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Politik

Kliniken in Thüringen sollen sich besser auf ältere Patienten einstellen

Mittwoch, 12. September 2018

/Sandor Kacso, stock.adobe.com

Erfurt – Krankenhäuser in Thüringen sollen bei der Behandlung alter Menschen künftig nicht nur auf die Diagnose schauen, sondern auch deren persönliche Lebenssituation stärker in den Blick nehmen. „Soziale Faktoren spielen bei älteren Kranken­hauspatienten eine große Rolle“, sagte Ge­sund­heits­mi­nis­terin Heike Werner (Linke) heute.

Das gelte etwa für Beeinträchtigungen im Alltag durch Krankheiten und die familiäre Konstellation, etwa das Fehlen von Angehörigen, ergänzte der Altersmediziner Burkhard Braun vom Geriatrieverband Hessen-Thüringen bei der Vorstellung von Standards für Krankenhausaufnahme und -behandlung von Patienten, die älter als 70 Jahre sind.

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Die von Krankenkassen-, Krankenhaus- und Ärzteverbänden erarbeitete Liste ist laut Ministerium die erste bundesweit. Sie soll klarstellen, wann ältere Menschen eine sogenannte geriatrische Behandlung in Allgemeinkrankenhäusern, speziellen Fachabteilungen und Fachkliniken benötigen.

Typisch für Geriatrie-Patienten sei, dass sie nicht nur an einer Krankheit litten, sondern mehrere gesundheitliche Problemen gleichzeitig hätten, sagte Werner. Oft seien sie auch pflegebedürftig. „Sie sind auf umfassende Betreuung angewiesen, benötigen besondere Aufmerksamkeit in den Kliniken.“

Der Rudolstädter Altersmediziner Braun sieht in den über viele Jahre gewachsenen Strukturen und Abläufen im Klinikalltag einen Grund für bestehende Defizite in der Versorgung von Patienten mit Alterserkrankungen, etwa Demenz. „Die Krankenhäuser versuchen, diese Patienten an die Strukturen anzupassen“, sagte er. „Dabei ist der umgekehrte Weg der bessere.“ Die Kliniken müssten sich auf die Besonderheiten geriatrischer Patienten einstellen.

Zu den jetzt definierten medizinischen Kriterien, die eine Krankenhausbehandlung alter Menschen erfordern, gehören unter anderem Verletzungen durch Stürze, Demenz, chronische Schmerzen, Lähmungen oder Wunden, die kontinuierlich behandelt werden müssen. Die festgelegten Standards sollen auch mehr Klarheit für die Kosten­über­nahme der Klinikbehandlung durch die Krankenkassen bringen, wie Werner sagte. Bisher sei zwischen Krankenhäusern und Kassen oft strittig gewesen, ob in bestimmten Fällen eine stationäre Akutbehandlung wirklich notwendig sei.

Laut Barmer kostet die Behandlung in einer der neun spezialisierten geriatrischen Fachkliniken in Thüringen rund 7.000 Euro pro Patient. Die Kasse drängt wie auch andere Kassen darauf, dass auch das Reha-Angebot für Geriatrie-Patienten in Thüringen aufgestockt wird. Bisher gibt es im Freistaat keine auf Alterserkrankungen spezialisierte Rehabilitationsklinik.

Nach Zahlen des Landesamtes für Statistik sind mehr als die Hälfte der knapp 600.000 jährlich in Kliniken des Landes behandelten Menschen älter als 60 Jahre. 2016 lag der Anteil der 75- bis 80-Jährigen unter den Klinikpatienten bei rund 13 Prozent. © dpa/aerzteblatt.de

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