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Medizin

Muskelrelaxanzien erhöhen bei einer Narkose das Risiko von Lungenkomplikationen

Dienstag, 25. September 2018

Narkose /dpa
Auch unter Narkose können sich Muskeln unwillkürlich bewegen und damit Fortgang und Erfolg der Operation gefährden. /dpa

München – Für einige Operationen ist es notwendig, Muskeln während der Narkose mit Medikamenten zu entspannen. Hinweise, dass damit postoperative Lungen­komplikationen verbunden sind, konnten Forscher der Technischen Universität München (TUMin einer prospektiven Beobachtungsstudie POPULAR bestätigen. Die Ergebnisse haben sie in Lancet Respiratory Medicine publiziert (2018; doi:  10.1016/S2213-2600(18)30294-7).

Auch unter Narkose können sich Muskeln unwillkürlich bewegen und damit Fortgang und Erfolg der Operation gefährden. „Um das zu vermeiden, können wir die Muskulatur vorübergehend mit Muskelrelaxanzien lähmen“, erklärt Manfred Blobner von der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin am Klinikum rechts der Isar der TUM. Diese Medikamente seien besonders wichtig, wenn im Bauch oder im Brustkorb operiert würde. Sie werden auch verwendet, um Stimmbandverletzungen zu vermeiden, wenn man einen Beatmungsschlauch in die Luftröhre platziert“, erläutert Blobner, der dem Lenkungskreis der POPULAR-Studie vorsteht. Die Beobachtungsstudie sammelte Daten von 22.803 Patienten in 211 Klinken in 28 europäischen Ländern.

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Die häufigsten Komplikationen bei einer Narkose mit Muskelrelaxanzien

Erste Ergebnisse bestätigen ein Phänomen, auf das frühere Arbeiten bereits hinge­deutet hatten: Werden bei einer Narkose Muskelrelaxanzien eingesetzt, steigt das Risiko bestimmter Komplikationen, die Lunge und Atemwege betreffen, signifikant.

Die häufigsten Komplikationen waren eine verringerte Fähigkeit der Lunge, Sauerstoff aufzunehmen (5,2 %) und Infektionen der Atemwege oder der Lunge (2,5 %). Bei rund 3 Viertel der Patienten wurden Muskelrelaxanzien eingesetzt. Bei ihnen war das absolute Risiko, eine pulmonale Komplikation zu erleiden, um 4,4 % erhöht.

Weder Überwachung noch Gegenmedikamente senken das Risiko

Die genauen Ursachen der Komplikationen wurden in der Studie nicht erforscht. Frühere Untersuchungen legen nahe, dass im Körper verblieben Reste der Muskel­relaxanzien verantwortlich sein könnten. Die Daten aus der POPULAR-Studie zeigen jedoch auch, dass etablierte Maßnahmen, um Restwirkungen zu vermeiden, das Risiko nicht vermindert haben.

Weder Medikamente zur Hemmung der Wirkung von Muskelrelaxanzien noch eine Messung der Muskelfunktion, um das vollständige Abklingen der Wirkung zu garan­tieren, beeinflussten die Ergebnisse. Aus Sicht der Autoren bedeutet dies nicht, dass die Maßnahmen ihren Zweck nicht erfüllen würden. Es sei jedoch wahrscheinlich, dass es noch Verbesserungsmöglichkeiten bei der Umsetzung gebe. Zudem könne es weitere Ursachen für die pulmonalen Komplikationen geben.

Bei kleineren Eingriffen auf Muskelrelaxanzien verzichten

„Muskelrelaxanzien haben seit ihrer Einführung Operationen deutlich sicherer und effektiver gemacht “, sagt Blobner. „Viele Eingriffe wären ohne Muskelrelaxanzien gar nicht möglich. Dennoch stellen sich durch die Ergebnisse von POPULAR neue Fragen.“

Blobner und seine Team planen weitere Studien, um den Mechanismen hinter den Komplikationen auf den Grund zu gehen. „Anhand unserer Ergebnisse würden wir jedoch bereits heute Anästhesistinnen und Anästhesisten raten, bei kleineren Eingriffen, die keine Lähmung der Muskulatur erfordern, auf Muskelrelaxanzien zu verzichten und die Atemwege statt mit einem Beatmungsschlauch in der Luftröhre mit einer Kehlkopfmaske zu sichern“, sagt Blobner. © idw/gie/aerzteblatt.de

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