NewsVermischtesMehr Verfahren der Jugendämter wegen Gefährdung des Kindeswohls
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Vermischtes

Mehr Verfahren der Jugendämter wegen Gefährdung des Kindeswohls

Donnerstag, 13. September 2018

/Monkey Business, stock.adobe.com

Wiesbaden – Die Jugendämter in Deutschland haben im vergangenen Jahr deutlich häufiger eine Gefährdung des Kindeswohls geprüft. Wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden heute mitteilte, stieg die Zahl der entsprechenden Verfahren im Vergleich zum Vorjahr um 4,6 Prozent auf 143.300 Verfahren. Die Zahl der am Ende bestätigten Fälle von Kindeswohlgefährdung sank hingegen leicht um 0,1 Prozent auf rund 45.700.

Insgesamt stuften die Behörden rund 21.700 Fälle im vergangenen Jahr eindeutig als akute Gefährdung des Kindeswohls ein. Das waren 0,6 Prozent mehr als im Vorjahr. Bei knapp 24.100 Verfahren konnte eine Gefährdung des Kinds nicht ausgeschlossen werden, das war ein Minus von 0,6 Prozent.

Anzeige

Die Jugendämter sind verpflichtet, bei Kindeswohlgefährdungen zunächst mit Unterstützung und Hilfsangeboten einzugreifen. Sind die Eltern nicht in der Lage oder nicht bereit zu kooperieren, entscheidet das Familiengericht.

Die meisten der rund 45.800 Kinder, bei denen eine akute oder latente Kindeswohl­gefährdung vorlag, wiesen Anzeichen von Vernachlässigung auf (60,8 Prozent). In knapp einem Drittel der Fälle (29,6 Prozent) wurden Anzeichen für psychische Misshandlungen festgestellt wie beispielsweise Demütigungen, Einschüchterung, Isolierung und emotionale Kälte.

Etwas seltener (26,0 Prozent) wiesen die Kinder Anzeichen für körperliche Miss­handlung auf. Anzeichen für sexuelle Gewalt wurden in 4,5 Prozent der Fälle von Kindeswohlgefährdung festgestellt. Mehrfachnennungen waren hierbei möglich.

Kleinkinder waren bei den Verfahren besonders betroffen. Fast jedes vierte Kind, für das ein Verfahren wegen Kindeswohlgefährdung eingeleitet wurden, hatte das dritte Lebensjahr noch nicht vollendet. Bei den drei- bis fünfjährigen Kindern war es ein Fünftel. In gut jedem vierten Fall waren die Kinder im Grundschulalter. Mit zunehmendem Alter nehmen die Gefährdungseinschätzungen dann wieder ab.

In rund 48.900 weiteren Fällen kamen die Jugendämter zu dem Ergebnis, dass zwar keine Kindeswohlgefährdung, aber ein weiterer Hilfs- oder Unterstützungsbedarf vorlag. Das waren fünf Prozent mehr als im Vorjahr. In fast ebenso vielen Fällen (48.600) wurde weder eine Kindeswohlgefährdung noch weiterer Hilfebedarf festgestellt (plus 9,1 Prozent).

Eine Kindeswohlgefährdung liegt vor, wenn eine erhebliche Schädigung des körperlichen, geistigen oder seelischen Wohls des Kinds droht oder bereits vorliegt. Erhält das Jugendamt Kenntnis davon, muss es Gefährdungsrisiko und Hilfebedarf unter Beteiligung verschiedener Fachkräfte abschätzen. © afp/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

21. November 2018
Berlin – Der Versorgungsatlas des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi) hat gestern bei der Fachtagung „Psychische Erkrankungen von Kindern und Jugendlichen in der ambulanten
Psychisch Kranke Kinder und Jugendliche: Diagnoseprävalenz gestiegen
21. November 2018
Berlin – Ärzte und Psychologen registrieren mehr Fälle von Kindern und Jugendlichen, die sich fremd in ihrem Körper fühlen und ihr Geburtsgeschlecht ändern wollen. Die Behandlungszahlen hätten sich
Zahl transsexueller Kinder gestiegen
20. November 2018
Berlin – Die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) schlägt wegen des Personalmangels auf Kinderintensivstationen Alarm. Im Mittel seien derzeit rund 20 Prozent
Fachgesellschaft fordert Notfallplan gegen Personalmangel auf Kinderintensivstationen
16. November 2018
Düsseldorf – Das Ge­sund­heits­mi­nis­terium in Nordrhein-Westfalen (NRW) hat zwei neue Förderaufrufe veröffentlicht, um den Kinderschutz zu stärken. „Wir müssen auch im Gesundheitswesen die richtigen
Nordrhein-Westfalen setzt sich für Kinderschutz ein
16. November 2018
Düsseldorf – Experten haben auf die wichtige Rolle von Ärzten beim Schutz von Kindern und Frauen vor häuslicher Gewalt hingewiesen. Ziel ärztlicher Intervention sei es, den Kreislauf der Gewalt zu
Häusliche Gewalt: Hilfe durch Ärzte entscheidend
16. November 2018
London – Die Magnetresonanzspektroskopie, mit der die Konzentration bestimmter Metabolite im Thalamus bestimmt werden kann, hat in einer Kohortenstudie in Lancet Neurology (2018; doi:
Neonatale Enzephalopathie: Magnetresonanzspektroskopie erkennt dauerhafte Hirnschäden frühzeitig
16. November 2018
Essen – Die Staatsanwaltschaft hat ihre Ermittlungen gegen die Kinder- und Jugendklinik Gelsenkirchen im Zusammenhang mit der Filmdokumentation „Elternschule“ eingestellt. „In dem Film ist nichts zu
LNS LNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

Anzeige
NEWSLETTER