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Wirkstoff aus der chinesischen Medizin könnte beim Abnehmen helfen

Donnerstag, 13. September 2018

Hypothalamische Neuronen in Zellkultur, die teilweise auf Leptin reagieren (rot). Zellkerne sind blau, die Membran gelb gefärbt./ Helmholtz Zentrum München
Hypothalamische Neuronen in Zellkultur, die teilweise auf Leptin reagieren (rot). Zellkerne sind blau, die Membran gelb gefärbt./ Helmholtz Zentrum München

München – Von einer möglichen Behandlungsoption gegen krankhaftes Übergewicht berichten Wissenschaftler des Helmholtz Zentrums München im Fachmagazin Diabetes (2018; doi: 10.2337/db18-0146). Die Forscher um Paul Pfluger stellen einen pflanzlichen Wirkstoff aus der chinesischen Medizin namens Celastrol vor. Der Wirkstoff entstammt einer Pflanze namens „Wilfords Dreiflügelfrucht“, einem Vertreter der Spindelbaumgewächse aus Südchina. Bisher fiel die Substanz laut der Arbeits­gruppe vor allem durch antientzündliche Wirkung auf.

Die Arbeitsgruppe aus der Abteilung Neurobiologie des Diabetes am Helmholtz Zentrum München hat die Wirkung des Wirkstoffes im Tiermodell untersucht. Die Münchner Forscher konnten nachweisen, dass Celastrol spezifisch Sättigungszentren im Gehirn aktiviert, die bei der Steuerung des Körpergewichtes eine zentrale Rolle spielen. „Normalerweise verlieren die Betroffenen ihr Sättigungsgefühl, da das entsprechende Hormon Leptin nicht mehr wirkt. Der von uns untersuchte Wirkstoff Celastrol stellt die Leptin-Sensitivität und damit die Sättigung wieder her“, erläutert die Erstautorin der Studie, Katrin Pfuhlmann. 

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Leptin ist ein vom Fettgewebe gebildetes Hormon, das über eine Aktivierung der Leptin-Rezeptoren im Gehirn ein Sättigungsgefühl auslöst. In adipösen Mäusen und Menschen ist Leptin zwar in hoher Konzentration im Blut vorhanden, kann aber die Rezeptoren aufgrund einer Resistenz nicht aktivieren.

Die Gabe von Celastrol führte im Mausmodell zu einer deutlich geringeren Nahrungsaufnahme.Paul Pfluger, Helmholtz Zentrum München

Tatsächlich beobachteten die Forscher ein deutlich verändertes Essverhalten bei den übergewichtigen Tieren. „Die Gabe von Celastrol führte im Mausmodell zu einer deutlich geringeren Nahrungsaufnahme“, berichtet Pfluger. „Entsprechend konnten wir binnen einer Woche einen durchschnittlichen Verlust von rund 10 % Körpergewicht feststellen.“ 

Den Mechanismus über Leptin konnten die Wissenschaftler demonstrieren, indem sie Mäuse ohne Leptin-Rezeptor beobachteten, hier zeigte Celastrol keine Wirkung mehr.

Inwiefern sich die Befunde auch beim Menschen bestätigen lassen, sei noch unklar, so die Autoren. Studienleiter Pfluger ist aber zuversichtlich: „Das Sättigungshormon Leptin wirkt im Menschen und der Maus nahezu identisch, Celastrol hat also großes Potential“, betonte er. Die zum Abnehmen notwendige Veränderung der Ernährungs­gewohnheiten und Lebensumstände werde Celastrol zwar nicht ersetzen, es könne aber den Patienten bei seinen Bemühungen um eine nachhaltige Gewichtsreduzierung unterstützen. 

© hil/aerzteblatt.de

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