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Medizin

Studie: Inhalative Steroide erhöhen Infektionsrisiko mit nicht-tuberkulösen Mykobakterien

Freitag, 14. September 2018

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Palo Alto – Ist der breite Einsatz von inhalativen Steroiden für die Zunahme von nicht-tuberkulösen Mykobakteriosen verantwortlich? Eine Fall-Kontroll-Studie in den Annals of the American Thoracic Society (Online) ist die dritte Untersuchung, die die bei Asthma, aber auch bei COPD häufig eingesetzten Medikamente mit einem erhöhten Erkrankungsrisiko in Verbindung bringt.

Nicht-tuberkulöse Mykobakterien sind in Böden und Grundwasser, Staub sowie Süß- und Meerwasser verbreitet. Sie galten lange als ungefährlich für den Menschen. Erst in den 1950er Jahren wurde entdeckt, dass „Mycobacteria other than tuberculosis“ bei Kindern und zumeist abwehrgeschwächten älteren Menschen schwere Infektionen auslösen können.

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Vor der Entwicklung effektiver antiretroviraler Medikamente waren Infektionen mit atypischen Mykobakterien eine häufige Folge der erworbenen Immunschwäche Aids. Obwohl heute HIV-Infizierte weitgehend geschützt sind, hat die Zahl der Infektionen mit nicht-tuberkulösen Mykobakterien weiter zugenommen. In den USA ist die Prävalenz seit den 1980er Jahren von 1,8 auf über 40 pro 100.000 Personen gestiegen.

Als mögliche Ursache stehen inhalative Steroide im Verdacht. Sie wurden in den 1980er Jahren zunächst bei Asthmapatienten eingesetzt, wo sie heute als unverzicht­barer Bestandteil der Behandlung gelten. Inhalative Steroide werden jedoch zunehmend auch älteren Patienten mit chronisch-obstruktiven Lungenerkrankungen (COPD) verordnet. Der Einsatz in dieser Indikation ist umstritten: Eine Prävention von Exazerbationen wie bei Asthmapatienten ist nicht sicher belegt. Dennoch sollen in den USA bereits drei Viertel aller COPD-Patienten mit inhalativen Steroiden behandelt werden.

Auch 30 Prozent der 248 Versicherten von Kaiser Permanente, bei denen eine nicht-tuberkulöse Mykobakteriose diagnostiziert wurde, litten an einer COPD. Bei weiteren 10 Prozent war eine Bronchiektasie diagnostiziert worden, die ebenfalls eine unsichere Indikation für inhalative Steroide ist. Die restlichen 60 Prozent litten an Asthma. Das Durchschnittsalter aller Patienten betrug 64 Jahre. 

Ein Team um Stephen Ruoss von der Stanford Universität in Palo Alto hat die Patienten mit jeweils zehn Patienten verglichen, die gleich häufig an Asthma, COPD oder Bronchiektasien litten, bei denen aber keine nicht-tuberkulöse Mykobakteriose diagnostiziert wurde.

Die Analyse ergab, dass die Patienten mit nicht-tuberkulöser Mykobakteriose fast viermal so häufig mit inhalativen Steroiden behandelt wurden. Nach Berücksichtigung anderer Begleitfaktoren sank die Odds Ratio auf 2,74, war mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 1,83 bis 4,09 jedoch weiter signifikant. Das Risiko stiegt mit der Dauer der Anwendung und der Dosis des inhalativen Steroids. Diese Dosis-Wirkungs-Beziehung unterstreicht in epidemiologischen Studien eine Kausalität.

Die Studie ist nicht die erste, die den Einsatz von inhalativen Steroiden mit nicht-tuberkulösen Mykobakteriosen in Verbindung bringt. Vor fünf Jahren konnten Claire Andréjak und Mitarbeiter vom Centre Hospitalier Universitaire Amiens durch die Analyse von Patientendaten aus Dänemark zeigen, dass Patienten mit COPD ein fast 30-fach erhöhtes Risiko auf eine nicht-tuberkulöse Mykobakteriose haben, wenn sie mit inhalativen Steroiden behandelt wurden, wobei das Risiko ebenfalls mit der Dosis anstieg (Thorax 2013; 68: 256-262). 

Sarah Brode von der Universität Toronto und Mitarbeiter fanden bei der Auswertung von Krankendaten des Teilstaats Ontario heraus, dass Anwender von inhalativen Steroiden ein erhöhtes Risiko auf eine nicht-tuberkulöse Mykobakteriose haben, wobei die Odds Ratio nur für Fluticason (2,09; 1,80-2,43), nicht aber für Budesonid (1,19; 0,97-1,45) signifikant war (European Respiratory Journal 2017 50: pii: 1700037). Für die Tuberkulose wurde übrigens kein erhöhtes Risiko gefunden. © rme/aerzteblatt.de

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