NewsÄrzteschaftZehn Jahre CIRS: „Der Kulturwandel ist noch nicht vorbei“
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ärzteschaft

Zehn Jahre CIRS: „Der Kulturwandel ist noch nicht vorbei“

Mittwoch, 19. September 2018

/xixinxing, stock.adobe.com

Berlin – Vor zehn Jahren gründete die Ärztekammer Berlin in der Hauptstadt das Netzwerk Critical Incident Reporting System (CIRS) Berlin mit sieben Krankenhäusern. „Mittlerweile sind 36 Krankenhäuser dabei, vier davon in Brandenburg“, sagte der Präsident der Ärztekammer Berlin, Günther Jonitz, gestern anlässlich einer Jubiläumsfeier. „Das ist ein Erfolg.“ Denn lange bevor an eine gesetzliche Vorgabe zu denken gewesen sei, die einrichtungsübergreifende Fehlerberichts- und Lernsysteme fördert, hätten sich in Berlin erste Überzeugungstäter zusammengeschlossen, um nicht nur hausinterne Berichtssysteme zu nutzen, sondern vor alle, um miteinander und voneinander zu lernen. Noch heute sei ein Alleinstellungsmerkmal von CIRS Berlin, dass Beteiligte aus unterschiedlichen Krankenhäusern gemeinsam kritische Ereignisse analysierten.

CIRS ist ein anonymes Fehlermeldesystem, das seinen Ursprung in der Luftfahrt hat. Schon im Jahr 2002 hatte die Ärztekammer Berlin zusammen mit der AOK den Berliner Gesundheitspreis zum Thema „Fehlervermeidung und Sicherheitskultur verliehen“. Preisträger war der heutige Präsident der Schweizerischen Akademie der Medizinischen Wissenschaften, Daniel Scheidegger. „Wir wollten einen Wechsel von der Blame- zur Just-Kultur, bei der man sagt: Es ist okay, Fehler zu machen“, erklärte Scheidegger gestern in Berlin. „Doch das ist schwierig. Es gibt Psychologen, die sagen, es sei befriedigender, wenn man jemanden hat, dem man die Schuld geben kann.“

Anzeige

CIRS sei ein Kulturwandel und er sei noch nicht vorbei. „Ich glaube, wir sind auf einem guten Weg“, so Scheidegger. Dennoch sei der Stellenwert der Patientensicherheit noch nicht da, wo er sein sollte. 

Mehr als 10.000 Berichte

Ursula Bruckmann vom Gemeinschaftskrankenhaus Havelhöhe lobte vor allem, dass sich die CIRS-Teilnehmer in Berlin untereinander austauschen können. „Für mich ist ein sehr wichtiger Aspekt von CIRS, das wir uns mit Qualitätsexperten anderer Häuser vernetzen können und die Gelegenheit bekommen, uns informell auszutauschen“, sagte sie. Dabei sehe man, das in anderen Krankenhäusern Fehler passieren, die im eigenen Haus genauso hätten passieren können. „Wichtig ist, dass wir Krankenhäuser uns so gegenseitig motivieren“, sagte sie.

Ärzte können Fehler und Beinahe-Fehler anonym auf der Webseite www.kh-cirs.de melden, die vom Ärztlichen Zentrum für Qualität in der Medizin (ÄZQ) betrieben wird. Der Geschäftsführer des ÄZQ, Christian Thomeczek, erklärte, dass es 46 solcher Meldungen im Jahr 2008 gegeben habe. Mittlerweile gebe es mehr als 10.000 Berichte im System. Die Berichte werden von Mitarbeitern der Ärztekammer Berlin systematisch auf die Ursachen für die gemeldeten Ereignisse hin analysiert. Auf der Grundlage dieser Analysen entwickeln die Einrichtungen gemeinsam Strategien, um Fehlerquellen zu beseitigen und ihre Sicherheitskultur weiter zu entwickeln. © fos/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

23. Mai 2019
Berlin – Daten aus der datengestützten Qualitätssicherung können ab sofort auf Antrag für Forschungszwecke oder zur Weiterentwicklung der Qualitätssicherung genutzt werden. Darauf hat der Gemeinsame
Forscher können jetzt auf Daten der Qualitätssicherung zugreifen
16. Mai 2019
Berlin – In knapp drei Vierteln der Fälle, in denen Patienten einen ärztlichen Behandlungsfehler vermuteten, haben die Gutachter des Medizinischen Dienstes der Kran­ken­ver­siche­rung (MDK) keinen
Drei Viertel der Behandlungsfehlervorwürfe bestätigen sich nicht
15. Mai 2019
Berlin – Mehr als 380 Krankenhäuser aus Deutschland und der Schweiz haben jetzt ihre Qualitätsdaten für das Jahr 2018 veröffentlicht. Die Häuser gehören zur Initiative Qualitätsmedizin (IQM). Dies ist
380 Kliniken veröffentlichen Qualitätsdaten
10. Mai 2019
Berlin – Die planungsrelevanten Qualitätsindikatoren haben in den deutschen Krankenhäusern zu Veränderungen geführt. Das erklärte der Leiter des Instituts für Qualitätssicherung und Transparenz im
Neue Qualitätsindikatoren zeigen Wirkung
10. Mai 2019
Berlin – Das Aktionsbündnis Patientensicherheit (APS) hat den Einsatz eines Patientensicherheitsbeauftragten an allen Einrichtungen der Gesundheitsversorgung gefordert. APS-Generalsekretär Hardy
Aktionsbündnis will Beauftragte für Patientensicherheit an jeder Klinik
29. April 2019
London – Der Versuch, die hohe Mortalität nach Notfalloperationen in der Darmchirurgie durch ein Bündel von Maßnahmen zu senken, auf die sich britische Chirurgen verständigt hatten, ist in einer
Notfalllaparotomie: 37 Maßnahmen zur Qualitätssicherung bleiben ohne Wirkung
29. April 2019
München – Die Zahl der Patienten, die sich wegen möglicher Behandlungsfehler an ihre Krankenkasse wenden, ist im vergangenen Jahr in Bayern gestiegen. Bei der AOK Bayern wurden den Angaben nach 3.088
LNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER