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Ärzteschaft

Nachbesserungsbedarf beim Konsenspapier zum Quereinstieg Allgemeinmedizin

Montag, 17. September 2018

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Düsseldorf – Die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein (KVNO) sieht Nach­besserungs­bedarf beim gerade erst unterzeichneten Konsenspapier zur finanziellen Förderung des Quereinstiegs von Ärzten in die Allgemeinmedizin, auf das sich die Ärztekammern, die Kassenärztlichen Vereinigungen und das Ge­sund­heits­mi­nis­terium in Nordrhein-Westfalen (NRW) verständigt haben.

„Ich halte die Vereinbarung insgesamt aber für ausgewogen, auch wenn wir uns Einiges noch prägnanter gewünscht hätten“, sagte Carsten König in der jüngsten Sitzung der Ver­tre­ter­ver­samm­lung (VV). So hält die KVNO den Wunsch des Landesgesundheits­ministeriums, besonders kleinere Gemeinden zu fördern, im Rheinland „für nicht ausreichend“.

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Als Beispiel nannte der stellvertretende KVNO-Vorstandsvorsitzende den Kreis Kleve, der deutlich mehr Einwohner habe als die im Papier festgelegte Zahl von 40.000 und trotzdem zu den Regionen gehöre, die von Unterversorgung bedroht seien. Auch in diesen Regionen sollte nach Ansicht Königs der Quereinstieg von Ärzten in die Allgemeinmedizin finanziell gefördert werden.

„Wir wollen bis April 2019 Erfahrungen sammeln und dann nachverhandeln“, kündigte er mit Blick auf die für das kommende Jahr geplante Evaluierung an. „Gleichwohl gehen wir davon aus, dass die finanzielle Unterstützung endlich mehr Kolleginnen und Kollegen zu einem Quereinstieg bewegen wird.“ Erste Anfragen dazu hätten die KVNO bereits erreicht.

Viel Bewegung gebe es auch bei den Disease-Management-Programmen (DMP) im Rheinland, freute sich König. So könnten in das DMP Asthma künftig bereits Kinder ab dem zweiten Lebensjahr aufgenommen werden. Zusätzlich seien bessere Schulungen und Fortbildungen für die Eltern geplant.

Für das neu auf den Weg gebrachte DMP Herzinsuffizienz sei ein entsprechender Vertragsabschluss mit den Kostenträgern im ersten Drittel des Jahres 2019 absehbar. „Gelungen finde ich dabei auch, dass es möglich ist, Patienten durch qualifizierte Befragungen anhand sicherer Scores zu überwachen“, erläuterte der KVNO-Vize. Das könnten entsprechend qualifizierte Praxis-Mitarbeiter übernehmen und werde so zu einer Entlastung der Ärzte führen.

Auch die inzwischen vollzogene inhaltliche Überarbeitung des DMP Brustkrebs sei „äußert wichtig, da Brustkrebs die häufigste Krebserkrankung von Frauen darstellt.“ Das bisherige DMP habe vor allem auf die Therapie abgezielt, die aber inzwischen weitgehend von den Kliniken durchgeführt werde. Demgegenüber ziele das überarbeitete DMP stärker auf die Nachsorge ab, darunter auch auf die Vorsorge von Folgeerkrankungen der Therapie wie Osteoporose.

König hofft, „dass viele Kolleginnen und Kollegen ihre Patientinnen zur Teilnahme an dem DMP motivieren“. Gut an kommt bei den rheinischen Vertragsärzten inzwischen das DMP-Teilnehmerverzeichnis, das die KVNO Ende vergangenen Jahres eingerichtet hat. „Die Einschreibequalität hat sich in den letzten Monaten deutlich verbessert“, berichtete König.

„Dadurch konnten wir die mögliche Abrechnung falscher Symbolziffern deutlich verringern.“ Die Honorarberichtigungen, die in 2017 noch zehn Millionen Euro betragen hätten, seien jetzt „auf ein kleines Niveau gesunken“. „Besonders freut mich, dass sich ab 2019 auch die Barmer als erste Ersatzkasse unseren Qualitätsmaßnahmen anschließen möchte.“

© ts/aerzteblatt.de

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Avatar #88767
fjmvw
am Dienstag, 18. September 2018, 09:18

Merken die im Elfenbeinturm überhaupt noch Einschläge?

Erst unterzeichnet die KVNO ein Konsenspapier. Um dann, am Tag darauf, Nachbesserungsbedarf an dem Papier festzustellen, das man selbst mitunterzeichnet hat. Wieso unterschreibe ich heute ein Konsenspapier, wenn meine Position nicht so enthalten ist, dass ich das Papier morgen noch mittragen kann?

Schwamm drüber, es ist eine KV. Und bei KVen scheitert man mit normalem Menschenverstand auf ganzer Linie. Beispiel gefällig? Steht auch in dem Artikel.

Der Kreis Kleve fällt auf Grund seiner Größe nicht in das Schema, gemäß dem es eine finanzielle Förderung für Quereinsteiger gibt. Statt die grundsätzliche Frage aufzuwerfen, ob das gewählte „Schema“ überhaupt zweckmäßig ist, Kleve widerlegt dies offensichtlich, will man irgendwie nachbessern. Aber man will nicht sofort nachbessern, obwohl Kleve schon heute das Problem hat.
Der Zeitplan sieht vor, erst Erfahrungen zu sammeln und dann nachzuverhandeln.

Sollten Sie sich fragen, wie man gestrickt sein muss, um einen offensichtlichen Mangel erst über längere Zeit zu beobachten, um dann nachzuverhandeln, bin ich bei Ihnen. Diese Frage stelle ich mir auch. Aber dann fällt mir wieder die Antwort ein: Das gesamte System ist von A bis Z planwirtschaftlich organisiert. Was nicht im Plan steht, wird nicht gemacht – selbst wenn es dringend nötig wäre. Umgekehrt wird gemacht, was im Plan steht, auch wenn es überhaupt nicht notwendig ist.

Übrigens, haben Sie sich schon einmal gefragt, was diese Verwalter eigentlich „nachverhandeln“ wollen? Entweder ist Kleve von Unterversorgung bedroht, wobei man Unterversorgung anhand von Größen wie Demografie bei Ärzten und der Bevölkerung oder Wartezeiten auf Termine oder auch Anzahl der Krankenhauseinweisungen o. ä. bestimmen könnte, oder Kleve ist nicht von Unterversorgung bedroht. Wie auch immer das Ergebnis ausfällt, es ist eine Ja/Nein – Aussage. Entweder Unterversorgung anhand bestimmter Kriterien festgestellt, dann Förderung. Oder eben keine Unterversorgung, dann keine Förderung.

Oder will man, vom Plan abweichend, im Einzelfall Kleve nach anderen Kriterien entscheiden? Falls ja, warum? Weil es in Kleve trotz der formalen Feststellung „Unterversorgung liegt nicht vor“ irgendwie trotzdem nicht genügend Hausärzte gibt – also doch Unterversorgung? Falls das die Begründung sein sollte, dann stellen sich mehrere Fragen:
1. Gibt es noch andere Regionen, die zwar formal nicht unterversorgt sind, de facto aber schon?
2. Wer prüft die Sachverhalte in den anderen Regionen? Vor allem, nach welchen Kriterien wird entschieden, dass trotz „formal keine Unterversorgung“ trotzdem eine Unterversorgung vorliegt?
3. Was taugt ein Plan, der sich auf eine wieauchimmergemessene Feststellung „Unterversorgung liegt nicht vor“ stützt, wenn jeder weiß, dass der Plan bereits vor Inkraftsetzung unzureichend ist und man nachbessern muss?
(Nur zur Info: Wissen Sie, wie das System heißt, bei dem vor Ort auf jede sich ergebende Veränderung automatisch und vor allem viel schneller reagiert wird als in einer Planwirtschaft? Dieses System heißt Marktwirtschaft.)
LNS

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