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Medizin

US-Assistenzärzte am Limit: Fast die Hälfte der Residents klagt über Burnout

Mittwoch, 19. September 2018

/bst2012, stockadobecom

Rochester – Die klinische Ausbildung übersteigt bei vielen US-Ärzten die persönlichen Ressourcen. In einer landesweiten Umfrage im amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2018; 320: 1114–1130) klagte fast jeder zweite „Resident“ über Burnoutsymptome.

Die „Cognitive Habits and Growth Evaluation Study“ untersucht, wie sich das Wohlbefinden, die Erfahrungen und die Einstellungen zum Beruf im Medizinstudium und während der Ausbildungszeit in der Klinik verändern. Die erste Umfrage fand im 4. Studienjahr statt, die zweite im 2. Jahr der klinischen Ausbildung.

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Wie die von Liselotte Dyrbye von der Mayo Clinic in Rochester und Mitarbeitern vorgestellten Ergebnisse der 2. Umfrage zeigen, wirken viele angehende Ärzte zu Beginn ihrer Karriere desillusioniert. Sie fühlten sich mindestens einmal pro Woche „ausgebrannt“ oder sie bemerkten mindestens einmal pro Woche, dass sie gefühlloser gegenüber anderen Menschen geworden sind.

Diese beiden Angaben erlauben zwar keine sichere Diagnose eines Burnoutsyndroms, die die Beantwortung des Maslach Burnout Inventory mit 22 Fragen zu den 3 Dimen­sionen emotionale Erschöpfung, Depersonalisation und reduzierte persönliche Leistungsfähigkeit erfordert hätte. Eine erste Einschätzung ist nach Ansicht von Dyrbye jedoch möglich. 

Dieser erste Eindruck zeigt, dass das Burnoutsyndrom in den verschiedenen Fach­richtungen unterschiedlich häufig auftritt. Angehende Urologen (64 %), Neurologen (62 %), Notfallmediziner (54 %) und Allgemeinchirurgen (54 %) waren häufiger betroffen als Pathologen (35 %), Radiologen (35 %) oder Dermatologen (30 %).

Frauen klagten insgesamt häufiger über Burnoutsymptome als Männer und Afroamerikaner und Latinos häufiger als Amerikaner europäischer Herkunft. 

Mediziner, die während der Studienzeit höhere Werte in einem „Anxiety“-Score aufwiesen, waren häufiger betroffen als Studenten, bei denen die Forscher einen hohen „Empathie“-Score gefunden hatten.

Residents mit Burnoutsymptomatik bedauerten 3-mal häufiger andere Nachwuchs­ärzte, dass sie den Arztberuf gewählt haben. In den einzelnen Disziplinen gab es jedoch große Unterschiede. Die Pathologen, die relativ selten über einen Burnout geklagt hatten, gaben mit 33 % am häufigsten an, dass sie sich wahrscheinlich oder definitiv nicht ein 2. Mal für den Arztberuf entschieden hätten. Es folgen mit 21 % die Anästhesisten. Am zufriedensten scheinen die plastischen Chirurgen zu sein, die nur zu 7 % ihre eingeschlagene Karriere bedauerten. Es folgten die Allgemeinmediziner (9 %) und die HNO-Mediziner (9 %). © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #683778
Freudi
am Mittwoch, 19. September 2018, 23:58

Burnout? Depression!

Womöglich wird auch hier wieder mal vergessen, dass ich erst einmal eine ganze Weile gebrannt haben muß, bevor ich ausgebrannt bin! Vielleicht wäre es doch besser, die Sache ehrlicherweise als "Depression" zu bezeichnen? Das würde auch helfen, die Stigmatisierung des depressiv Erkrankten zu vermindern, weil es aus meiner Sicht in den meisten Fällen völlig falsch und auch kontraproduktiv ist, sich mit einem "Burnout" eine Auszeichnungsmedaillie an die Brust zu heften. Was wird denn mittel- bis langfristig aus den sog. Burnout-Patienten? Gibt es dazu schon brauchbare Studien? Vielleicht kommen wir doch nicht darum herum, Grundsätzliches i.R. der Arbeitsbedingungen zu ändern?!
LNS

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