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Cloudbasierte Demenzforschung: Wohlstand und Gleichstellung beeinflussen räumliche Orientierung

Montag, 17. September 2018

Das Spiel „Sea Hero Quest“ wurde seit der Veröffentlichung im Mai 2016 weltweit mehr als 4 Millionen Mal heruntergeladen. /Deutsche Telekom

London – Das räumliche Orientierungsvermögen verschlechtert sich nicht nur in Abhängigkeit des Alters. Materieller Wohlstand und der Grad der Gleichstellung wirken sich ebenfalls darauf aus. Das zeigt eine Studie, die das University College London (UCL) und die Universität von East Anglia (UEA) heute in Current Biology veröffentlicht haben (2018; doi: 10.1016/j.cub.2018.06.009).

Die Ergebnisse basieren auf einer cloudbasierten Big Data-Analyse des mobilen Spiels „Sea Hero Quest“ der Deutschen Telekom. Es ist die erste wissenschaftliche Publikation über Erkenntnisse aus der Initiative „Game for Good“.

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Auf dem Smartphone oder Tablet müssen die Spieler dabei eine Reihe von Orientierungs- und Navigationsaufgaben durchführen. Dazu schlüpfen sie in die Rolle eines Seefahrers, der sich in unterschiedlichen Szenarien immer wieder neu orientieren muss. Wer über einen guten Orientierungssinn verfügt, löst die gestellten Aufgaben schneller.

Virtual Reality: 3-D-Spiel sammelt Daten für die Demenzforschung

Berlin – Das kostenlose Spiel „Sea Hero Quest VR“ der Deutschen Telekom dient dazu, die Demenz-Grundlagenforschung voranzubringen. Nach der mobilen Version kommt heute die neue Virtual-Reality-(VR-)Variante in den Oculus-Store. Ärzte aus England und von der Berliner Charité versprechen sich davon noch präzisere Daten von gesunden Menschen zum Orientierungs-, Erinnerungs- und Navigationsvermögen

Für die Grundlagenstudie zogen die Wissenschaftler anonyme Daten von mehr als einer halben Million Menschen aus 57 Ländern heran, davon fast 90.000 aus Groß­britannien und gute 50.000 aus Deutschland im durchschnittlichen Alter von etwa 40 Jahren, 10 % weniger Frauen als Männer. Sie werteten die Daten von Spielern aus Ländern mit mindestens 500 Teilnehmern aus, die ihr Alter, ihr Geschlecht und ihre Nationalität freiwillig angegeben hatten.

Es zeigte sich ein starker Zusammenhang zwischen dem räumlichen Orien­tierungs­vermögen und dem materiellen Wohlstand der Bevölkerung in einem Land. In den skandinavischen Ländern sowie in Nordamerika, Australien und Neuseeland erzielen die Spieler die besten Ergebnisse, während die Bewohner Indiens, Ägyptens, der Türkei und des Iraks schlechter abschneiden. Spieler aus Deutschland rangierten zusammen mit Südafrika und Belgien im oberen Mittelfeld. Ein weiteres Resultat: Männer erzielen durchschnittlich bessere Ergebnisse als Frauen. Der Unterschied in der Leistung beider Geschlechter schrumpft allerdings in den Ländern, in denen die Gleichstellung der Geschlechter weiter fortgeschritten ist.

Die räumliche Orientierung verschlechtert sich ab dem frühen Erwachsenenalter. Diese Entwicklung setzt sich ein Leben lang fort. „Wir haben festgestellt, dass sich das Lebensumfeld auf das räumliche Orientierungsvermögen auswirkt“, erklärt der Hauptautor der Studie, Hugo Spiers vom University College London. „Wir werden die Daten weiter analysieren und hoffen, dann noch besser zu verstehen, warum Menschen in bestimmten Ländern unterschiedlich gut bei den Navigationsaufgaben abschneiden.“

Adaptierte Spielversion für das Demenz-Screening

Die Autoren der Studie wollen die durch die Telekom erhobenen Crowd-Sourcing-Daten außerdem nutzen, um einfache Messmethoden für die Medizin zu entwickeln. Mit den bisher eingesetzten Demenztests lassen sich die Anfangssymptome räumlicher Desorientierung nicht effektiv genug untersuchen. Die Wissenschaftler planen daher, eine adaptierte Version des Spiels Sea Hero Quest als Screening-Instrument zur Diagnose zu veröffentlichen. Der Einsatz des Spiels sei auch denkbar bei der Überwachung des Krankheitsverlaufs und als Vergleichsinstrument der Ergebnisse klinischer Versuche.

Die Deutsche Telekom stellt die Daten nun auch weiteren Wissenschaftlern für Forschungszwecke zur Verfügung. Alle Daten würden sicher und anonym über die AppAgile-Plattform der T-Systems übermittelt, teilt die Telekom mit. „Mit Sea Hero Quest haben wir erneut verdeutlichen können, wie leistungsfähig und gesellschaftlich relevant Datenerhebungen über digitale Anwendungen sein können“, sagt Telekom-Markenchef Hans-Christian Schwingen.

© gie/EB/aerzteblatt.de

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