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Nutriscore sorgt für gesündere Kaufentscheidung als Ampelkennzeichnung

Freitag, 21. September 2018

Verschiedene Kennzeichnungen zu Nährwerten auf der Verpackungsvorderseite sollen Verbraucher besser als bisher informieren. /dpa

Paris – Für die Lebensmittelkennzeichnung auf der Vorderseite der Packung gibt es verschiedene Modelle. Forscher aus Frankreich haben vier davon verglichen. Am besten konnten Verbraucher die Nährwertqualität anhand des Nutriscore einordnen, so das Resultat einer Onlineumfrage, die in Plos One publiziert wurde (2018; doi: 10.1371/journal.pone.0202095).

Im März 2017 hat sich das französische Ge­sund­heits­mi­nis­terium offiziell für dieses Label ausgesprochen. Auch die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ), der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) und die Deutsche Adipositasgesellschaft (DAG) sind vom Nutriscore überzeugt und forderten diese Woche erneut eine einfachere Kennzeichnung von Lebensmitteln. Hingegen hält der Spitzenverband der Lebensmittelwirtschaft BLL nicht viel vom Nutriscore. Eine solche Einteilung in gesunde und ungesunde Lebensmittel sei aus ernährungs­wissen­schaftlicher Sicht grundsätzlich nicht sinnvoll, teilt die Ernährungs­wissenschaftlerin Angela Kohl vom BLL mit.

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Die wenigsten Verbraucher nutzen die aktuellen Ernährungsinformationen auf der Verpackungsrückseite während ihres Einkaufs (Public Health Nutr. 2011). Zwar geben 40 Prozent der Verbraucher an, Nährwertangaben noch im Laden zu betrachten. Beobachtungen in Supermärkten zeigen aber, dass dies tatsächlich weniger als zehn Prozent tun (Journal of Public Health 2010). Ein Label auf der Vorderseite soll Informationen für Verbraucher verständlicher und leichter zugänglich machen.

Um das beste Label der vorgeschlagenen Modelle für die Verpackungsvorderseite zu identifizieren, haben die Forscher um Manon Egnell vom Sorbonne Paris Cité Epidemiology and Statistics Research Center (CRESS) fast 4.000 Teilnehmer im durchschnittlichen Alter von 50 Jahren online befragt. Ihnen wurden Bilder von drei Produkten derselben Lebensmittelkategorie – Frühstück, Snacks, Mahlzeiten – gezeigt. Diese sollten sie von der niedrigsten zur höchsten Nährwertqualität klassifizieren.

Vier Label im Vergleich

Bei der Einordnung konnten sich die Verbraucher an einem von vier Etiketten­formaten orientieren: Der Nutriscore bewertet vor allem aufgrund des Gehalts an Zucker, gesättigtem Fett und Salz und kennzeichnet dies mit einem Buchstaben- und Farbcode, ganz ähnlich der in Europa seit Langem etablierten Kennzeichnung des Energieverbrauches bei Elektrogeräten; das SENS-Etikett gibt dem Verbraucher anhand einer vierstufigen Farbskala eine Empfehlung, wie oft dieser ein Produkt essen sollte – ein Vorschlag vom Handels- und Einzelhandelsverband. Eine dritte Label­variante, die in der Studie verglichen wurde, war ein Vorschlag der Industrie – die modifizierte Version des Reference Intakes (mRIs). Sie orientiert sich an der empfohlenen Tagesdosis und gibt dabei Kilokalorien und Fettmengen, Zucker und Natrium in Gramm pro Portion an.

Als letztes Vergleichslabel diente die Lebensmittelampel (Multiple Traffic Lights, MTL), wie sie die britische FSA eingeführt hat. Die Ampel bietet Informationen über die Nährstoffmengen für eine Portion des Produkts, in Bezug auf Gesamtfett, gesättigte Fettsäuren, Zucker und Natrium und versieht diese im Gegensatz zum mRI mit einer Farbe (grün, orange, rot).

Lebensmittelkennzeichnungen unterscheiden sich deutlich

Label-Ranking

  1. Nutriscore (Odd Ratio = 20,33)
  2. SENS (OR = 9,57)
  3. Ampel mit Portionsgröße als Referenz (OR = 3,55)
  4. mRIs mit Portionsgröße als Referenz (OR = 1,53)

Im Vergleich zu einer „No-Label“-Situation führten alle vier Label auf der Vorderseite der Verpackung zu einem deutlich besseren Verständnis der Nährwertqualität. Das jeweilige Format machte dabei jedoch einen wesent­lichen Unterschied: Die beste Einord­nung der Lebensmittel gelang den Verbrauchern mit dem Nutriscore. Die Chance, die Nährwertqualität richtig einzuordnen, war 20-mal höher als ohne Label (Odd Ratio: 20,33 [17,68–23,37]). An zweiter Stelle folgte SENS mit einer Odd Ratio von 9,57 (8,50–10,77), die Ampel mit einer Odd Ratio von 3,55 (3,20–3,93), den geringsten Vorteil hatten die Verbraucher durch mRIs (Odd Ratio: 1,53 [1,39–1,69]).

Diese Rangfolge war bei allen Subpopulationen ähnlich, und die mit dem Nutriscore verbundenen ORs lagen alle über zehn. Frauen, jüngere Menschen, Nichtraucher, Personen mit höherem Bildungsniveau und solche mit Kindern hatten eine höhere Kapazität, gesündere Produkte zu identifizieren (alle P ≤ 0,05).

Fachgesellschaften empfehlen Nutriscore als App: Open Food Facts

In Deutschland hat bisher nur Danone angekündigt, den Nutriscore einzuführen. Sechs weitere große Lebensmittelkonzerne wollen EU-weit ein von Nestlé und Coca Cola abgewandeltes Ampelsystem auf die Vorderseite der Verpackung drucken. Diese Ampel würde selbst bei Süßigkeiten wie Nutella, das zu rund 90 Prozent aus Zucker und Fett besteht, oder fettig-salzigen Snacks wie Tuc-Crackern nicht auf Rot springen.

Bis zur allgemeinen Einführung des Nutriscore auch in Deutschland raten DGKJ, BVKJ und DAG dazu, die App Open Food Facts auf dem Smartphone zu nutzen. Damit kann man im Supermarkt den Barcode der Produkte einscannen und erhält sofort den Nutriscore für das Produkt. Mehr als 600.000 Produkte listet die Plattform bereits. © gie/aerzteblatt.de

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