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Augenärzte warnen vor sogenannter Irisdiagnostik

Dienstag, 18. September 2018

/auremar, stock.adobe.com

Berlin – Die Deutung von Farbe, Flecken oder Furchen an der Iris ist für die Diagnose von Organschwächen, Rheuma oder Stoffwechselproblemen ungeeignet. Die sogenannte Iridologie, die zu den alternativen Diagnoseverfahren zählt und an der Regenbogenhaut des Auges Erkrankungen erkennen und sogar vorhersagen will, ist aus medizinisch-wissenschaftlicher Sicht unhaltbar. Das betont die Deutsche Ophthal­mologische Gesellschaft (DOG). 

Änderungen der Struktur in Form von Furchen, Streifen, Farbe oder Flecken auf der Iris besitzen laut der Fachgesellschaft keine medizinische Aussagekraft. Davon gehe die Iridologie jedoch aus. „Bis heute gibt es für die Irisdiagnostik keine anatomische oder physiologische Evidenz“, erläutert der DOG-Experte Martin Rohrbach von der Universi­täts-Augenklinik Tübingen. Die Irisdiagnostik sei daher medizinisch sinnlos. Bei den „Irisflecken“ etwa handle es sich um harmlose Ansammlungen von Pigmentzellen. „Die bräunlichen Punkte hat fast jeder im Auge“, so Rohrbach.

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Dementsprechend konnten die Thesen der Iridologie laut der Fachgesellschaft noch in keinem einzigen Fall wissenschaftlich bestätigt werden. „Egal, ob es sich um Karzinome des Magen-Darm-Traktes handelte oder Gallenblasenleiden: Die Irisdiagnostik kam über die reine Ratewahrscheinlichkeit nicht hinaus“, erläutert Rohrbach.

Iridologen, die weit überwiegend als Heilpraktiker tätig sind, vertreten die Anschauung, dass der gesamte Körper mit der Iris nerval verbunden ist. Alle Teile des menschlichen Körpers sollen demnach in Form von „Organfeldern“ repräsentiert sein – die rechte Körperhälfte in der rechten Iris, die linke in der linken Iris, die obere Körperhälfte in den oberen und die untere in den unteren Regenbogenhauthälften. An Änderungen der Struktur könnten zurückliegende, aktuelle und künftige Erkrankungen abgelesen werden. „Derzeit sind in Deutschland etwa 45.000 Heilpraktiker tätig, von denen schätzungsweise 5.000 bis 8.000 iridologisch tätig sein dürften“, umreißt die DOG.

Die Fachgesellschaft weist darauf hin, dass aber einige wenige krankhafte Verän­derungen der Regenbogenhaut tatsächlich auf Systemerkrankungen hindeuten. „Das angeborene Fehlen der Iris etwa kann auf einen Nierentumor hinweisen, Knötchen an der Iris auf eine Trisomie 21, die Tumorerkrankung Neurofibromatose oder die entzündliche Gewebserkrankung Sarkoidose“, erläutert Nicole Eter, Präsidentin der DOG und Direktorin der Universitäts-Augenklinik Münster. Zudem können sich bösartige Tumoren der Lunge oder der Brustdrüse an der Iris absiedeln. © hil/aerzteblatt.de

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Avatar #79783
Practicus
am Dienstag, 9. Oktober 2018, 23:40

Das kenne ich auch...

... kommt ein Patient vom Orthomolekularmediziner. "Seitdem ich das einnehme, bin ich gesund und alle meine Werte sind nomal..." ein Riesenberg Pillen auf dem Tisch: Selen, Molybdän, Kobalt, Zink, Vitamine A-Z... aber den HbA1c von 10.5 als und die eGFR von 35 "völlig in Ordnung" zu bezeichnen, fiel mir dann doch schwer. Über 1000€ hatte die "vollständige Haaranalyse" gekostet, nochmal fast genausoviel die Messung des "oxidativen Stress" und die Spezialpräparate zur Behandlung - aber BZ und Krea standen nicht auf dem Laborzettel des "Komplementärmediziners"
Avatar #115916
WiseDoc/ii
am Dienstag, 9. Oktober 2018, 10:47

Hmm... hatte er recht?

@Tom Hofman:

Alle Blutwerte waren also o.k. Ihr Arzt hatte also recht.

Die Haaranalyse zeigte Nährstoffmängel. Aha.

Dazu zwei Anmerkungen: Wie sind denn die entsprechenden Werte in dem Hautanhangsgebilde "Haar" normalerweise, und normalerweise bei Ihnen? Mich würde nicht wundern, wenn der Körper so wichtige Spurenelemente eben gerade NICHT ins Haar einbaut, und nicht in überschiessenden Mengen...

Und: Zur Haardiagnostik würde ich Ihnen einen Friseur empfehlen. Der kennt sich da mit Sicherheit aus...
Avatar #717145
Tom Hofmann
am Dienstag, 9. Oktober 2018, 01:21

Hmm... er hatte aber recht...

Ein selbsternannter Schamane ... also auch ein Iris-Gucker sagte mir dass ich Nährstoffmangel habe. darauf hin ließ ich entgegen dem Willen meines Arztes einen großen Bluttest machen. Und siehe da, alle Werte sind hoch..der Arzt tanzte fast auf seinem Tisch da er recht hatte.
Jetzt hatte ich eine Haaranalyse und hier zeigt sich der Nährstoffmangel in B6 , Biotin, Folsäure, B12, Selen.
Und nun ? Der Iris-Gucker hatte also recht.
Avatar #683778
Freudi
am Montag, 24. September 2018, 17:45

Pro-Natur

Liebe/r Pro-Natur,
"Empirischer Beweis" - eigentlich doch ein Widerspruch in sich, oder?! Und dann ein Breitbandwurmmittel gegen einen Einzeller....! Sind das nicht Kanonen auf Spatzen? Und hat der Herr/die Dame auch schon mal was von "Spontanverlauf" gehört? Den gibt es sehr viel öfter, als wir denken. Aber wir sind ja schon gut, wenn wir den Spontanverlauf nicht negativ beeinflussen...
Avatar #88255
doc.nemo
am Montag, 24. September 2018, 08:40

Was wir über die Irisdiagnostik wissen?

Dasselbe wie über die Homöopathie, nämlich ALLES. Und das lässt sich in einem Satz sagen: Sie ist Unsinn.
Avatar #109757
Loewenherz
am Donnerstag, 20. September 2018, 15:33

@Pro-Natur

Ich darf Sie bitten sich auf dieser Plattform nicht mit mutmaßlicher Empirie sondern mit Fakten auseinanderzusetzen. Für die Irisdiagnostik gibt es keinerlei relevante Studiendaten, die die Irisdiagnostik in einen medizinisch relevanten Kontext stellen könnten. Somit befindet sich diese nach derzeitiger Studienlage auf der Ebene anderer von Gesundbetern, Quacksalbern und Scharlatanen vertretenen DIagnostik und "Heilmethoden".
Bevor jetzt wieder "wer heilt hat Recht" kommt: Stimmt, aber ob man mit seinem Handeln tatsächlich mehr Heilung als ein Placebo hinbekommt, das muss man heutzutage leider nachweisen. Dafür gibt es genug Methoden.
LNS

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