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Medizin

EMDR wirkt ebenso gut wie Verhaltenstherapie bei Depressionen

Montag, 24. September 2018

Die psychologische Psychotherapeutin und stellvertretende Vorsitzende von EMDRIA Deutschland Susanne Leutner führt eine EMDR durch. Die Patientin folgt mit den Augen ihren Fingern, die sich schnell von rechts nach links bewegen (siehe Video). /EMDRIA Deutschland

Bergisch Gladbach – Seit Anfang 2015 ist das Eye Movement Desensitization and Reprocessing (EMDR) als Psychotherapiemethode in der gesetzlichen Kranken­versicherung bei posttraumatischer Belastungsstörung (PTBS) anerkannt. 2 Studien in Frontiers of Psychology bestätigen jetzt, dass die EMDR-Therapie auch bei der Behandlung von Depressionen bei Erwachsenen mindestens gleichwertig mit bislang angewendeten Psychotherapieformen ist (2018; doi: 10.3389/fpsyg.2018.01384 und 10.3389/fpsyg.2018.00074).

Seit vielen Jahren ist bekannt, das belastende Lebensereignisse die Entstehung depressiver Störungen beeinflussen. Deshalb verfolgt die Forschungsgruppe EDEN (European Depression EMDR Network) seit 7 Jahren das Ziel, Erlebnisse, die mit der Entstehung der Depression verbunden sind, mit EMDR zu verarbeiten. Die EMDR nutzt die gezielte Aktivierung von Erinnerungen an traumatische Erlebnisse bei gleichzeitigen starken Augenbewegungen, damit ein Patient belastende Erlebnisse verarbeiten kann.

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Die EDEN-Gruppe hatte schon 2 kontrollierte Studien veröffentlicht, die auf eine hohe Wirksamkeit der EMDR-Methode bei depressiven Störungen und vor allem auf eine tendenziell höhere Anzahl von kompletten Remissionen durch eine EMDR-Behandlung hingewiesen haben. Dies wird nun von 2 weiteren, randomisierten kontrollierten Studien bestätigt. Eine der Studien untersuchte 82 depressive Patienten, die ambulant mit je 16 Sitzungen EMDR beziehungsweise kognitiver Verhaltenstherapie behandelt wurden. Die 2. Studie untersuchte 30 depressive Patienten, die stationär mit Gruppentherapie mit zusätzlichen Einzelsitzungen beziehungsweise EMDR-Einzelsitzungen behandelt wurden.

EMDR (Eye Movement Desensitization and Reprocessing) ist eine Psychotherapiemethode, die PTBS bei Erwachsenen in kürzerer Zeit als bisher übliche Ansätze behandeln kann. Für Kinder und Jugendliche hat der wissenschaftliche Beirat Psychotherapie die Methode auf Basis wissenschaftlicher Daten nicht anerkannt.

„Die Studien zeigen mindestens eine Gleichwertigkeit einer EMDR-Behandlung mit den Kontrollgruppen“, erläutert Arne Hofmann, Leiter des EMDR-Instituts Deutschland und einer der Studienleiter. Zusätzlich weisen alle 4 Studien darauf hin, dass eine komplette Remissionen mit einem BDI-II (Beck-Depressions-Inventar 2) unter 9 Punkten nach einer EMDR-Behandlung häufiger auftritt. So sank der BDI-II in der EMDR-Gruppe bei 7 von 14 Patienten unter 9 Punkte, während dies nur bei 4 von 16 Patienten in der Kontrollgruppe der Fall war. „Dies könnte ein Hinweis auf einen erhöhten Schutz vor depressiven Rückfällen nach EMDR Behandlung sein“, schlussfolgert Hofmann.

/youtube, EMDRIA Deutschland

Die schlecht behandelbare Rückfallneigung von etwa 50 % in 2 Jahren bleibt ein dauerndes Problem bei Depressionen. Einer der wichtigsten Risikofaktoren für solche Rückfälle besteht darin, dass nach der letzten depressiven Episode keine vollständige Remission der Depression stattgefunden hat.

Die Autoren weisen aber auch darauf hin, dass depressive Störungen vielfältig sind und die Ergebnisse daher vorsichtig interpretiert werden müssen. Weitere wissenschaftliche Untersuchungen mit größeren Patientenzahlen und längeren Nachbefragungen sind daher geplant.

Keine anerkannte Methode bei Kindern und Jugendlichen

Seit 2013 empfiehlt die Welt­gesund­heits­organi­sation EMDR für die PTBS-Behandlung, 2014 hat der Gemeinsame Bundes­aus­schuss EMDR in die Richtlinienpsychotherapie aufgenommen. Im gleichen Jahr kam ein Gutachten des Wissenschaftlichen Beirats Psychotherapie jedoch zu dem Schluss, dass die EMDR-Methode bei Kindern und Jugendlichen PTBS nicht als wissenschaftlich anerkannt gelten könne. Es wurden 8 unabhängig randomisiert kontrollierte Studien ausgewertet. Weiter heißt es im Fazit: Ebenso kann EMDR bei Kindern und Jugendlichen nicht als wissenschaftlich anerkannte Methode für den Anwendungsbereich 6 (Anpassungs- und Belastungsstörungen, F43) gelten, da hierfür keine ausreichende Anzahl unabhängiger, methodisch adäquater und valider Studien vorliegt.

Wissenschaftlicher Beirat Psychotherapie nach § 11 PsychThG: Gutachten zur wissenschaftlichen Anerkennung der EMDR-Methode (Eye-Movement-Desensitization and Reprocessing) zur Behandlung von Anpassungs- und Belastungsstörungen sowie zur Behandlung der Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) bei Kindern und Jugendlichen

Bekanntmachungen Der Wissenschaftliche Beirat Psychotherapie verabschiedete in der Sitzung vom 1. Dezember 2014 das folgende Gutachten zur wissenschaftlichen Anerkennung der EMDR-Methode (Eye-Movement-Desensitization and Reprocessing) zur Behandlung von Anpassungs- und Belastungsstörungen sowie zur Behandlung der Posttraumatischen Belastungsstörung bei Kindern und Jugendlichen: 1. Grundlagen der

© gie/EB/aerzteblatt.de

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