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Medizin

Lasker-Preis für die Entwicklung von Propofol

Freitag, 14. September 2018

2016 Teresa Otto

New York – Der schottische Veterinärmediziner John Glen, der in den 1970er Jahren mit Propofol eine wirksame und besser verträgliche Alternative zu Thiopental gefunden hat, die nach anfänglichen Schwierigkeiten zum am häufigsten eingesetzten Mittel für Kurznarkosen wurde, hat einen der diesjährigen Preise der Lasker-Foundation erhalten, die als Vorzimmer zum Nobelpreis bezeichnet wird, weil in der Vergangenheit viele Forscher später auch in Stockholm ausgezeichnet wurden.

In den 1970er Jahren war Thiopental das bevorzugte Mittel zur Einleitung einer Narkose. Das kurzwirksame Barbiturat versetzt die Patienten in weniger als einer Minute in einen Tiefschlaf. Thiopental hat allerdings eine enge therapeutische Breite: Der Grat zwischen einer wirksamen und einer tödlichen Dosis ist sehr schmal. Und im Fall einer unbeabsichtigten Überdosierung steht kein Antidot zur Verfügung. Thiopental führt außerdem zu Kopfschmerzen und Übelkeit, die nach dem Erwachen aus der Operation bis zu 36 Stunden andauern können.

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Die britische Firma ICI Pharmaceuticals (heute Teil von AstraZeneca) war deshalb auf der Suche nach einer sicheren und besser verträglichen Alternative. Seit 1972 war auch der Veterinärmediziner John Glen an dem Projekt beteiligt. Unter seiner Leitung wurde bereits 1973 entdeckt, dass 2,6-Diisopropylphenol, besser bekannt als Propofol, bei Mäusen eine anästhetische Wirkung erzielt, die zu 80 Prozent stärker war als die von Thiopental. Anders als andere Anästhetika verursachte Propofol keine Muskel­zuckungen und keinen Tremor, und es konnte sicher mit einer Vielzahl anderer Medikamente kombiniert werden, die typischerweise zur Sedierung verwendet werden.

Keine Ablagerungen im Körper und keine Nebenwirkungen

Ein wichtiger Vorteil war, das sich Propofol anders als Barbiturate auch nach mehrmaliger Gabe nicht im Körper ablagert. Außerdem zeigten die Tiere nach dem Erwachen keine Nebenwirkungen.

Propofol ist jedoch sehr lipophil und deshalb im Blut schlecht löslich. Es vergingen 13 Jahre, bis das Mittel 1986 zunächst in Großbritannien und bald darauf auch in anderen Ländern eingeführt wurde. In dieser Zeit wurden mehrere Substanzen untersucht, die die Löslichkeit von Propofol im Blut verbessern sollten, ohne den Transport durch die Blut-Hirn-Schranke zu behindern.

Die Kandidaten erwiesen sich entweder im Tierversuch als hepatotoxisch (Synperonic PE39/70) oder es kam durch Histaminfreisetzung zu anaphylaktischen Reaktionen (Cremophor), was 1981 zum Abbruch einer ersten größeren klinischen Studie und beinahe zur Aufgabe des Projekts geführt hätte. Erst eine Emulsion aus Sojabohnen machte den klinischen Einsatz von Propofol möglich.

Standardmittel zur intravenösen Anästhesie

Die Lasker-Foundation hob in der Preisverleihung die Vision und Beharrlichkeit von Glen hervor, dem es zu verdanken sei, dass der Welt heute ein wirkungsstarkes, nebenwirkungsarmes und vielseitig zu verwendendes Anästhetikum zur Verfügung stehe. Propofol werde heute routinemäßig in Operationssälen, Intensivstationen Notaufnahmen und ambulanten Kliniken eingesetzt. Es sei das Standardmittel zur intravenösen Anästhesie. Den größten Einfluss erreichte Propofol jedoch in der ambulanten Medizin, wo es heute regelmäßig zur kurzzeitigen Sedierung bei diagnostischen oder therapeutischen Eingriffen genutzt wird.

Dass Propofol nicht frei von Risiken ist, vor allem wenn es mit anderen Schlafmitteln kombiniert wird, zeigt der Fall des Pop-Musikers Michael Jackson, der im Juni 2009 an einer Überdosis Propofol starb, die dem Musiker zusammen mit dem Sedativum Lorazepam verabreicht wurde.

Glen erhielt am Dienstag den Lasker-DeBakey Clinical Medical Research Award, der mit 250.000 US-Dollar dotiert ist. Neben Glen wurde Joan Argetsinger Steitz von der Yale University für ihre Forschungsergebnisse in der RNA-Biologie mit dem Lasker-Koshland Special Achievement Award in Medical Science ausgezeichnet. Den Albert Lasker Basic Medical Research Award erhielten Michael Grunstein von der Universität von Kalifornien und David Allis von der Rockefeller University in New York. Die beiden Wissenschaftler haben die Funktion der Histone erforscht, die im Zellkern die DNA verpacken und dadurch die Ablesung von Genen beeinflussen.

© rme/aerzteblatt.de

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