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Politik

Staatliches Sonderprogramm für IT-Ausstattung im Krankenhaus gefordert

Mittwoch, 12. September 2018

/v.poth, stockadobecom

Landau – Seit Jahrzehnten beklagen IT-Leitungen in Krankenhäusern die chronische Unterfinanzierung ihrer Abteilungen. Belastbare Zahlen zum tatsächlichen Ausmaß dieser Problematik fehlten jedoch bislang. Nach einer aktuellen, vom Bundesverband der Krankenhaus-IT Leiterinnen und Leiter (KH-IT) durchgeführten Erhebung fehlten im Bezugsjahr 2017 insgesamt 1,6 Milliarden Euro, davon betrafen 1,1 Milliarden Euro nicht genehmigte Investitionsbedarfe etwa für Endgeräte, klinische Systeme, Server und Netzwerke.

Zusätzlich zum Investitionsstau fehlen nach der Studie außerdem auch finanzielle Ressourcen für den IT-Betrieb im Krankenhaus und für die Einstellung von IT-Fachkräften. So sind aus Sicht der IT-Leitungen zusätzliche 2.688 Fachkräfte auf Vollzeitbasis erforderlich, um notwendige Maßnahmen zur Digitalisierung überhaupt umsetzen zu können. Hinzu kommt die Herausforderung, entsprechende Fachkräfte im Markt zu finden. Hochgerechnet auf die nächsten fünf Jahre ergibt sich nach Angaben des Verbands demnach ein Finanzierungsdefizit in der Krankenhaus-IT von 11,6 Milliarden Euro.

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Fehlbetrag für die IT-Mindestausstattung

In der Umfrage wurde dabei lediglich nach der Finanzierungslücke zwischen genehmigtem und aus IT-Leitungssicht notwendigem IT-Budget gefragt. Die Ergebnisse bilden demnach tendenziell den Fehlbetrag für die IT-Mindestausstattung in deutschen Krankenhäusern ab. Das Finanzierungsdefizit wäre mit Sicherheit erheblich höher, so der Verband, wenn man den eigentlich wünschenswerten, möglichst hohen IT-Reifegrad (gemessen an optimal unterstützten klinischen Versorgungsprozessen) mit einbeziehen würde – ganz abgesehen von den zukünftigen Kosten der digitalen Transformation im Krankenhaus und dem Einsatz von Technologien wie Body Electronic, künstliche Intelligenz oder Robotik.

Aus Anwendersicht besteht schon jetzt dringender Handlungsbedarf. Eine Studie hatte bereits im Jahr 2016 kritische Zufriedenheitswerte bei den Anwendungssystemen im klinischen Alltag insbesondere bei der Usability ergeben. Diese Ergebnisse der vom KH-IT Bundesverband initiierten Studie wurden 2017 von einer Umfrage des Marburger Bundes und kürzlich von einer breit angelegten Erhebung von Deloitte & Philips bestätigt.

Die Potenziale der Digitalisierung im Krankenhaus seien zweifellos herausragend, heißt es seitens des KH-IT Bundesverbandes. Leider müssten Mediziner und Pflegekräfte im klinischen Alltag nicht selten mit unzulänglicher Technik arbeiten. Ursachen sieht der Verband nicht nur in fehlenden finanziellen Mitteln, sondern unter anderem auch in einem „Oligopol von Krankenhaus-IT-Providern mit unflexiblen, veralteten Systemen“ und in den hoch komplexen klinischen Prozessen. Ohne die Bereitstellung der fehlenden finanziellen Mittel zur Sicherstellung eines stabilen Krankenhaus-IT-Betriebs seien diese Einflussfaktoren jedoch zweitrangig.

Mit Blick auf die klammen Krankenhausbudgets könne kaum davon ausgegangen werden, dass die Krankenhäuser die prekäre Situation aus eigener Kraft bewältigen, so der Bundesverband. Daher fordert er ein staatliches Sonderprogramm zum Aufbau einer adäquaten IT-Ausstattung im Krankenhausbereich. © KBr/aerzteblatt.de

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