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Ärzteschaft

Mehr Fachärzte für die Versorgung Demenzkranker nötig

Montag, 17. September 2018

/Ocskay Bence, stock.adobe.com

Berlin – Mehrere Verbände haben heute eine bessere Versorgung von Demenzkranken durch spezialisierte Fachärzte gefordert. Politik und Ärzte müssten fördern, dass junge Menschen Berufe ergriffen, die älteren und demenzkranken Menschen helfen, sagte der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Gerontopsychiatrie und -psychotheraphie, Michael Rapp, heute. Insbesondere Gerontopsychiater fehlten.

Zudem seien in Studien in den vergangenen Jahren in Pflegeheimen Versorgungs­lücken aufgezeigt worden, erklärte Rapp. Es gebe Projekte, die eine gute Versorgung Dementer zeigten, doch viele Ansätze seien nicht über die Testphase herausgekommen. Für eine gute Versorgung seien gut ausgebildete Altenpfleger und gute Arbeits­bedingungen nötig.

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Staatliche Drittmittelgeber in der Pflicht

Die Forschung habe in den vergangenen Jahren deutliche Fortschritte bei der Früherkennung der Krankheit gemacht, erklärte die Vorsitzende des Vereins Hirnliga, Isabella Heuser. Jetzt müssten Therapien erforscht werden, damit Betroffene mit leichten kognitiven Störungen keine starke Demenz entwickelten. Staatliche Drittmittelgeber müssten daher stärker klinische Forschung unterstützen, die für die Pharmaindustrie nicht interessant sei.

Nach Rapps Einschätzung liegt zu wenig Fokus auf nicht-medikamentösen Therapien wie der Ergotherapie. Auch vorbeugende Maßnahmen wie körperliche Aktivität, ein gesunder Lebensstil oder eine gute Behandlung von Krankheiten wie Depressionen, Herzkrankheiten oder Schlaganfall hätten einen positiven Einfluss auf Demenz-Vorbeugung und müssten gefördert werden.

Rapp kritisierte einen hohen Einsatz von sedierenden Psychopharmaka. Rund 40 Prozent der Demenzkranken würden mit Medikamenten ruhiggestellt. Über längere Zeiträume habe die Einnahme schwere Nebenwirkungen zur Folge – wie etwa ein hohes Risiko für Schlaganfälle.

Zum vierten Mal findet von heute bis Sonntag bundesweit die „Woche für Demenz“ statt. Politik, Wissenschaft, Medizin und Betroffenenorganisationen wollen rund um den Welt-Alzheimertag am kommenden Freitag (21. September) auf die Situation von derzeit 1,7 Millionen Bundesbürgern mit Demenz und ihren Angehörigen aufmerksam machen. Die von der „Nationalen Allianz für Menschen mit Demenz“ ausgerufene Woche steht unter dem Motto „Demenz – dabei und mittendrin“.

Im Vorfeld der Aktionswoche wiesen Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) und Bun­des­fa­mi­lien­mi­nis­terin Franziska Giffey (SPD) darauf hin, dass die Krankheit oftmals tabuisiert werde. Erkrankte und Angehörige fühlten sich isoliert, erforderliche Hilfe und Unterstützung unterblieben. Betroffene müssten aber in die Mitte der Gesellschaft geholt werden.

Jährlich erkranken in Deutschland 300.000 Menschen neu an einer Form von Demenz, darunter vor allem an Alzheimer. Eine Heilung ist bislang nicht möglich. Allerdings deuten wissenschaftliche Erkenntnisse darauf hin, dass der Verlauf der Krankheit gemildert werden kann. © kna/afp/aerzteblatt.de

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