NewsMedizinStudie: Depressionen vergrößern Stressregion des Gehirns
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Studie: Depressionen vergrößern Stressregion des Gehirns

Freitag, 21. September 2018

Blick von der linken Schläfe aus auf den linken Hypothalamus im Zentrum des Gehirns: Bei Personen mit Depressionen und bipolarer Störung sind vermutlich einige Regionen des Hypothalamus vergrößert (rot), einige sind jedoch auch verkleinert (gelb). /Acta Psychiatrica Scandinavica

Leipzig – Patienten mit schweren Depressionen wiesen in einer Querschnittstudie in Acta Psychiatrica Scandinavica (2018; doi: 10.1111/acps.12958) eine Vergrößerung des linken Hypothalamus auf. Die Forscher deuten dies als Folge chronischer Stressreaktionen, die Kennzeichen von Depressionen seien.

Die Ursachen von schweren Depressionen, zu denen neben der Major-Depression auch bipolare Störungen gehören, sind weitgehend unbekannt. Es ist allerdings bekannt, dass bei vielen Patienten die Produktion des Stresshormons Cortisol in der Neben­nierenrinde erhöht ist. Die Forschung deutet dies als eine vermehrte Aktivität in der Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse, deren zentrale Steuereinheit sich in der Hypophyse befindet. 

Stephanie Schindler und Mitarbeiter vom Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig haben deshalb die Hypothalamusregion von 40 Patienten mit Major-Depression (davon 20 ohne medikamentöse Therapie) und 21 Patienten mit bipolarer Störung in der Magnetresonanztomografie untersucht. Die Forscher konnten dabei eines der derzeit leistungsstärksten Geräte verwenden, das ein Magnetfeld von 7 Tesla erzeugt.

Die Forscher hatten vermutet, dass der Hypothalamus infolge einer Rückkopplung vermindert aktiv ist. Stattdessen stellten sie eine deutliche Vergrößerung fest. Der linke Hypothalamus hatte ein um 5 % größeres Volumen als in einer Kontrollgruppe von 23 gesunden Probanden.

Laut Schindler war die Vergrößerung des linken Hypothalamus umso deutlicher ausgeprägt, je schwerer die Depressionen der Patienten waren. Zwischen den Patienten mit Major-Depression und solchen mit bipolarer Störung bestanden keine Unterschiede. Auch die medikamentöse Behandlung scheint sich nicht auf die Vergrößerung des Stresszentrums im Gehirn auszuwirken.

Warum es zur Volumenzunahme kommt, ist nicht bekannt. Studienleiter Privatdozent Stefan Geyer vermutet, dass die dauerhafte Stressreaktion zu plastischen Verän­derungen und damit zu einer Vergrößerung der relativ kleinen Hirnregion führt. Der Hypothalamus hat in etwa die Größe eines 1-Cent-Geldstücks, was erklären könnte, warum die Größenzunahme bisher nicht entdeckt wurde. © rme/aerzteblatt.de

Liebe Leserinnen und Leser,

diesen Artikel können Sie mit dem kostenfreien „Mein-DÄ-Zugang“ lesen.

Sind Sie schon registriert, geben Sie einfach Ihre Zugangsdaten ein.

Oder registrieren Sie sich kostenfrei, um exklusiv diesen Beitrag aufzurufen.

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort


Mit der Registrierung in „Mein-DÄ“ profitieren Sie von folgenden Vorteilen:

Newsletter
Kostenfreie Newsletter mit täglichen Nachrichten aus Medizin und Politik oder aus bestimmten Fachgebieten
cme
Nehmen Sie an der zertifizierten Fortbildung teil
Merkfunktion
Erstellen Sie Merklisten mit Nachrichten, Artikeln und Videos
Kommentarfunktion und Foren
Kommentieren Sie Nachrichten, Artikel und Videos, nehmen Sie an Diskussionen in den Foren teil
Job-Mail
Erhalten Sie zu Ihrer Ärztestellen-Suche passende Jobs per E-Mail.
Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #103574
mkohlhaas
am Montag, 1. Oktober 2018, 13:34

Ach nee

Natürlich ist Dauerstress verantwortlich für Depressionen und
und dauerhafte Stressreaktion führt zu plastischen Verän­derungen der Stressregion.
Das limbische System ist nicht für Dauerstress ausgelegt. Irgendwann versagt die Regulierung. Die Folge davon sind Depressionen.
Nur die Psychiater mit Ihrem invaliden Diagnosesystem sind da noch nicht drauf gekommen.
Aber auch ein blindes Huhn findet mal ein Korn.

LNS

Nachrichten zum Thema

25. Mai 2020
Hannover – Die Zahl der Menschen mit diagnostizierten depressiven Episoden steigt. Wie die Kaufmännische Krankenkasse (KKH) heute in Hannover mitteilte, ist bundesweit mittlerweile fast jeder achte
Kasse weist auf mehr depressive Episoden hin
1. April 2020
Hannover − Gesundheitsexperten weisen auf besondere Belastungen für an Depressionen erkrankte Senioren in der Coronakrise hin. Da diese aufgrund des Alters und von Vorerkrankungen zur
Depressive Senioren leiden unter Coronakrise
26. März 2020
Berlin – Die COVID-19-Pandemie verändert die Gesellschaft und das Leben jedes Einzelnen. Durch die aktuelle Lage können Ängste und seelische Belastungen ausgelöst werden, die sich auch körperlich
Psychische Belastungen durch COVID-19: Hilfestellung in der Krise
20. März 2020
Berlin – Die COVID-19-Pandemie kann auch psychosoziale Folgen haben wie Angstzustände, Depressionen oder Schlafprobleme: Diese Folgen seien in China bereits sichtbar, fanden Wissenschaftler des
COVID-19: Chinesen leiden unter Angst- und Schlafstörungen während der Quarantäne
19. März 2020
Leipzig - Die mit dem Corona-Virus verbundenen Ängste und Einschränkungen wie Isolation stellen für an Depression erkrankte Menschen große Herausforderungen dar. Die Stiftung Deutsche Depressionshilfe
Stiftung Deutsche Depressionshilfe stellt Online-Intervention ohne Einschränkungen zur Verfügung
25. Februar 2020
Göttingen – Antikörper, die körpereigene Strukturen angreifen, sind Ärzten als Ursache von Autoimmunerkrankungen bekannt. Ein Autoantikörper gegen den NMDA-Rezeptor, der nach Hirnverletzungen oder
Studie: Autoantikörper können nach chronischem Stress Depressionen lindern
13. Februar 2020
London – Jugendliche, die sich körperlich wenig bewegen, entwickelten in einer prospektiven Beobachtungsstudie in Lancet Psychiatry (2020; doi: 10.1016/S2215-0366(20)30034-1) häufiger Depressionen.
LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER