NewsMedizinEpilepsieanfälle sind häufig zyklisch
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Epilepsieanfälle sind häufig zyklisch

Freitag, 21. September 2018

/Kateryna_Kon stock.adobe.com

Melbourne – Die Anfälle im Rahmen einer Epilepsie sind offenbar nicht zufällig gestreut, sondern folgen häufig bestimmten Rhythmen. Diese können zirkadian sein – also dem Tagesrhythmus folgen – aber auch wöchentlichen bis hin zu dreiwöchigen Zyklen folgen. Das berichten Wissenschaftler der University of Melbourne, Australien, um Mark Cook in Lancet Neurology (2018; doi: 10.1016/S1474-4422(18)30274-6).

„Der menschliche Körper ist eine Sammlung von Tausenden von Uhren, die jeweils nach ihrem eigenen Schrittmacher arbeiten. So können beispielsweise einige Zellen die Zeit mit Millisekundengenauigkeit verfolgen, während hormonelle Zyklen längere Zeiträume von Stunden, Tagen oder mehr haben können. Im Körper kombiniert hat das Vorhandensein all dieser Zyklen einen grundlegenden Einfluss auf unsere Gesundheit“, erläutert Cook.

Anzeige

Der Zusammenhang zwischen epileptischen Anfällen und anderen natürlichen Zyklen wird seit Hunderten von Jahren untersucht. Eine inzwischen widerlegte historische Hypothese deutete zum Beispiel auf einen Zusammenhang zwischen den Mondphasen und den Anfallsraten hin.

Die neue Studie verwendete Daten von einer Webseite und einer Handy-App, mit der 1.118 Patienten mit Epilepsie ihre Anfälle aufzeichneten und verfolgten, und von einer kleinen Studie, in der 12 Menschen mit Epilepsie ein Gerät eingebaut hatten, das die elektrische Aktivität in ihrem Gehirn aufzeichnete. Die Autoren betrachteten die Daten für die Anfallshäufigkeit zwischen 6 Stunden und 3 Monaten und identifizierten mittels statistischer Analysen Trends in den Anfallszyklen einzelner Patienten.

80 % der Menschen, die die Webseite und die mobile App nutzten, und 92 % der Menschen, deren Gehirnaktivität erfasst wurde, zeigten zirkadiane Rhythmen in ihren Anfällen. Zusätzlich zeigten 7 bis 21 % der Nutzer der Website und der mobilen App wöchentliche Rhythmen, und 14 bis 22 % der Personen hatten Zyklen, die länger als 3 Wochen währten. 

Anfälle treten gehäuft zu bestimmten Zeiten auf

Bei Menschen mit einem zirkadianen Zyklus ihrer Anfälle variierte die Spitzenzeit der Anfälle im Laufe des Tages, aber es traten mehr Anfälle gegen 8 Uhr morgens und 20 Uhr abends auf. Wöchentliche Zyklen begünstigten keinen Tag der Woche, aber mehr Menschen hatten dienstags und mittwochs Anfälle. Darüber hinaus hatten rund 64 % der Studienteilnehmer mehr als eine Art von Zyklus, der mit ihren Anfällen verbunden war. Die Ergebnisse waren bei Männern und Frauen sowie bei Menschen mit unterschiedlichen Formen der Epilepsie ähnlich.

„Die Allgegenwart der Anfallszyklen zeigt, dass es sich um ein wichtiges klinisches Phänomen handelt, das die meisten Patienten betrifft“, meint Cook. Auch ohne die Hintergründe der Anfallszyklen vollständig zu verstehen, könnten Ärzte zeitliche Muster in die Patientenmanagementpläne integrieren.

Ein möglicher Ansatz sei, die Medikamentenkonzentrationen mit den Zeiten abzustimmen, in denen Anfälle wahrscheinlicher seien. Dieses Vorhaben ist laut den Wissenschaftlern allerdings komplex, denn die täglichen Zyklen könnten auch durch Spitzen und Täler in der Arzneimittelwirksamkeit verursacht werden, so dass eine Änderung nur die Zeitpunkte der Anfälle einer Person ändern könnte. „Die Anpassung der Medikamentenzeiten an den Wochen- oder Monatszyklus ist ebenfalls noch nicht erforscht“, so Cook. © hil/aerzteblatt.de

Liebe Leserinnen und Leser,

diesen Artikel können Sie mit dem kostenfreien „Mein-DÄ-Zugang“ lesen.

Sind Sie schon registriert, geben Sie einfach Ihre Zugangsdaten ein.

Oder registrieren Sie sich kostenfrei, um exklusiv diesen Beitrag aufzurufen.

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort


Mit der Registrierung in „Mein-DÄ“ profitieren Sie von folgenden Vorteilen:

Newsletter
Kostenfreie Newsletter mit täglichen Nachrichten aus Medizin und Politik oder aus bestimmten Fachgebieten
cme
Nehmen Sie an der zertifizierten Fortbildung teil
Merkfunktion
Erstellen Sie Merklisten mit Nachrichten, Artikeln und Videos
Kommentarfunktion und Foren
Kommentieren Sie Nachrichten, Artikel und Videos, nehmen Sie an Diskussionen in den Foren teil
Job-Mail
Erhalten Sie zu Ihrer Ärztestellen-Suche passende Jobs per E-Mail.
Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

13. Juni 2019
Amsterdam – Besucher von Festivals mit elektronischer Musik haben aufgrund der Stroboskopbeleuchtung ein erhöhtes Risiko auf epileptische Anfälle. Dies ist das Ergebnis einer Studie in BMJ Open (2019;
Stroboskoplicht in Clubs kann epileptische Anfälle auslösen
30. Mai 2019
Berlin – Das Ärztliche Zentrum für Qualität in der Medizin (ÄZQ) hat seine Kurzinformationen für Patienten zu Angststörungen und zum Doosesyndrom – einer seltenen Form der Epilepsie im Kindesalter –
Neue Patienteninformationen zu Angststörungen und zu kindlicher Epilepsie
1. April 2019
Rennes – Trainierte Hunde sind offenbar in der Lage, epileptische Anfälle am Geruch der Patienten zu erkennen. Die Trefferrate lag in einer Pilotstudie in Scientific Reports (2019; doi:
Hunde können epileptische Anfälle erschnüffeln
19. März 2019
Freiburg – Auf eine neue Behandlungsoption für Epilepsiepatienten, bei denen Medikamente nicht ausreichend wirken und ein hirnchirurgischer Eingriff nicht infrage kommt, hoffen Ärzte vom
Universitätsklinikum Freiburg testet neue Behandlungsoption bei Epilepsie
6. März 2019
Freiburg/Frankfurt a. M. – Jeder dritte Epilepsiepatient spricht nicht auf Medikamente an. Ihre Therapiechancen können personalisierte Verfahren verbessern, sind Experten der Deutschen Gesellschaft
Epilepsie: Weniger Krampfanfälle durch personalisierte Therapien
30. Januar 2019
Berlin – Auf Probleme bei der Umstellung der Epilepsiemedikation auf ein wirkstoffgleiches Präparat eines anderen Herstellers weisen die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) und die Deutsche
Neurologen sehen Probleme beim Wechsel auf wirkstoffgleiches Epilepsiemedikament eines anderen Herstellers
22. Januar 2019
Frankfurt am Main – Das Konsortium zu komplexen Epilepsien der Internationalen Liga gegen Epilepsie hat eine großangelegte Analyse genetischer Daten von mehr als 15.000 Epilepsiepatienten und 29.677
LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER