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Politik

Warnung vor Zerschlagung der Behandlungs­strukturen bei Schlaganfall­versorgung

Freitag, 14. September 2018

/dpa

Berlin – Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) hat den Krankenkassen vorgeworfen, über die vom Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) durchgeführten Abrechnungsprüfungen eine Strukturbereinigung im stationären Bereich herbeiführen zu wollen. Die Abrechnungsprüfungen würden vom MDK nicht durchgeführt, um Fehlkodierungen der Krankenhäuser zu identifizieren, sondern um das Potenzial für Erlöskürzungen zu heben, meinte der Präsident der DKG, Gerald Gaß, gestern vor Journalisten in Berlin. Auch um die Ergebnisqualität gehe es den Krankenkassen dabei nicht.

Als Beispiel nannte Gaß die Schlaganfallversorgung in Deutschland, die durch die Krankenkassen derzeit akut bedroht werde. Im Juni hatte das Bundessozialgericht (BSG) eine Strukturvorgabe im Bereich der Schlaganfallversorgung geändert. Bislang erhielten die beteiligten Krankenhäuser eine Vergütung, wenn die Zeit zwischen dem Beginn und dem Ende eines Rettungstransports 30 Minuten nicht überschritt. Dem BSG zufolge beginnt die Frist nunmehr mit der Entscheidung des behandelnden Arztes zur Verlegung in eine Neurochirurgie und endet mit der Übergabe an die Ärzte dieser Abteilung.

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„Eine solche Fristsetzung führt in der praktischen Anwendung dazu, dass die Komplexbehandlung des Schlaganfalls nur noch in den Kliniken durchgeführt werden kann, die selbst über eine neurochirurgische Abteilung verfügen“, hatte Gaß bereits im Anschluss an das Urteil erklärt.

Drei Viertel der Schlaganfalleinheiten sind bedroht

Auch die Fachgesellschaften kritisierten das Urteil. In Deutschland existiere eine gut funktionierende, flächendeckende Versorgung von Patienten mit akutem Schlaganfall, erklärten die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) und die Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft (DSG) nach dem Urteil. Ein wesentlicher Bestandteil sei die tragfähige Kooperation zwischen regionalen Stroke Units und überregionalen Schlaganfallzentren, an denen auch neurochirurgische und neuroradiologische Leistungen vorgehalten würden.

Gaß berichtete, dass die Krankenkassen derzeit Briefe an die Krankenhäuser verschickten, in denen sie mit Verweis auf das BSG-Urteil ankündigten, die komplexe Schlaganfallversorgung nicht mehr zu vergüten, wenn die vom BSG geänderte Frist nicht eingehalten werde. „Für die betroffenen Häuser würde das einen Erlösverlust von einem Drittel bedeuten“, sagte Gaß. Von den 400 Schlaganfalleinheiten in Deutschland seien in der Folge drei Viertel bedroht, weil sie nicht selbst über eine eigene Neurochirurgie oder Neuroradiologie verfügten.

Die wohnortnahe Erreichbarkeit von Schlaganfalleinheiten, eine unmittelbare CT-Diagnostik und die Einleitung einer Therapie werde dann nicht mehr möglich sein. Problematisch sei zudem, dass die betroffenen Krankenhäuser die entsprechenden Erlöse bis zu vier Jahre rückwirkend zurückzahlen sollten. „Das ist ein weiteres Beispiel dafür, dass die Krankenkassen versuchen, jenseits der Patientenorientierung Strukturen zu zerschlagen, die die Politik explizit erwünscht“, kritisierte Gaß.

Kritik an „absurden“ Strukturvorgaben

Und auch in anderen Bereichen seien die Strukturvorgaben für die Krankenhäuser zu hoch, kritisierte der DKG-Präsident. So habe das BSG zum Beispiel ebenfalls vorgegeben, wie Teambesprechungen in der Geriatrie zu protokollieren seien. Wenn das Protokoll diesen Vorgaben nicht entspreche, könnten die Kassen die gesamte Erlöszahlung einstellen. Das sei eine völlig absurde Situation.  

DKG-Hauptgeschäftsführer Baum forderte das Bundesgesundheitsministerium auf, die Vorgaben für die Erbringung der komplexen Schlaganfallbehandlung so zu konkre­tisieren, dass alle beteiligten Krankenhäuser weiterhin Erlöse für die von ihnen erbrach­ten Leistungen erhielten, und zudem dafür zu sorgen, dass die Krankenhäuser nicht rückwirkend Erlöse zurückzahlen müssten. © fos/aerzteblatt.de

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