NewsMedizinMachen Reinigungsmittel im Haushalt Babys dick?
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Machen Reinigungsmittel im Haushalt Babys dick?

Dienstag, 18. September 2018

/VadimGuzhva, stockadobecom

Edmonton/Alberta – Der häufige Einsatz von Desinfektionsmitteln im Haushalt hat in einer prospektiven Kohortenstudie im Canadian Medical Association Journal (2018; 190: E1097–E1107) die Darmflora von Säuglingen verändert und möglicherweise ein Übergewicht im Alter von 3 Jahren begünstigt.

Säuglinge halten sich die meiste Zeit innerhalb der heimischen Wohnung auf. Die Bakterien, die sie dort über den Mund aufnehmen, beeinflussen die Zusammensetzung ihrer Darmflora. Viele Mütter sind besorgt, dass ihren Kindern etwas zustoßen könnte und reinigen deshalb die Wohnungen regelmäßig und gründlich. Immer häufiger kommen dabei Desinfektionsmittel zum Einsatz, um Keime von Oberflächen zu entfernen.

Anzeige

Eine Analyse der CHILD-Kohorte („Canadian Healthy Infant Longitudinal Development“) zeigt jetzt, dass die Desinfektionsmittel tatsächlich die Darmflora verändern. Die Studie begleitet 3.296 Kinder aus 3 kanadischen Städten seit der Schwangerschaft ihrer Mütter. Im Alter von 3 Monaten wurden Stuhlproben entnommen und im Labor untersucht. Gleichzeitig füllten die Mütter einen Fragebogen zu ihren Reinigungs­gewohnheiten aus und welche Mittel sie dabei benutzen. 

Wie Anita Kozyrskyj von der Universität von Alberta in Edmonton und Mitarbeiter berichten, hatten die Reinigungsgewohnheiten Auswirkungen auf die Darmflora der Kinder. Wenn die Mütter sehr häufig Desinfektionsmittel eingesetzt hatten, stieg der Anteil der Lachnospiraceae in den Stuhlproben. Kozyrskyj ermittelte eine adjustierte Odds Ratio von 1,93, die mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 1,08 bis 3,45 signifikant war. Gleichzeitig sank der Anteil der Gattung Haemophilus. Die adjustierte Odds Ratio betrug hier 0,36 (0,20 bis 0,65).

Ein erhöhter Anteil von Lachnospiraceae weist nach Ansicht vieler Forscher auf eine Störung der Darmflora hin. Eine Ausbreitung von Lachnospiraceae wurde in anderen Studien mit einer Anfälligkeit gegenüber Ekzemen und einem Typ-1-Diabetes in Verbindung gebracht, berichtet Kozyrskyj. Experimente an Mäusen hätten gezeigt, dass es nach einer Antibiotikabehandlung zu einer Ausbreitung von Lachnospiraceae kommen kann. 

Die Verwendung von umweltfreundlichen Reinigungsmitteln hatte dagegen günstige Auswirkungen auf die Darmflora. Es kam zu einem deutlichen Rückgang von Enterobacteriaceae (adjustierte Odds Ratio: 0,45; 0,27–0,74).

Die Veränderung der Darmflora könnte nach Einschätzung von Kozyrskyj langfristige Nachteile für die Kinder haben. Ein erster Hinweis war ein erhöhtes Körpergewicht der Säuglinge, deren Mütter Desinfektionsmittel im Haushalt verwendet hatten (adjustierte Odds Ratio: 0,44; 0,22–0,86). Ob die Gewichtsentwicklung der Kinder langfristig gestört ist, lässt sich allerdings im Alter von 3 Monaten noch nicht abschätzen. © rme/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

13. Dezember 2018
Genf – Der Tod von 1,7 Millionen Neugeborenen könnte nach einer UN-Studie jedes Jahr mit richtiger medizinischer Versorgung verhindert werden. Zusätzlich könnten bei Hunderttausenden Babys lebenslange
1,7 Millionen Neugeborene könnten gerettet werden
12. Dezember 2018
Berlin – Kinder aus Haushalten mit niedrigem sozioökonomischen Status (SES) nehmen tendenziell andere Ärzte in Anspruch als Kinder aus wohlhabenden Familien. Auch bei der Zahnpflege und bei den
Arme Kinder werden häufiger stationär versorgt
12. Dezember 2018
Frankfurt am Main – Nach einem erfolgreichen Einsatz von Krankenschwestern an zehn Schulen in Frankfurt und im Raum Offenbach erwägt das Land Hessen eine Ausweitung des Projekts. Der Modellversuch mit
Modellversuch mit Schulgesundheitsfachkräften soll verlängert werden
12. Dezember 2018
Sacramento – Die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) und Autismus-Spektrum-Störungen (ASD) treten familiär gehäuft auf. Eine Studie in JAMA Pediatrics (2018; doi:
Jüngere Geschwister erkranken häufiger an ADHS oder Autismus
12. Dezember 2018
Brüssel – Das Europäische Parlament will die Krebsforschung bei Kindern deutlich ausbauen. Ein entsprechender Beschluss wurde heute im Rahmen der Abstimmung über das neue Forschungsprogramm „Horizont
Krebsforschung bei Kindern: EU-Parlament verabschiedet Grundstein für Milliardenförderung
10. Dezember 2018
Portland/Oregon – Eine Behandlung mit Vitamin C kann die Lungenschäden von Säuglingen, zu denen es durch das Tabakrauchen ihrer Mütter während der Schwangerschaft kommt, abschwächen. Dies ergab eine
Passivrauchen: Vitamin C in der Schwangerschaft verbessert Lungenfunktion von Säuglingen
7. Dezember 2018
Berlin – Von Buntstiften über Spielschleim bis zu Laufrädern: Produkte für Kinder sind aus Sicht der Stiftung Warentest besonders häufig mangelhaft. Von 278 Produkten stellten die Prüfer bei 79
LNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

Anzeige
NEWSLETTER