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Aktionswoche Kinderschutz in Mecklen­burg-Vorpommern

Freitag, 21. September 2018

/dpa

Neubrandenburg – Hohe Sensibilität und sachgerechtes Handeln sind nach Überzeu­gung von Sozialministerin Stefanie Drese (SPD) entscheidend für einen wirkungsvollen Kinderschutz. „Ein funktionierendes Netzwerk verbessert die Lebens- und Entwick­lungs­perspektiven aller Kinder und Jugendlichen“, betonte die Ministerin heute bei der Kinder- und Jugendschutzkonferenz in Neubrandenburg.

Die Tagung mit rund 300 Fachkräften und interessierten Bürgern bildete den Auftakt zu der dritten Kinderschutzwoche des Landes. Nach Angaben des Sozialministeriums wird es bis zum 27. September dazu 53 Veranstaltungen geben, vorwiegend im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte, der nach Rostock und Schwerin in den Vorjahren nun 2018 Gastgeber ist.

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Öffentliche Wahrnehmung stärken

Ziel der Aktionswoche sei es, den Kinderschutz stärker in die öffentliche Wahrnehmung zu rücken und das Netz zum Schutz von Kindern vor Misshandlung und gravierender Vernachlässigung enger zu knüpfen, erklärte Drese. Neben Jugendämtern und Sozial­arbeitern gehörten dazu auch Ärzte, Kitas, Schulen und Jugendhilfeträger. Nur wenn Verdachtsfälle für Kindeswohlgefährdung – etwa über die Kinderschutz-Hotline – schnell gemeldet würden, könnten die Behörden rasch reagieren.

Drese informierte bei der Tagung erstmals über eine Kinderschutz-App, die helfen solle, Kinderärzten, Lehrern oder Erziehern bei Verdacht auf Kindeswohlgefährdung rasch und richtig zu handeln. „Es ist bundesweit die erste App dieser Art. Ich bin davon überzeugt, dass durch diese neue, von vielen genutzte Kommunikationsform die Arbeit und Vernetzung der Akteure in der Kinder- und Jugendhilfe erleichtert wird“, zeigte sich Drese zuversichtlich.

In der Praxis gebe es immer wieder Unsicherheiten. Zum Beispiel, welche rechtlichen Vorgaben zu beachten und welche Reihenfolge einzuhalten sind. Doch sei die Kinder­schutz-App, die nur für Android-Geräte anwendbar ist, kein Diagnoseinstrument. Die Verantwortung, im Einzelfall Gespräche zu führen, Hilfen anzubieten und Entschei­dungen zu treffen, bleibe bei den Fachkräften, betonte die Ministerin. Da gerade im Kinderschutz Vertrauen extrem wichtig sei, leite die App selbst keinerlei Daten weiter.

Im Jahr 2017 gab es laut Sozialministerium in Mecklenburg-Vorpommern fast 1.600 Inobhutnahmen. Etwa die Hälfte davon betrafen allerdings unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. In den meisten anderen Fällen wurden Kinder und Jugendliche zu deren Schutz für unterschiedliche Zeit aus den Familien genommen. Die Zahl der Verdachts­fälle auf Vernachlässigung, Misshandlung oder Missbrauch ist den Angaben zufolge viermal höher.

Aufsehenerregende Fälle von Missbrauch und Vernachlässigung hätten dazu geführt, dass auf Bundes-, Landes und kommunaler Ebene der Kinderschutz stark ausgebaut und professionalisiert wurde, sagte Drese. Viel Kraft werde dabei auch in Prävention und Beratung investiert. Im Haushaltsplan des Sozialministeriums für 2018/2019 seien Fördermittel unter anderem für Familienarbeit, Familienhebammen sowie den Betrieb der Kinderschutzhotline verankert. © dpa/aerzteblatt.de

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