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Medizin

Bewegung könnte den kognitiven Verfall bei seltener Alzheimerkrankheit verzögern

Dienstag, 25. September 2018

Zwei ältere Menschen joggen im Wald /Robert Kneschke, stock.adobe.com
Hilft Bewegungstraining Menschen mit Demenz? Studien kommen zu widersprüchlichen Ergebnissen. /Robert Kneschke, stock.adobe.com

Chicago/Tübingen – Bewegung kann auch für Menschen mit einer monogenetisch bedingten Alzheimerkrankheit von Vorteil sein. Mindestens 2,5 Stunden körperliche Aktivität pro Woche wirkten sich in einer Studie positiv auf Alzheimermarker im Gehirn aus und verzögerten den kognitiven Zerfall im Vergleich zu weniger aktiven Patienten. Die Ergebnisse wurden in Alzheimer & Dementia publiziert (2018; doi: 10.1016/j.jalz.2018.06.3059).

Die autosomal-dominante Alzheimer­krankheit (ADAD) ist selten. Diese monogenetische Form tritt in der Regel vor dem 60. Lebensjahr auf und wird autosomal-dominant vererbt.

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Ein Team um Christoph Laske vom Universitätsklinikum Tübingen ana­lysierte Daten von 275 Personen mit autosomal-dominanter Alzheimer­krankheit (ADAD) im Durchschnittsalter von 38,4 Jahren, die im Dominant Inherited Alzheimer's Network (DIAN) registriert sind. Fast die Hälfte der Teilnehmer bewegte sich mehr als 150 Minuten pro Woche (Laufen, Laufen, Schwimmen, Aerobic usw.) – was den aktuellen Empfehlungen der Weltgesundheits­organisation und des American College of Sports Medicine entspricht. Die Trainings­intensität wurde nicht erfasst. Die Art und Häufigkeit ließen die Forscher sich aber von Familienmitgliedern oder Freunden bestätigen.

Sportliche ADAD-Patienten zeigten signifikant bessere kognitive und funktionelle Leistungen und signifikant weniger AD-ähnliche Pathologien in der Rückenmarks­flüssigkeit als bewegungsarme Teilnehmer. So erreichte die körplich aktive Gruppe 3,4 Punkte mehr im Mini-Mental-Status-Test. Die Diagnose einer sehr leichten Demenz erhielten sie zudem 15,1 Jahre später im Vergleich zur Kontrollgruppe.

„Die Ergebnisse dieser Studie sind ermutigend, und das nicht nur für Personen mit einer seltenen genetisch bedingten Alzheimerkrankheit“, sagte Maria C. Carrillo von der Alzheimer's Association. Schon frühere Berichte deuten darauf hin, dass sich körper­liche Aktivität positiv auf kognitive Funktionen bei gesunden älteren Menschen auswirkt, sowie bei Personen mit leichter kognitiver Beeinträchtigung und jenen mit Demenz (BMC Geriatrics 2017, JAMA 2008). Bewegung kann das Risiko einer Alzheimerkrankheit reduzieren (JAMA 2009,  Neurology 2012). Körperliche Aktivität scheint demnach neuropathologische Veränderungen zu verlangsamen. Angesichts dieser positiven Auswirkungen empfiehlt eine neue Leitlinie regelmäßige körperliche Betätigung für Menschen mit leichten kognitiven Beeinträchtigung.

Andere Studien konnten den positiven Einfluss von Sport allerdings nicht bestätigen. Erst im Mai dieses Jahres publizierten britische Forscher eine Studie, die gegen den Effekt der Bewegung spricht.

Sport kann den kognitiven Verfall bei Menschen mit Demenz nicht aufhalten

Oxford/Warwick – Weder moderate noch hochintensive Bewegung vermochte bei älteren Menschen mit Demenz die kognitive Beeinträchtigung zu verlangsamen. Zu diesem Ergebnis kommen britische Forscher in einer nicht verblindeten kontrollierten Studie, die im BMJ veröffentlicht wurde (2018; doi: 10.1136/bmj.k1675). Viele Menschen sind der Ansicht, dass Bewegung den kognitiven Zerfall aufhalten könnte.

© gie/aerzteblatt.de

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