, daß immer noch Grippe und grippaler Infekt, Influenza-Impfungen und banale saisonale Grippe nicht sauber getrennt werden.

An diesem Punkt sind wir heute.

Wir sind solange weit entfernt von einer Synthese aus beiden Standorten, wie die einen als verblendete Schulmediziner ohne Gehör für die Nebenwirkungen und Gegenanzeigen gelten, während die anderen als esoterische Spinner und Verweigerer der Heilslehre von der Evidenzbasierten Medizin deklariert werden.

So kommt man nicht zusammen.

Die andere Frage ist, müssen wir zusammenkommen? Ist es nicht besser, man läßt beide Fraktionen stehen, und dann soll doch bitte sich impfen lassen und das Impfen empfehlen wer will, und wer nicht will läßt es. Das einzige Argument gegen dieses Vorgehen ist die These vom "Herdenschutz". Dem steht die Antithese gegenüber, daß Herdenschutz einen hohen Preis hat, finanziell wie ethisch und medizinisch. Von "Ausrottung" und von "Herdenschutz" steht übrigens nichts in den STIKO-Empfehlungen. Die sehen viel konkreter so aus, daß man das Impfziel mit dem Patienten bespricht, sich über Risiken und Nebenwirkungen ausspricht, Kontraindikationen und Maßnahmen für den Fall einer Impfreaktion behandelt und das alles dokumentiert.

Wer geht diesen Weg konsequenter, die Impfbefürworter oder die Impfkritiker? Wir diskutieren, ob in Deutschland zu viele TEPs und zu viele Kaiserschnoitte gemacht werden. Warum nicht mit derselben medizinischen Ernsthaftigkeit auch an die Impfungen gehen?

"Eingeimpft" - der Film schildert - wie man bisher hören und lesen konnte - genau das, was die Impfdebatte zur Problematik werden läßt. Ein Paar steht vor der Entscheidung, soll es seine Tochter impfen lassen oder nicht. In dem Film werden dann wohl die Fragen gestellt, denen sich Paare im realen Leben auch gegenübergestellt sehen.

Darum geht es. Um einen Film, der sich um ein Problem kümmert
Avatar #683778
Freudi
am Donnerstag, 13. September 2018, 00:48

Aufklärung

Ja, das Zeitalter der Aufklärung begann vor knapp 400 Jahren, aber immer noch wollen Viele offenbar nicht wahr haben, dass die Erde rund ist.
Nichts gegen Skepsis bezüglich der Wissenschaft, aber, dass wir heute älter werden (und das in vielen Fällen auch bei guter Lebensqualität!), hat auch etwas mit den Impfungen zu tun. Man möge die Impfgegner(gn) doch mal fragen, ob sie auch schon einmal eine Kopfschmerztablette genommen haben? In den USA hat man aufgrund der guten Durchimpfungsrate die Masernenzephalitis ausgerottet. Hier stirbt immer noch jeder 1000. Masernpat. (gn) an einer Enzephalitis.
Glauben ist gut, Wissen ist besser, aber solange selbst bei Ärzten(gn) und Krankenpflegepersonal geradezu hanebüchene Begründungen für das Nichtimpfen gegeben werden, brauchen wir uns nicht zu wundern.
LNS

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