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Medizin

Milchprodukte könnten vor Herz-Kreis­lauf-Erkrankungen schützen

Mittwoch, 12. September 2018

/dpa

Hamilton – Der tägliche Verzehr von Milchprodukten könnte Menschen vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen schützen und das Leben verlängern. Zu diesem Ergebnis kommt eine internationale prospektive Beobachtungsstudie im Lancet (2018; doi: 10.1016/ S0140-6736(18)31812-9).

Der Einfluss von Milchprodukten auf die Gesundheit ist umstritten. Einerseits sind Trinkmilch, Käse und Joghurt reich an ungesättigten Fettsäuren, was sich negativ auf die Blutfette auswirken und das Herz-Kreislauf-Risiko steigern kann. Andererseits enthalten sie zahlreiche fettlösliche Vitamine, spezifische Aminosäuren, ungeradzahlige Fettsäuren und verzweigte Fettsäuren, Phospholipide, natürliche Transfette und Kalzium, denen eine positiver Einfluss auf die Gesundheit nachgesagt wird. Auch die mit den Milchprodukten aufgenommenen Probiotika könnten die Gesundheit fördern.

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Die Auswirkungen von Milchprodukten auf das Herz-Kreislauf-Risiko waren schon des Öfteren Gegenstand epidemiologischer Studien und mindestens drei Meta-Analysen haben sich mit dem Thema befasst. Die Analyse wird dadurch erschwert, dass die einzelnen Milchprodukte sich stark (Fermentation, Fettgehalt) unterscheiden.

Jetzt liegt eine Auswertung der „Prospective Urban Rural Epidemiological“ oder PURE-Studie vor, die seit Anfang 2003 Menschen in 21 Ländern nach ihren Ernährungs­gewohnheiten befragt und mit späteren Erkrankungen und Todesfällen in Verbindung setzt. Bis Mitte 2018 wurden 136.384 Personen im Alter von 35 bis 70 Jahren befragt, von denen nach durchschnittlich 9,1 Jahren 6.796 gestorben sind und 5.855 schwere kardiovaskuläre Ereignisse wie Schlaganfall oder Herzinfarkt erlitten haben.

Das Team um Mahshid Dehghan von der McMaster University in Hamilton/Ontario hat den Konsum anhand typischer Verbrauchsmengen quantifiziert. Eine Standardportion bestand aus einem Glas Milch (244 g), einem Becher Joghurt (244 g), einer Scheibe Käse (15 g) oder einem Teelöffel Butter (5 g).

Die meisten Milchprodukte wurden mit 368 g oder mehr als vier Portionen pro Tag in Nordamerika und Europa verzehrt. Am geringsten war der Konsum in Südasien, China, Afrika und Südostasien mit 147, 102, 91 beziehungsweise 37 g oder weniger als einer Portion pro Tag.

Die Teilnehmer wurden dann in vier Kategorien eingeteilt: 28.674 Personen hatten keine Milchprodukte verzehrt, 55.651 kamen auf weniger als eine Portion pro Tag, 24.423 auf ein bis zwei Portionen pro Tag und 27.636 auf mehr als zwei Portionen pro Tag.

Die Auswertung ergab, dass es in der Gruppe mit dem höchsten Verzehr an Milch­produkten (im Mittel 3,2 Portionen pro Tag) zu den wenigsten Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Todesfällen kam, dem primären Endpunkt der Studie. Dehghan ermittelt eine Hazard Ratio von 0,84 (95-Prozent-Konfidenzintervall 0,75 bis 0,94) also einen Rückgang um 16 Prozent gegenüber der Gruppe mit dem geringsten Verzehr an Milchprodukten.

Auch in den sekundären Endpunkten wie Gesamtmortalität (Hazard Ratio 0,83; 0,72-0,96), nicht-kardiovaskuläre Mortalität (Hazard Ratio 0,86, 0,72-1,02), schwere kardiovaskuläre Erkrankungen (Hazard Ratio 0,78; 0,67-0,90) und Schlaganfälle (Hazard Ratio 0,66; 0,53-0,82) wurde eine protektive Wirkung gefunden. Bei der kardio­vaskulären Mortalität (Hazard Ratio 0,77; 0,58-1,01) waren die Ergebnisse grenzwertig und bei Herzinfarkten (Hazard Ratio 0,89; 0,71-1,11) nicht vorhanden.

Von den einzelnen Milchprodukten hatte Joghurt (Hazard Ratio 0,86; 0,75-0,99) die günstigsten Auswirkungen auf den primären Endpunkt, vor Milch (Hazard Ratio 0,90, 0,82-0,99). Für den Konsum von Käse war die Assoziation nicht signifikant (Hazard Ratio 0,88; 0,76-1,02). Der Verzehr von Butter war tendenziell mit einem Anstieg von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Todesfällen verbunden (Hazard Ratio 1,09; 0,90-1,33).

Zu den Einschränkungen der Studie gehört, dass die Zahl der Ereignisse aufgrund des relativ geringen Alters von im Durchschnitt 50 Jahren zu Beginn der Studie relativ gering war. Dies erhöht die Unsicherheit und es bleibt fraglich, welchen Einfluss Milchprodukte im höheren Alter haben, wenn die Zahl der Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Todesfälle zunimmt.

Ansonsten gelten die üblichen Kritikpunkte für prospektive Beobachtungsstudien, die eine Assoziation herstellen, aber keine Kausalität belegen können. Denkbar ist, dass Milchliebhaber aus anderen Gründen gesünder leben. Eine weitere Schwäche der Studie ist, dass die Ernährung nur einmal zu Beginn der Studie erhoben wurde und die Angaben bei Umfragen zur Ernährung auch in detaillierten Fragebögen wage sind.

© rme/aerzteblatt.de

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Avatar #734446
Martin Schühle
am Donnerstag, 13. September 2018, 08:20

Die Überschrifr in diesem Artikel ist völlig irreführend und unwisschenschaftlich!

Die Studie, wie auch am Ende des Artkels beton, zeitg nur sehr wage das Essverhaltend er beobachteten Teilnehmer auf.
Zudem its es unzulässig, eine wissenschaftliche Schlussfolgerung aus derm Umstand zu ziehen, dass ein erhöhter Verzehr von Milchprodukten zu einem geringeren Herz- und Kreislaufrisiko führt.
Vielfältige Faktoren könen bei solche Personen einen Einfluss haben, z. B. kein Nikotinkonsum, mehr Gesundheitsbewusstsein... Zudem die Möglichkeit, viele Milchprodukte zu konsumieren, muss finanziell und daher sozial auch möglich sein und daher bessere Gesunheitsversorgung etc...
Vermutlich ist dieser Artikel mit der irreführenden und vorweg meinungsbildenden Überschrift von der Milchindustrie beeinflusst, gesponsert oder mit der Fleischindustrie verknüpft.
Warum kann im Ärzteblatt, was wir Ärzte lesen und die Überschriften /Themen überfliegen, keine ausgewogene und nicht meinungsbildende Überschrift gerade bei so einem inhaltlich wenig sinn erfüllenden Sachverhalt wie dieser Studie und Bewertung erfolgen?
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